US-Firma Tesla überlässt Patente der Öffentlichkeit

13. Juni 2014, 12:19
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Der Elektroauto-Hersteller will die Verbreitung von Technologie fördern, das könnte dem E-Auto aus seinem Nischendasein helfen

Der US-Elektroautohersteller Tesla hat in einem ungewöhnlichen Schritt sämtliche Patente der Öffentlichkeit übergeben, um die Verbreitung seiner Technologie zu fördern. "Alle unsere Patente gehören euch", schrieb der Tesla-Chef Elon Musk am Donnerstag in einem Blog-Eintrag.

Die Firma habe "im Geiste der Open-Source-Bewegung" die Rechte an ihren Patenten aufgegeben, um die Verbreitung der Elektroautotechnologie zu erleichtern. Tesla werde keine Patentrechtsklagen einreichen, wenn andere Unternehmen die von Tesla entwickelte Technologie verwenden, versprach Musk.

Zu wenige E-Autos

Der Tesla-Chef schrieb, zur Zeit der Firmengründung habe man geglaubt, die Technologie durch Patente davor schützen zu müssen, dass die großen Hersteller sie kopieren und dann ihre Marktmacht nutzten, um Tesla zu erdrücken. Doch sei das Gegenteil der Fall gewesen. "Wir hätten uns nicht mehr irren können", schrieb Musk. Die "unglückliche Realität" sei, dass die großen Autofirmen praktisch keine eigenen Elektroautos entwickeln. Der Anteil von Elektroautos liege noch immer bei "weit weniger als einem Prozent der gesamten verkauften Fahrzeuge".

Der Rechtsprofessor Brian Love sagte, es sei unklar, ob Tesla tatsächlich seine Patente aufgebe oder ob die Firma nur verspreche, Nutzer nicht rechtlich zu verfolgen. Der kalifornische Hersteller ist mit seinen Elektroautos sehr erfolgreich. Die Firma will mit dem Bau einer großen Akkufabrik die Produktionskosten weiter senken und hat sich zum Ziel gesetzt, mittelfristig 500.000 Autos im Jahr zu produzieren.

Schub erwartet

Die Freigabe der Tesla-Technologien könnte nach Ansicht von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer dem Elektroauto aus seinem Nischendasein helfen. "Das System E-Auto kriegt dadurch einen starken Schub", sagte der Chef des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

Tesla biete Fahrzeuge mit vergleichsweise hoher Reichweite und geringen Ladezeiten an. Wettbewerber die Technologien kostenlos nutzen zu lassen sei ein großer Schritt nach vorn für die Branche, so Dudenhöffer. Davon könne auch Tesla-Gründer Musk profitieren. "Andere Hersteller haben keine Chance mehr, die Technologie links liegen zu lassen." (APA/red, derStandard.at, 13.6.2014)

  • Tesla setzt auf Open Source.
    foto: reuters/robert galbraith

    Tesla setzt auf Open Source.

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