Militärübung war Grund für die Störung der Flugsicherung

13. Juni 2014, 21:22
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Slowakische Behörden bestätigen Truppenbewegungen "in Teilen Europas" - 13 Flieger ohne Ortung 

Wien - Nachdem die Ursache für die temporäre Störung der Flugsicherung in Österreich, Deutschland, Tschechien und der Slowakei zunächst noch unklar war, teilten die slowakischen Behörden am Freitagabend mit, dass das Abreißen des Radarkontakts in den vergangenen Tagen militärische Gründe hatte. "Das Verschwinden von Flugzeugen vom Radarschirm steht in Zusammenhang mit Truppenübungen, die in verschiedenen Teilen Europas am 5. und 10. Juni über die Bühne gegangen sind."

Weiters ließ die slowakische Flugsicherung wissen: "Sofort nach der Identifizierung des Problems wurde jene Seite kontaktiert, welche die Übungen organisiert hat, und diese wurden gestoppt."

Nato schweigt zu Vorfällen

Experten hatten kurz nach den Vorfällen einen Zusammenhang mit einer Nato-Übung in Ungarn vermutet, bei der das Stören von Flugzeugtranspondern geübt wurde. Von der Nato gab es dazu jedoch keinen Kommentar.

Die Luftfahrtbehörde Austro Contral hatte jeweils rund eine halbe Stunde an zwei Tagen Ersatzverfahren anwenden müssen, um die Sicherheit im österreichischen Luftraum zu garantieren. Wie erst später bekannt wurde, zeigte das Radar der zivilen Flugsicherung nicht mehr alle Maschinen über dem Bundesgebiet an.

Zehn Flugzeuge waren am 5. Juni, weitere drei vergangenen Donnerstag nicht mehr auf den Schirmen ortbar, bestätigt Markus Pohanka von der Austro Control dem STANDARD. "Es gibt für solche Fälle ein normiertes Ersatzprozedere. Dadurch war die Sicherheit im österreichischen Luftraum zu jedem Zeitpunkt gewährleistet", sagt Pohanka. Die Instrumente der österreichischen Flugraumüberwachung wurden geprüft und würden einwandfrei funktionieren.

Die Besatzungen der betroffenen Maschinen tauschten ihre Daten per Sprechfunk mit den Lotsen aus, die Sicherheitsabstände zwischen den Flugzeugen wurden präventiv vergrößert und weitere Flugsektoren geöffnet. Die fehlenden Angaben betrafen unter anderem Position, Flugrichtung, Höhe und Geschwindigkeit. Einige der Werte verschwanden plötzlich, nur um wenig später ebenso unerwartet wieder aufzutauchen.

EU-Agentur soll prüfen

Die Austro Control hat sich an die europäische Luftfahrtbehörde Euro Control und die EU-Agentur für Flugsicherheit (Easa) gewandt, die die Vorfälle nun untersuchen sollen.

"Es wird in alle Richtungen ermittelt", sagt Pohanka. Welche Fluglinien und die Behörden welcher Länder von den Blackouts betroffen waren, liegt laut dem Austro-Control-Sprecher ebenfalls unter Verschluss. Fest stehe lediglich, dass es sich um Flüge in großer Höhe gehandelt habe. "Es waren Flugzeuge betroffen, die Österreich in Form von Langstreckenflügen überflogen haben."

Die militärische Luftraumüberwachung war laut Verteidigungsministerium nicht betroffen; sie verfolgt auch Maschinen ohne aktives Transpondersignal. In der Geschichte der zivilen Luftraumüberwachung Österreichs waren die Ausfälle aber beispiellos: "So etwas hat es noch nicht gegeben", so Pohanka. (mcmt, derStandard.at, APA, 13.6.2014)

  • Die Flugverkehrslage war an zwei Tagen nicht mehr vollständig abgedeckt.
    foto: helmreich/ots

    Die Flugverkehrslage war an zwei Tagen nicht mehr vollständig abgedeckt.

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