Von wildem Schlagabtausch und defensiven Spam-Filtern

Analyse13. Juni 2014, 15:33
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Das Eröffnungsmatch zwischen Brasilien und Kroatien in Zahlen: Wer waren die Aktivposten?

Grafik im Vollbildmodus

Die Zahl der Pässe im Zeitverlauf (pro fünf Minuten)

fasresearch

Die Strukturanalyse des Eröffnungsspiels offenbart hüben wie drüben eine gewisse systemimmanente Einseitigkeit. Die Schwerpunkte der Interaktionen und Konfrontationen bildeten sich am rechten Flügel der Brasilianer bzw. am linken Flügel der Kroaten. Hier finden sich sowohl hinsichtlich der Pässe als auch der Zweikämpfe signifikante Verdichtungen. Der Passkonstellation Dani Alves - Oscar auf brasilianischer bzw. Vrsaljko - Olic auf kroatischer Seite entsprechen auch die intensiven Zweikampfbeziehungen.

Besondere Beachtung verdient die direkte Gegenüberstellung der beiden Flügelspieler Olic und Oscar. Beide entwickelten sowohl in puncto Spiel mit dem als auch Kampf um den Ball eine kaum nachlassende, beinahe rasende Dauerpräsenz. In dem wilden Schlagabtausch auf dieser Flanke spiegelt sich auch der abwechslungsreiche Verlauf der Begegnung.

Trotz der anfänglich spürbaren Nervosität brach selten Hektik oder gar Zerfahrenheit aus, sondern ein intensiver Kampf um den Raum. Während die Brasilianer den Weg in die Spitze  tendenziell in Form eines beziehungsreichen Kreiselns unternahmen, vollzog sich der kroatische Spielaufbau in nadelstichartigen Vorstößen. Besonders deutlich zeigt sich diese Asymmetrie an der Gegenüberstellung der Innenverteidigerpaare: David Luiz und Thiago Silva fungierten als umtriebige Vernetzungsaktivisten, während Lovren und Corluka gewissermaßen einen doppelköpfigen Spam-Filter gegen die Offensive bildeten.

Die klare Aufgabenteilung der beiden zentralen Mittelfeldakteure Luiz Gustavo und Paulinho lässt sich an der Gegenüberstellung von Passnetzwerk und Zweikampfgrafik erkennen. Bei den Kroaten verteilten sich die aktiven und reaktiven Agenden hingegen gleichmäßiger auf  Modric und Rakitic.

Neymar gab wiederum eine ausgeprägtere hängende Spitze als Kovacic. Jelavic und Fred gaben einen Vorgeschmack darauf, was den Typus des klassischen Mittelstürmers im Turnier erwartet: standartenhafte Kuratel und hin und wieder eine jener sprichwörtlichen Lücken, die der Teufel lässt. (Helmut Neundlinger / Umsetzung für derStandard.at: Florian Gossy und Markus Hametner, 13.6.2014)

DIE ANALYTIKER:  FASresearch mit Sitz in Wien und Brüssel war bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie bei der EM 2008 und 2012 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard auch Österreichs Qualifikationsspiele. Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Wolfgang Streibl, Harald Katzmair, Agnes Chorherr und Andreas Scheicher

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