Läppische Renditen statt runder Leidenschaft

13. Juni 2014, 13:45
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Der Fußball ist zwar ein Milliardengeschäft, doch die Klubs spielen als Investment im Keller

Wien - Der internationale Fußballverband Fifa wird nicht müde zu betonen, dass Fußball der globale Sport ist, das runde Leder die Welt regiert. Dabei regiert das Geld den Fußball. Kein Sport ist kommerziell so erfolgreich wie die Jagd auf die Tore des grünen Rasens. Eine aktuelle Aufstellung des Magazins Forbes zeigt, dass 15 Fußballspieler unter den 100 bestverdienenden Profisportlern weltweit zu finden sind. Cristiano Ronaldo ist mit einem Jahresverdienst von 80 Millionen Euro der Einnahmenkönig auf dem Rasen.

Wie in kaum einem anderen Sport haben sich auch eine Reihe von Vereinen als gewinnträchtige Konzerne etabliert. Die beiden spanischen Fußballvereine Real Madrid und FC Barcelona werden von Analysten mit immerhin mehr als drei Milliarden Dollar Marktwert bewertet. Das ist fast dreimal so viel wie der wertvollste Basketballverein (New York Knicks) oder 50 Prozent wertvoller als der American-Football-Primus, die Dallas Cowboys.

Anleger im Abseits

Doch Anleger haben von den kommerziellen Erfolgen des Fußballs direkt nur sehr wenig gehabt. Das zeigt ein Blick auf den Stoxx Europe Football Index (siehe Grafik), ein Korb von Aktien mit Fußballvereinen aus ganz Europa. Enthalten sind dabei börsennotierte italienische Clubs wie der AS Rom oder Juventus, aber auch niederländische (Ajax), schottische (Rangers, Celtic) oder türkische (Besiktas, Fenerbahce, Galatasaray). In den vergangenen Jahren war der Fußball für Aktionäre aber kein wirkliches Geschäft. So mussten einige überschuldete Vereine massiv ihre Verbindlichkeiten kappen. Für die Aktionäre springt bei den Fußballaktien tendenziell wenig heraus: Die Dividendenrendite liegt bei gerade einmal 0,4 Prozent, im breiten Aktienmarkt des Stoxx Europe 600 sind es immerhin 2,7 Prozent.

Kurzfristige Erfolge

Lediglich auf kurzfristige Erfolge können die Aktien daher gehalten werden. Ein Beispiel dafür liefert der deutsche Bundesligist Borussia Dortmund. Die Aktie des BVB hat nach zwei sehr guten Saisonen knapp 100 Prozent an Wert zugelegt, ein Drittel mehr als der deutsche Leitindex Dax. Doch das bleibt die Ausnahme. Viele Vereine in Europa schreiben Verluste, und die Aktien sind eher ein Papier für den treuen Fan als den kühlen Investor. Denn insgesamt, so zeigen Daten vom Indexanbieter Stoxx, macht die durchschnittliche Fußball-AG Verluste.

Doch es gibt auch indirekte Wetten auf den König Fußball. Dazu zählen etwa Wettanbieter, Medienkonzerne, Fernsehproduzenten oder Sportartikelhersteller. So hat etwa Adidas-Konzernchef Herbert Hainer kürzlich geschätzt, dass der Konzern dank seiner massiven Werbekampagne zu den Spielen in Brasilien mit mindestens einer Milliarde mehr Umsatz rechnet. Die Fernsehrechte von Sportgroßereignissen sind für Medienkonzerne wie 21st Century Fox ein Riesengeschäft. Die Fifa alleine verdiente bei der Weltmeisterschaft 2010 rund zwei Milliarden Dollar. Doch diese Gewinne werden für die meisten Anleger im Abseits gemacht. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 13.6.2014)

  • Von seinem Erfolg hat Cristiano Ronaldo (links) vor allem selbst etwas gehabt. Bei Borussia Dortmund waren zuletzt aber auch die Anleger im Siegestaumel.
    foto: reuters/javier barbancho

    Von seinem Erfolg hat Cristiano Ronaldo (links) vor allem selbst etwas gehabt. Bei Borussia Dortmund waren zuletzt aber auch die Anleger im Siegestaumel.

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