"Weg vom Image saufender Studenten"

15. Juni 2014, 17:24
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Positive Werte und Weltklasse-Teams bewirken spektakuläres Wachstum im niederländischen Hockey

Den Haag - Hockey boomt in den Niederlanden. Seit der erfolgreichen Heim-Weltmeisterschaft 1998 in Utrecht hat der nationale Hockeyverband KNHB seine Mitgliederzahl auf fast 240.000 verdoppelt.

Bei den derzeit laufenden Titelkämpfen in Den Haag holte das Frauen-Team zum siebenten Mal den Titel (2:0 im Finale gegen Australien), die Männer-Auswahl unterlag erst im Endspiel Australien 1:6.

Doch dem Wachstum bei sind Grenzen gesetzt - es gibt derzeit nicht genügend Hockeyfelder. Fast alle Vereine haben lange Wartelisten oder mussten sogar Aufnahmestopps verhängen.

Wartelisten

Der 2004 gegründete Amsterdamer Hockeyklub Athena etwa platzt aus allen Nähten. 1700 Mitglieder hat der Verein, fast 700 Menschen stehen auf der Warteliste. "Es ist ein Skandal, dass wir Kinder ausschließen müssen", sagte ein Athena-Funktionär der Zeitung Volkskrant. Bereits mussten Fußballvereine auf Geheiß der jeweiligen Kommune Teile ihres Geländes zugunsten der Hockeyspieler abtreten - und das im kick-verrückten Königreich.

Laut dem Sportsoziologen Koen Breedveld haben nicht allein die großen Erfolge der Nationalmannschaft den steilen Aufwärtstrend ausgelöst: "Der KNHB hatte in den Neunzigern eine Kampagne entwickelt, um weg vom Image hochnäsiger und saufender Korpsstudenten zu kommen.

Hockey wurde durch die WM 1998 stärker, während andere Sportarten es nicht schafften, von Weltmeisterschaften im eigenen Land zu profitieren." Auch impliziere Teamsport für viele Eltern einen Mehrwert - und Hockey hat sich hier hervorgetan. So bieten viele Vereine neben Sport und Spiel auch Hausaufgabenhilfe an.

"Flucht aus dem Fußball"

In den Großstädten verdankt Hockey seine Wachstumsraten aber auch "der Flucht aus dem Fußball", meint Breedveld. Besonders auffällig war diese Tendenz in Almere, wo 2012 ein Amateur-Schiedsrichter von Jugendlichen zu Tode getreten worden war. Der Hockeyklub Almere hat seitdem an Mitgliedern kräftig zugelegt, 1700 sind es mittlerweile. Auch dort sollen Fußballplätze in Hockeyfelder umgewandelt werden.

Laut Breedveld hätten staatliche Untersuchungen gezeigt, dass die Menschen "die Auswüchse des Fußballs satt haben". Hockey sei dagegen "ein Sport, der Zivilisation ausstrahlt, wo Normen und Regeln normal sind".

In den multikuturellen Wohnvierteln der Großstädte ist Hockey allerdings nach wie vor kaum bekannt. Vor den Weltmeisterschaften in Den Haag hatte der KNHB deswegen mit dem Projekt "Funkey Hockey" in sozialen Brennpunkten Demonstrationen veranstaltet. Schulkinder aus diesen Vierteln helfen bei der bis Sonntag laufenden WM als Ballkinder. (sid/red - 15.6. 2014)

ERGEBNISSE, WM in Den Haag:

Finale-Frauen

Australien - Niederlande 0:2 (0:2)

Halbfinale-Frauen

Niederlande - Argentinien 4:0 (3:0)

USA - Australien 2:3 (0:1, 2:2) n.P.

Finale-Männer

Australien - Niederlande 6:1 (2:1)

Halbfinale-Männer

Niederlande - England 1:0 (1:0)

Australien - Argentinien 5:1 (3:0)

  • Volle Hütte beim Match der niederländischen Frauen gegen Südkorea in Den Haag.
    foto: apa/czerwinski

    Volle Hütte beim Match der niederländischen Frauen gegen Südkorea in Den Haag.

  • Die Gastgeberinnen und Australien trafen einander schon in der Gruppenphase - im Endspiel sieht man sich wieder.

    Die Gastgeberinnen und Australien trafen einander schon in der Gruppenphase - im Endspiel sieht man sich wieder.

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