Applehändler mcworld/mcshark mit 13,5 Mio. Euro Schulden insolvent 

13. Juni 2014, 12:36
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Zum Handkuss kommt auch der Steuerzahler

Geringe Margen führen zu großen Miseren. Am Freitag hat sich mit dem Welser Apple-Händler Mcworld/Mcshark ein weiterer Elektronikhändler in die immer länger werdende Liste von Pleiten in der Branche eingetragen. Das Unternehmen hat einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt und bietet dabei den Gläubigern seiner 11,8 Millionen Euro Schulden eine Mindestquote von 20 Prozent an.

Für Gerhard Weinhofer von der Creditreform hat sich Mcworld bei der Übernahme von Mcshark 2013 überhoben: "Der Kleinere hat sich am Größeren verschluckt." Das Geschäft soll in Teilen weitergeführt werden, betroffen von der Insolvenz sind 148 Arbeitnehmer und 133 Gläubiger.

Auch der Wiener PC-Händler DiTech schlitterte im März wegen zu offensiver Expansionspläne in die Pleite, mit Passiva von 37 Millionen Euro. Diese Woche hat zudem auch Elektroshop Köck die Insolvenz angemeldet (4,6 Mio. Schulden). Immer wieder werden Expansionen als Pleitegründe genannt, doch lassen sich die gehäuften Insolvenzen einzig mit Managementfehlern erklären?

Für Wolfgang Krejcik, Bundesobmann für den Elektrofachhandel, zeigt sich anhand der jüngsten Pleiten, dass der Wettbewerb für die Branche immer schärfer wird. "So was wie einen Stammkunden gibt es kaum noch, im Elektrohandel muss man sich jeden Tag neu beweisen." Vor allem Internet-Versandhändler wie Amazon oder Preisvergleichsportale wie Geizhals haben die Unternehmen unter Druck gebracht. Wie man genau auf diese Herausforderung reagieren muss, weiß auch der Spartenobmann nicht. Das Dilemma in der Branche ist für Krejcik aber klar: "Ich kann ohne Internet nicht leben, aber auch nicht ohne Gassengeschäft." Doch die Filialen seien ein unterschätzter Kostentreiber.

Republik bei Pleite betroffen

Krejcik kritisiert im Standard-Gespräch die Beteiligung der Republik an Mcworld scharf. Der Mittelstandsfonds der staatlichen Förderbank AWS hält 30 Prozent an dem Unternehmen. "Das empört mich, dass der Staat das Geld dort investiert", gleichzeitig gebe es aber etwa für Förderprogramme für Schulungen kaum Geld. Krejcik kritisiert, dass die Probleme der extrem geringen Margen beim Vertrieb von Apple-Produkten nicht beachtet wurden. "Es ist doch bekannt, dass Apple den Händlern nur eine extrem knappe Marge einräumt", von drei bis fünf Prozent ist teilweise die Rede.

Emilie Janeba-Hirtl, Chefin des AWS-Fondsmanagements, verteidigt das Mcworld-Engagement. Man hätte einem mittelständischen Unternehmen bei der Expansion geholfen und damit Arbeitsplätze gesichert.

Wie viel Geld die Insolvenz des Elektrohändlers der Republik und damit dem Steuerzahler kosten könnte, ist nicht klar. Auf der Homepage der AWS lässt sich lesen, dass Unternehmen mit 300.000 bis fünf Mio. Euro gefördert werden. Bei Mcworld soll der Fonds aber insgesamt sieben Millionen investiert haben, hat der Standard aus informierten Kreisen erfahren. AWS-Geschäftsführerin Janeba-Hirtl nannte die Summe auf Anfrage "absurd", wollte aber zur genauen Höhe der Beteiligung nichts sagen.

Der Mittelstandsfonds ist mit 80 Millionen Euro dotiert und ein Risikokapitalgeber. "Diesmal ist das Risiko leider schlagend geworden", sagt Janeba-Hirtl. Sie betont aber zugleich, dass andere Beteiligungen des Fonds diesen Verlust wettmachen könnten.

(sulu, DER STANDARD, 14.6.2014)

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