Fußball-WM: Ein Rückblick in Videospielen

Ansichtssache15. Juni 2014, 12:00
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Fußball begeistert die Massen - und das schon lange nicht mehr nur im Stadion und vor dem TV-Gerät. Seit fast 30 Jahren werden Weltmeisterschaften auch als Videospiel ausgetragen - ein Rückblick.

foto: us gold

"World Cup Carnival" (US Gold)

C64, ZX Spectrum, Armstrad CPC

Das erste Game, das mit offizieller Lizenz in ein WM-Jahr ging, war "World Cup Carnival" von US Gold. Es erschien kurz vor Beginn des Weltfußballbewerbs, der 1986 in Mexiko über die Bühne ging.

Eigentlich hatte US Gold vor, eine Eigenentwicklung auf den Markt zu bringen. Deren Fertigstellung wurde jedoch durch diverse Pannen so stark verzögert, dass das Spiel zu WM-Start nicht marktreif gewesen wäre. Also erwarb man kurzerhand die Rechte an "World Cup Football" von Artic und passte den Titel inhaltlich an das Turnier an.

Weil man auch noch versuchte,  das Game als revolutionäre Neuerung zu verkaufen, regnete es wenig wohlwollende Rezensionen von der Spielepresse. Ein geglückter Start sieht wohl anders aus. Den Pokal sicherte sich damals übrigens Argentinien mit einem 3:2 über die Bundesrepublik Deutschland.

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foto: sega

"World Cup Italia '90" (Sega)

Amiga, Atari ST, C64, Mega Drive, Master System, ZX Spectrum, PC

1990 versuchten sich neben US Gold noch zwei andere Hersteller an einer Lizenz-Umsetzung. Während der Arcade-Titel "World Trophy Soccer" von Virgin Interactive kaum zu Bekanntheit kam, lieferte Sega mit "World Cup Soccer" bzw. je nach Markt auch "World Championship Soccer" oder "World Cup Italia '90" (Europa) eine Umsetzung im Stile von "Kick Off".

Weil zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Titels die Qualifikation noch nicht überall abgeschlossen war, finden sich unter den 24 spielbaren Nationen auch Länder, die es damals nicht zum Turnier nach Italien geschafft haben.

Der spätere Weltmeister, Deutschland, war allerdings genauso vertreten wie sein Finalgegner Argentinien. Die Partie endete 1:0.

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foto: nintendo

"Nintendo World Cup" (Nintendo)

NES, Game Boy

Nicht ganz so ernst mit einer realistischen Umsetzung nahm es im gleichen Jahr der japanische Hersteller Nintendo. Auch er lieferte eine WM-Adaption und stattete die teilnehmenden Teams mit allerlei Sonderfertigkeiten wie Power-Schüssen aus. Auch mit der Regelauslegung an sich war man eher großzügig, Gegner mit und ohne Ball konnten ohne großer Bedenken "abgeräumt" werden.

Insgesamt 13 Mannschaften standen zur Verfügung und waren mit fünf Spielern und dem Torwart am Feld vertreten. Gespielt wurde ausschließlich im Turniermodus. Am NES konnte auch zu zweit gegen den Computer oder mit bis zu vier Spielern gegeneinander gespielt werden.

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foto: us gold

"World Cup USA '94" (US Gold)

SNES, PC, Game Boy, Game Gear, Sega Genesis, Sega CD, Amiga

Anno 1994 war es wiederum nur noch ein Titel, der mit einer Lizenz daher kam. Es war die dritte und letzte Umsetzung aus dem Hause US Gold, die in den Augen der Presse endlich die Mittelmäßigkeit hinter sich lassen konnte.

Vom Prinzip ähnelte das Spiel dem Klassiker "Sensible Soccer" und bot im Vergleich zu den Vorgängern eine viel flüssigere Steuerung und allgemein ein angehmeres Spielerlebnis als auch ansprechende Grafik.

Neue Ideen brachte man ein, in dem man dem Spieler optional ermöglichte, automatische Hilfe beim Dribbeln zu erhalten, in dem er den Ball nicht mehr so einfach vom Fuß verlieren konnte, oder die manuelle Steuerung des Torwarts zu übernehmen. Auch die damals frisch eingeführte Rückpassregel konnte auf Wunsch abgeschalten werden.

Den realen Pokal durfte damals Brasilien zum insgesamt vierten Mal in die Höhe stemmen, nachdem man Italien in einem dramatischen Elfmeterschießen letztlich bezwingen konnte.

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foto: ascaron

"Anstoss: World Cup Edition" (Ascaron)

Amiga, PC

Auch ohne offizieller Lizenz verdient dieser Titel eine Erwähnung in der Riege der Fußball-WM Games. "Anstoss: World Cup Edition" erschien 1994 als Spin-off des im Jahr zuvor unter viel Lob veröffentlichten Managers "Anstoss". Der Spieler schlüpfte in die Rolle des Nationaltrainers eines von vielen Ländern aus Europa oder Amerika.

Während der Qualifikation konnten wochenweise etwas Trainingslager oder Freundschaftsspiele arrangiert werden, dazwischen trat man zu den jeweiligen Terminen gegen die Gegner aus der eigenen Gruppe an.

Schaffte man es zum Turnier, dessen Austragungsort ebenfalls wählbar war, wurde auf Tagesplanung gewechselt. Zwischen Morgen und Abend konnte man stundenweise Termine wie Trainings, Pressekonferenzen und Teambesprechungen ansetzen, während man sich durch Gruppen- und KO-Phase kämpfte.

Bis heut gilt der Titel als Klassiker, der eine treue Fanbasis hinter sich versammelte. Bis zur WM 2010 erstellten Anhänger sogar noch Datenpakete und Mods, um ihr Lieblingsteam auch durch das jeweils aktuelle Turnier führen zu können.

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foto: ea

FIFA World Cup '98 (EA Sports)

Playstation, N64, PC, Game Boy

Im Jahr 1998 schnappte sich Electronic Arts die Rechte an der Fußball-WM. Mit der "regulären" FIFA-Version "Road to World Cup" widmete man sich ganz der Qualifikation, ehe man im Turnier-Spin-Off den Bewerb in Frankreich nachbildete.

Das Spiel nutzte die gleiche Engine wie "RTWC", lieferte aber eine aufgewertete Präsentation, ausführlichere Audiokommentare sowie leichte Erweiterungen des Gameplays. Beide Titel stehen unter Kennern der Reihe auch heute noch hoch im Kurs, zumal "FIFA 98" mit Blurs "Song 2" einen echten Ohrwurm im Soundtrack-Repertoire hatte (Wooohooo!).

Den Titel bei der bislang letzten Fußball-WM mit österreichischer Endrunden-Beteiligung errang Gastgeber Frankreich. Das Team rund um den einstigen Weltstar Zinedine Zidane, der selbst zwei Treffer beisteuerte, bezwang Brasilien im Stade de France klar mit 3:0.

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foto: ea

"FIFA Fußball WM 2014" (EA Sports)

PS3, Xbox 360

Fast Forward: 16 Jahre nach der WM in Frankreich hält Videospiel-Branchenriese EA die Lizenzrechte an dem Turnier nach wie vor. Doch der Verkauf eigenständiger Turnier-Spin-offs scheint sich nicht mehr ganz nach Wunsch zu entwickeln. Diesen Schluss lässt zumindest die Tatsache zu, dass ein solches unter dem Titel "FIFA Fußball WM 2014" heuer nur für PlayStation 3 und Xbox 360 veröffentlicht wurde.

Andere Plattformen bleiben allerdings nicht außen vor, denn für Spieler am PC sowie PS4 und Xbox One wurde Ende Mai ein WM-Modus für "FIFA 14" veröffentlicht.

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foto: konami

"Pro Evolution Soccer 2014" (Konami)

PC, PS3, Xbox 360, PSP, PS2, Nintendo 3DS

Einen Turniermodus für Nationalteams bietet auch der "FIFA"-Konkurrent "Pro Evolution Soccer 2014" von Konami.

Dieser hat pünktlich vor Turnierbeginn sein Lizenzpaket nachgerüstet. Via Download des Data Pack 7 erhalten Spieler nun alle 32 WM-Teilnehmerteams mit Originalnamen und vielen echten Spielergesichtern. Weitere Originaldaten liefern Projekte wie PES Edit mit eigenen Patches auf inoffiziellem Wege nach - allerdings nur für die PC-Version.

Das reale Turnier hat mittlerweile begonnen und Gastgeber Brasilien brachte sich mit einem Sieg gegen Kroatien im Eröffnungsspiel in eine gute Ausgangsposition. Der neue Weltmeister wird im Finalspiel Mitte Juli gekürt. (Georg Pichler, derStandard.at, 15.06.2014)

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