Zuerst lesen, dann berichten

12. Juni 2014, 22:40
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Die Chefredakteure und Medienmacher der Welt diskutieren in Barcelona über Datenschutz, Quellenschutz - und Online-Buffets

Ursprünglich war der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, als einer der Redner angekündigt. Die Nachricht seines Todes verbreitete sich rasch bei dem Treffen, zu dem mehrere hundert Journalisten aus aller Welt nach Barcelona angereist waren.

Schlag nach bei Schirrmacher

Schirrmacher, der den Datenschutz hochgehalten hatte und dem Internet gegenüber eher skeptisch eingestellt war, hätte vieles von dem, was Journalismusprofessor Dan Gillmor sagte, begrüßt. Der in Arizona lehrende Gillmor rief die Journalisten dazu auf, vorsichtig mit ihren Quellen umzugehen und Verschlüsselungstechniken zu nutzen. Als Journalist sollte man Mobiltelefonen oder Skype nicht so sehr vertrauen.

Der US-Amerikaner kritisierte, dass Google, Apple und Amazon zunehmend bestimmten, "was wir sehen können und was nicht".  Das habe auch Auswirkungen auf die Medien: "Journalismus muss von Apple akzeptiert werden, um eine App zu bekommen. Das ist inakzeptabel."

Schirrmacher hätte auch die folgenden journalistischen Leitsätze Gillmors unterstützt: als Journalist solle man zur Bildung seiner Leser beitragen und sich aktiv im politischen Bereich einmischen.

Nur wer liest, kann berichten

Schon im Eröffnungsreferat von Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh hätte sich Schirrmacher, der mehrere Bücher publiziert hat, wiedergefunden: Der US-Journalist Hersh rief die Journalisten dazu auf, viel zu lesen. Nur wer etwas gelesen habe, könne dann auch fundiert berichten.

Eine ganz andere Welt präsentierte dagegen Jan-Eric Peters: Der Chefredakteur der Welt stellte den neuen Newsroom  und die Online-zu-Print-Strategie des Axel-Springer-Verlags in Berlin vor. Alle journalistischen Inhalte werden für Digital produziert und aufbereitet.

Ein Buffet von Online-Inhalten

Die Tageszeitungsjournalisten können sich dann "wie bei einem Buffet von den Online-Inhalten bedienten", beschrieb Peters. Den Tageszeitungsjournalisten ist nicht erlaubt, "ihr eigenes Menü zu kreieren". Es dürfe keine Geschichte nur für die Tageszeitung geschrieben werden. Dies auch, um den Rückfall in alte Verhaltensmuster zu verhindern.

Laut Peters seien nur noch zwölf Personen mit der Produktion der Tageszeitung beschäftigt. Kein Leser habe auf den Umstellungsprozess bisher negativ reagiert, versicherte der Welt-Chefredakteur.  Deshalb sein Rat an Kollegen: "Sei radikal, es gibt keine Zeit für eine ewige Evolution."  Dass sich eine Zeitung aus einem Onlinemedium zusammensetzen müsse, da hätte Schirrmacher sicher widersprochen.  (Alexandra Föderl-Schmid, derStandard.at, 13.6.2014)

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