Erste Partie, erste Schiridebatte

13. Juni 2014, 13:29
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Die Kroaten hadern nach dem 1:3 gegen Brasilien mit Fehlpfiffen des Japaners Nishimura, Doppeltorschütze Neymar ist "glücklicher, als ich es mir je erträumt hätte, sein zu können"

São Paulo - Erste Partie, erste Schiridebatte. "Ich kann nicht glauben, dass ein Mann in so einem Spiel so vieles falsch sieht", sagte Kroatiens Ivica Olic nach der unglücklichen 1:3-Niederlage im WM-Eröffnungsspiel Donnerstagnacht gegen Brasilien über den japanischen Schiedsrichter Yuichi Nishimura.

Teamchef Nico Kovac hieb in dieselbe Kerbe: "Wir haben zwei Jahre dafür gekämpft, hier zu sein, und dann so was", schimpfte er und unterstellte dem Weltverband, einen unfähigen Schiedsrichter ausgesucht zu haben: "Es ist klar, dass bei Kroatien gegen Brasilien kein Europäer und auch kein Südamerikaner pfeifen kann. Aber wenn dieser Schiedsrichter es nicht kann, dann muss es eben ein anderer machen. Ein Spiel mit Weltklassespielern hat auch einen Weltklasse-Schiedsrichter verdient."

"Bald im Zirkus"

ORF-Schiedsrichterexperte Thomas Steiner ebenso wie sein ZDF-Pendant Urs Meier hielten die Elferentscheidung ohne Wenn und Aber für falsch. Der Schweizer Meier hätte Brasiliens Fred für seine Aktion sogar Gelb wegen einer Schwalbe gezeigt.

"Wenn das einer war, wird es bei dieser WM hundert Elfmeter geben, dann sind wir bald im Zirkus", sagte Kovac. Der 42-jährige Nishimura - Asiens Schiedsrichter des Jahres 2012 - hatte beim Stand von 1:1 nach einem harmlosen Zweikampf im Strafraum zwischen Fred und Verteidiger Dejan Lovren auf Penalty entschieden.

Das war aber noch lange nicht alles, was die starken Kroaten Nishimura vorhielten. Neymar, der Mann, der mit zwei Toren am Ende zum Matchwinner wurde, "hätte wegen einer Tätlichkeit Rot sehen müssen", sagte Ivan Rakitic, "und das beim Stand von 0:1. Und dann hätte ich sehen wollen, ob sie es in Unterzahl geschafft hätten, uns zu schlagen. So steht am Ende nur das Ergebnis, und in ein paar Jahren weiß keiner mehr, wie es zustande gekommen ist."

Die andere Seite

Perspektivenwechsel. Er habe die Szene zehnmal im Fernseher gesehen, sagte Luiz Felipe Scolari, "und für mich war das ein Elfmeter". Er könne die Reaktion des Kollegen Kovac aber verstehen und hätte in dessen Situation "sicher dasselbe gesagt".

Brasiliens Weltmeistercoach von 2002 musste aber auch zugeben, dass beim WM-Gastgeber noch Luft nach oben ist. "Wir müssen noch einiges verbessern, müssen uns noch weiterentwickeln und Rückschläge verarbeiten", sagte Scolari. Die Reaktion auf das 0:1 bezeichnete der 65-Jährige als "fantastisch".

Sonderlob gab es für den Doppeltorschützen Neymar. "Wir hatten Pelé, wir hatten Ronaldo, wir hatten Romario, Rivaldo und Ronaldinho", sagte Scolari, "aber einen wie Neymar hatten wir noch nie."

Denn an jenem Abend in São Paulo, rund 40 Kilometer von seinem Heimatort Mogi das Cruzes entfernt, hatte der 22-Jährige fast im Alleingang die Party gerettet. Mit einer Einzelaktion erzielte er in seinem schon 50. Länderspiel den Ausgleich (29.), übernahm dann beim unberechtigten Foulelfmeter Verantwortung und verwandelte ihn mit Glück (71.).

Treffer Nummer 32 und 33

"Ich bin glücklicher, als ich mir je erträumt hätte, sein zu können", sagte der Barca-Stürmer, als er in Kniestrümpfen und mit falsch herum aufgesetzter Baseball-Mütze seiner eigenen Kollektion die Auszeichnung als "Man of the Match" entgegennahm.

Man merkte, dass eine Riesenlast von ihm abfiel. Auf ihn hatten die Brasilianer schon im Vorfeld alle Hoffnungen gesetzt. Er selbst könne es aber nicht alleine richten, betonte Neymar, dem die Teamtore 32 und 33 gelangen.

Auch Oscar, "den jeder Vater zum Sohn haben möchte" und der mit Krämpfen in den Beinen den Treffer zum Endstand erzielte (90.+1), sowie Hulk, der angeschlagen war, aber auf die Zähne gebissen hatte ("Er ist ein Löwe"), hob Scolari hervor. (sid/APA/red, 13.6.2014)

  • Man war sich nicht einig, als Schiedsrichter Nishimura in der besten Phase Kroatiens auf den Punkt zu zeigen beliebte.
    foto: ap/stavrakis

    Man war sich nicht einig, als Schiedsrichter Nishimura in der besten Phase Kroatiens auf den Punkt zu zeigen beliebte.

  • Fred hielt sich für gefoult, Gegenspieler Lovren wusste nicht, wovon die Rede war.
    foto: ap/augstein

    Fred hielt sich für gefoult, Gegenspieler Lovren wusste nicht, wovon die Rede war.

  • Pletikosa war dran, Neymar baut aber trotzdem ein.
    foto: ap/bensch

    Pletikosa war dran, Neymar baut aber trotzdem ein.

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