Alternativschulen: "Wir kämpfen ums Überleben"

13. Juni 2014, 16:16
404 Postings

An Schulen in freier Trägerschaft steigt das Schulgeld. Eine Erhöhung der Förderungen ist nicht in Sicht

Die Waldorf- und Montessorischulen fühlen sich als die Stiefkinder im österreichischen Schulsystem. Sogenannte "Schulen in freier Trägerschaft" bekommen vom Staat nur einen Bruchteil ihrer Kosten bezahlt. Nun befürchten sie weitere Kürzungen. "Viele Schulen kämpfen ums Überleben", sagt Edgar Hernegger, Elternsprecher der Waldorfschulen Österreichs, im Gespräch mit derStandard.at.

Insgesamt gibt es in Österreich rund 600 Privatschulen, zwei Drittel davon werden von der katholischen Kirche oder anderen konfessionellen Erhaltern betrieben. Laut den Angaben des Europäischen Forums für Freiheit im Bildungswesen, einem Netzwerk nichtkonfessioneller Schulen, besuchen derzeit 5.500 Schüler eine Schule in freier Trägerschaft.

"Ungerechte Behandlung"

Die Alternativschulen würden ungerecht behandelt, sagt Hernegger. Der Bund zahlt die Gehälter für die Lehrer an konfessionelle Privatschulen, aber nicht für jene an Alternativschulen. Schulen in freier Trägerschaft bekommen insgesamt 4,5 Millionen Euro an Basisförderung. Die Waldorfschulen können damit 15 Prozent ihrer Kosten abdecken, den Rest müssen die Eltern tragen. "Derzeit zahlen wir zwischen 300 und 350 Euro pro Monat an Schulgeld", sagt Hernegger. Das sei für viele Eltern schon zu viel. "Wir wollen keine Eliteschulen sein. Jeder soll sich die Schule leisten können, an die er seine Kinder schicken will."

Die Situation verschärfe sich nun aufgrund aktueller Kürzungen bei den Bundesausgaben durch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Im Jahr 2009 hatte die damalige Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) die Mittel für die Schulen in freier Trägerschaft erhöht, damals einigte man sich auf 1.000 Euro pro Schüler, was rund vier Millionen Euro ergab. Im Jahr 2011 wurde das Geld allerdings um 20 Prozent gekürzt. Nach Protesten sagte Schmied den Schulen 200 Euro pro Schüler aus dem Budget für die Ganztagsbetreuung zu. "Die Kriterien dafür waren unklar, es wurde wohlwollend entschieden", erklärt Hernegger. Das soll sich nun ändern.

Künftig soll nicht der Bund, sondern die Länder die Mittel für die Tagesbetreuung auszahlen. Die Kriterien dafür sind allerdings in jedem Bundesland unterschiedlich. "Derzeit herrscht Chaos, die Länder haben keine Erfahrungen mit Alternativschulen", sagt Hernegger.

Ministerium beruhigt

Der Grund dafür, dass das Geld jetzt von den Ländern und nicht mehr vom Bund ausbezahlt wird, liegt im Ausbau der Ganztagsbetreuung für alle Schulen. Der Bund investiert bis 2018 400 Millionen Euro in den Ausbau der Ganztagsschulen. Bei der Einigung mit den Ländern habe man sich darauf verständigt, dass auch die Schulen in freier Trägerschaft in die Regelung einbezogen worden. "Die Länder waren während der Verhandlungen auch daran interessiert, die Alternativschulen zu fördern", beruhigt eine Sprecherin von Heinisch-Hosek.

Natürlich werde den Schulen jetzt auf dem Papier vom Bund weniger überwiesen. Aber das fehlende Geld könnten sich die Privatschulen "wie jede andere Schule auch" von den Ländern holen. Es werde nicht gekürzt, sondern es ändere sich nur, wer das Geld zahlt. Der Bund übernehme weiter die Basisförderung und die Länder zahlen die Förderungen für die Ganztagesbetreuung. "Die Alternativschulen sind uns wichtig, es gibt hier keine Kürzungen", heißt es aus dem Ministerium.

Für Eva Becker, Vorsitzende des Europäischen Forums für Freiheit im Bildungswesen, bedeuten die Änderungen trotzdem de facto eine Kürzung. "Das Geld der Bundesländer muss in die Nachmittagsbetreuung fließen, das ist eine zusätzliche Leistung." Außerdem seien damit noch nicht die Lehrer für die Betreuung am Nachmittag bezahlt. Becker und Hernegger kritisieren außerdem, dass die Förderungen seit 2009 nicht an die Inflation angepasst wurden, und das, obwohl die Schülerzahl steige.

Hoffnungen auf eine Erhöhung der Förderungen dürfen sich die Alternativschulen aber keine machen. Wie es aus dem Unterrichtsministerium heißt, sei derzeit der Spardruck dafür zu groß. (Lisa Aigner, derStandard.at, 13.6.2014)

  • Schulen in freier Trägerschaft bekommen die Kosten für Lehrer nicht ersetzt.
    foto: dpa/tirl

    Schulen in freier Trägerschaft bekommen die Kosten für Lehrer nicht ersetzt.

Share if you care.