Der Zuckerlprozess, Ende

Kolumne13. Juni 2014, 15:17
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Das Imperium schlägt zurück. Herr Joseph S. Blatter lässt Neymar zwei Tore schießen und Brasilien das Auftaktspiel gegen Kroatien mit 3:1 gewinnen. Womit die Schadenersatzklage über 2,14 Euro (Wegnahme von Fisherman's Friend und Orbit-Kaugummi) zugegebenermaßen etwas in den Hintergrund geraten ist.

Der Mann hat deshalb seine Taktik geändert. Er hat nicht versucht, die verbliebenen Gummibärchen von Haribo, den Sportgummi von Egger und die Schnitten von Manner am Security-Check vorbeizuschleusen, damit er sie in den Mistkübel werfen muss. Nein, er hat diese Leckereien lieber Kindern geschenkt. Aus drei Gründen: Erstens hat er sich daran erinnert, dass ihm die Eltern Folgendes eingetrichtert haben: "Man soll Essen niemals wegschmeißen. Egal, ob es die Fifa sponsert oder nicht." Zweitens wollte er den Langweiler am Check, der den ganzen Tag nichts Gescheiteres zu tun hat, als verbotene Zuckerln aufzustöbern, enttäuschen. Und drittens ist es ihm in seinem Leben nie ums Geld gegangen. Ob er, vorausgesetzt, Blatter verliert den Prozess, wovon auszugehen ist, 2,14 oder 7,28 Euro bekommt, ist ihm egal. Es geht ihm wirklich nur ums Prinzip, um Gerechtigkeit.

Der Mann, der Robin Hood sehr gerne mag, hat übrigens prominente Unterstützung bekommen. Uefa-Boss Michel Platini hat angekündigt, Blatter im Mai 2015 sicher nicht wiederzuwählen. Auch ÖFB-Präsident Leo Windtner dürfte einer fünften Amtsperiode des Schweizers abgeneigt sein. Aber jetzt ist halt WM. Blatter soll seine interplanetare Veranstaltung genießen, sich in Sicherheit wiegen. Der Mann verspricht, keine Ruhe zu geben. Weil er nichts mehr zu verlieren hat. (Christian Hackl, DER STANDARD, 14.6.2014)

  • Der angestrebte Zuckerlprozess findet immer mehr Unterstützer.
    foto: apa/ap

    Der angestrebte Zuckerlprozess findet immer mehr Unterstützer.

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