Galaxy Tab S: Samsungs neues AMOLED-Tablet im Kurztest

21. Juni 2014, 10:53
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Hervorragender Bildschirm und viele Ähnlichkeiten zu Galaxy S5 - Softwareschwächen, aber auch neue Stärken durch Zusammenspiel mit Smartphone

Im Rahmen eines Presseevents hat Samsung vor kurzem ein neues Tablet vorgestellt - und zwar nicht irgendeines, wie das Unternehmen betont. Ein neues Flagschiff für die eigene Produktreihe soll das Galaxy Tab S  sein, und damit jene Position im Markt einnehmen, die bei Smartphones das Galaxy S5 innehat.

Disclaimer

Der WebStandard war vor Ort und konnte in einem Hands-On bereits erste Eindrücke über das Gerät sammeln sammeln. Wie immer sei darauf hingewiesen, dass so ein Kurztest wirklich nur als erste Impression zu verstehen ist. Allein schon aufgrund der räumlich und zeitlich stark begrenzten Situation, in der so ein Hands-On stattfindet, ist es schlicht unmöglich gewisse Eckpunkte - allen voran die Akkulaufzeit - zu überprüfen. Auch soll im Folgenden der Schwerpunkt auf den tatsächlichen Eindrücken liegen, und nicht noch einmal jeder Punkt der Spezifikationsliste wiederholt werden - dafür gibt es ja bereits den Bericht zur Produktvorstellung.

Äußerlichkeiten

Erstmals in Händen drängt sich umgehend ein Vergleich auf: Rein vom Design her wirkt das Galaxy Tab S wie eine größere Version des Galaxy S5. Die Rückseite ist aus dem gleichen Kunststoff gestaltet, auch die leichte Textur, die ein höherwertiges Gefühl vermitteln und zur Rutschfestigkeit beitragen soll, findet sich beim Tablet wieder. Insofern bleibt die Optik wohl weiterhin Geschmackssache - den einen gefällt es, die anderen lehnen sie strikt ab.

Leichtgewicht

Was hingegen sofort uneingeschränkt positiv auffällt: Das Galaxy Tab S ist wirklich beeindruckend leicht und dünn, und dies gilt nicht nur für die Ausführung mit 10,5-Zoll sondern fast in noch stärkerem Maße für jene mit 8,4-Zoll-Bildschirm. Mit einer Dicke von gerade einmal 6,6 mm kann das Gerät dabei sogar die direkten Konkurrenten iPad Air und Xperia Z2 bzw. das iPad Mini unterbieten. Das Gewicht liegt je nach Modell bei 465 oder 294 Gramm, wobei bei den LTE-Variaten noch ein paar Gramm dazugerechnet werden müssen.

derstandard.at

Besonderen Wert hat Samsung darauf gelegt, dass der Rahmen neben dem Bildschirm eher schmal ist. In Summe liegen beide Modelle jedenfalls durchaus gut in der Hand. In Sachen Verarbeitung hat Samsung hingegen zwar in den letzten Jahren ebenfalls Fortschritte gemacht, mit etwas Nachdruck kann aber an der einen oder anderen Stelle weiterhin ein leichtes Knarzen ausgelöst werden.

Bildschirm

Der wirkliche “Star der Show” ist beim Galaxy Tab S allerdings ohnehin der Bildschirm, wie Samsung im Rahmen der Präsentation ausführlich betonte. Und tatsächlich erweist sich dieser als echter Pluspunkt des neuen Tablets. Vor allem beim 8,4-Zoll-Modell macht sich die Auflösung von 2.560 x 1.600 Bildpunkten (16:10) durch ein gestochen scharfes Bild bemerkbar, aber auch bei der 10,5-Zoll-Variante gibt es in dieser Hinsicht wenig auszusetzen.

Farbenspiele

Der Wechsel auf einen AMOLED-Bildschirm - bisher setzte auch Samsung im Tablet-Bereich (mit der Ausnahme des Galaxy Tab 7.7) primär LCD-Panels ein - macht sich durch eine besonders farbintensive Darstellung bemerkbar. Manchen mutet dies bereits als unecht an, andere bevorzugen das samsungsche Farbenspiel wiederum. Schwarzwert, Kontrast und maximale Helligkeit können hingegen uneingeschränkt beeindrucken, in Summe ergibt sich ein sehr ähnlicher Eindruck zum Galaxy S5.

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Andere von Samsung angeführte Stärken des Bildschirms, wie die automatische Anpassung an unterschiedliche Lichtverhältnisse, konnten in dem gebotenen Ambiente - starkes Kunstlicht ohne die Möglichkeit die Geräte vom Platz zu entfernen - hingegen nicht getestet werden.

Performance

Als Herzstück arbeitet im Galaxy Tab S jener Exynos 5420-Prozessor, der auch bereits bei anderen aktuellen Tablets von Samsung zum Einsatz kommt. Im kurzen Test zeigte sich ein verblüffend inkonsistentes Bild in Fragen Performance. Während es bei einem der 10,5-Zoll-Modelle zumindest auf den ersten Blick wenig zu beanstanden gab, waren auf einem anderen Testgerät (ebenfalls 10,5-Zoll) immer wieder Hänger zu bemerken. Ob es sich dabei um ein Problem mit Vorserien-Firmware handelt, oder eine generelle Schwäche nach intensiver Nutzung vorliegt, lässt sich natürlich erst in einem ausführlichen Test überprüfen. Zwischen der Performance von 8,4 und 10,5-Zoll-Geräten war übrigens kein Unterschied festzustellen, was angesichts der selben CPU und Bildschirmauflösung allerdings nicht verwundern darf.

Vermischtes

Die Kamera wurde ebenfalls kurz angetestet, und bot eine für ein Tablet durchaus ansprechende Leistung, die Aufnahmen eines aktuellen Smartphones sind allerdings trotzdem erheblich besser. Ebenfalls aus dem Smartphonebereich übernimmt das Galaxy Tab S einen Fingerabdruckscanner, der unter dem Home-Button angebracht ist. Ansonsten gilt hier, was auch schon beim Galaxy-S5-Test gesagt wurde: Es gibt bessere Umsetzungen dieser Technologie als jene von Samsung, wobei beim Tablet allerdings ohnehin nicht erwartet wird, dass die Nutzung dieser Funktion mit einer Hand möglich ist. Apropos Home-Button: Samsung setzt also einmal mehr auf Hardwareknöpfe, was auch immer man davon halten mag.

Software

Die Software präsentiert sich in großen Teile so, wie man es zuletzt von Samsung-Tablets gewohnt war: Also mit massiven Änderungen der Oberfläche auf Basis von Android 4.4.2. All die Stärken - wie der Split-Screen-Modus - finden sich hier ebenso wie die vielen kleinen Design-Inkonsistenzen zum Rest-Android. Die Stiftnutzung ist beim Galaxy Tab S nicht vorgesehen, die überlässt man dem größeren Bruder Note Pro.

Im Gleichklang

Als wirkliches Plus erweist sich hingegen der Ausbau des schon vom Note Pro bekannten SideSync-Features. Damit lässt sich die Darstellung eines verbundenen Smartphones vollständig auf das Tablet übertragen. Einmal gepairt, kann dieser Vorgang vom Tablet aus mit einem Klick initiiert werden. Anschließend ist es möglich das Smartphone vom Tablet aus fernzusteuern, selbst Drag & Drop zwischen den beiden Geräten funktioniert tadellos.

Telefonieren am Tablet

Für das Galaxy Tab S hat man sich aber einen neuen Clou einfallen lassen: Ist SideSync aktiviert, werden auch Telefonanrufe an das Tablet weitergeleitet, und können dort angenommen werden, Audio-Ein- und Ausgabe werden dabei dann ebenfalls über das Galaxy Tab S abgewickelt. Technisch ist all dies per Wifi-Direct umgesetzt, wodurch die Performance bei der Übertragung deutlich besser ist als bei einer Bluetooth-Verbindung. Zudem müssen die beiden Geräte auch nicht direkt nebeneinander liegen. Leider funktioniert all dies aber einmal mehr nur mit ausgewählten Samsung-Smartphones.

Nicht in diesem Land

Die weiteren Softwareinnovationen, die im Rahmen der Präsentation des Tablets präsentiert wurden, fallen zu einem bedeutenden Teil in die Kategorie “leider vorerst nicht in Österreich”. Dies gilt etwa für die Magazin-App Papergarden - bei der sich aber ohnehin die Frage stellt, warum Samsung Google einmal mehr mit einem weniger umfangreichen Angebot direkte Konkurrenz macht - oder auch die Marvel Unlimited Comic-App.

Fazit

In Summe hinterlässt das Galaxy Tab S einen guten wenn auch nicht fehlerfreien ersten Eindruck. Vor allem der Bildschirm weiß zu gefallen, Sorgen bereiten hingegen die noch näher zu beleuchtenden Performancedefizite sowie die nicht immer gelungene Softwareausstattung. Das Sidesync-Feature ist dabei eines der echten Softwarehighlights, wobei natürlich die Frage ist, wie oft dies dann tatsächlich eingesetzt wird. Gut zu zu haben ist es aber allemal.

Zubehör

Vom parallel vorgestellten Zubehör, vermittelt das Book Cover, das drei unterschiedliche Betrachtungswinkel ermöglicht, einen positiven Eindruck. Dieses wird über Drucknöpfe direkt am Tablet befestigt. Die externe Tastatur wirkt hingegen etwas wackelig und bietet auch ein eher schwammiges Tipperlebnis.

Verfügbarkeit

Das Galaxy Tab S soll ab Anfang Juli im österreichischen Handel zu haben sein, dies in Ausführungen mit oder ohne LTE, sowie der Wahl zwischen 16 und 32 GB internem Speicherplatz (der sich mittels MicroSD-Karte erweitern lässt). Einen offiziellen Preis nennt Samsung Österreich zwar noch nicht, angesichts früherer Erfahrungen ist aber davon auszugehen, dass sich dieser am US-Preis orientieren wird. Damit würde das Modell mit 8,4-Zoll preislich bei 399 Euro beginnen, jenes mit 10,5-Zoll bei 499 Euro - und beide Geräte im hochpreisigen Segment angesiedelt sein. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 21.6.2014)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Kosten der Reise zur Präsentation des Galaxy Tab S wurden von Samsung übernommen.

Nachlese

Galaxy Tab S: Samsung stellt neues Tablet-Flaggschiff vor

  • Samsungs neues Galaxy Tab S gibt es in zwei Größen: Mit 10,5- und 8,4-Zoll-Bildschirm.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Samsungs neues Galaxy Tab S gibt es in zwei Größen: Mit 10,5- und 8,4-Zoll-Bildschirm.

  • Nicht nur von hinten (im Bild das kleinere Modell) erinnert das Design stark an das Galaxy S5.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Nicht nur von hinten (im Bild das kleinere Modell) erinnert das Design stark an das Galaxy S5.

  • Im Home-Button ist ein Fingerabdruckscanner angebracht.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Im Home-Button ist ein Fingerabdruckscanner angebracht.

  • Ein echter Pluspunkt ist die mögliche Verknüpfung mit einem Smartphone danke SideSync.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Ein echter Pluspunkt ist die mögliche Verknüpfung mit einem Smartphone danke SideSync.

  • Das Book Cover nutzt Druckknöpfe, um sich mit dem Tablet zu verbinden.
    foto: andreas proschofsky / derstandard.at

    Das Book Cover nutzt Druckknöpfe, um sich mit dem Tablet zu verbinden.

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