90.000 Euro sollen in Fluss gefallen sein: 20 Monate bedingt für Ex-Banker

12. Juni 2014, 20:04
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Wegen Veruntreuung Angeklagter soll bei Geldtransport eine Reifenpanne vorgetäuscht haben - Bananenschachtel mit Banknoten auf Mauer abgestellt - Plötzlich verschwunden - 46-Jähriger nicht geständig - Urteil nicht rechtskräftig

Obertauern/Salzburg - Mit einer filmreifen "Story" hat sich am Donnerstag ein Schöffensenat am Landesgericht Salzburg auseinandergesetzt: Ein Bankbeamter transportierte im Vorjahr rund 90.000 Euro von der Sparkassen-Filiale in Obertauern zum Hauptsitz nach Radstadt. Während der Fahrt soll er laut Anklage eine Reifenpanne vorgetäuscht und 87.000 Euro abgezweigt haben. Er gab an, das Geld sei in einen Fluss gefallen.

Die Schöffen glaubten ihm nicht: Der ehemalige Bankangestellte ist wegen Veruntreuung zu einer bedingten Haftstrafe von 20 Monaten (Probezeit drei Jahre) verurteilt worden. Der 46-jährige Pongauer hatte sich bis zuletzt nicht geständig gezeigt.

Staunender Richter

Die Schilderungen des 46-jährigen Angeklagten versetzten den vorsitzenden Richter Aleksandar Vincetic in Staunen. Die Banknoten habe er am 7. Mai 2013 in einen Plastiksack gesteckt, dann in eine Chiquita-Bananenschachtel gelegt und in den Kofferraum des Dienstautos gestellt. In dem Karton verstaute er auch noch einen Sack mit 674 Euro Münzgeld, Blanko-Sparbücher, Blanko-Konzertkarten und rund 200 leere Geldsäcke.

Als er dann am Nachmittag auf der B99 ins Tal fuhr, habe er in einer Kurve bemerkt, dass Luft aus dem rechten Vorderreifen strömte. Um den Reservereifen und Wagenheber aus dem Kofferraum holen zu können, habe er die Bananenschachtel mit anderen Gegenständen auf eine 30 bis 40 Zentimeter breite, rund einen halben Meter hohe Mauer neben dem Parkplatz gestellt. Der Boden sei wegen eines vorherigen Gewitterregens zu nass für das Abstellen der Utensilien gewesen. Dass hinter der Mauer ein hochwasserführender Fluss, die "Taurach", ins Tal schoss, und der Standort für die Ablage des Geldes kein sicherer Ort ist, wie ihm der Richter vorhielt, sei ihm nicht aufgefallen, sagte er.

"Ich habe die leeren Geldsäcke über den Inhalt des Kartons gelegt. Das ist ein Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen", erklärte der bisher unbescholtene Ex-Banker, der während seiner Befragung zeitweise ein Schmunzeln aufsetzte. Der Richter schüttelte den Kopf. "Sie stellen Geld in Höhe über 90.000 Euro über einen rauschenden Bach. Sie werden doch den Bach wahrgenommen haben. Haben Sie sich nicht überlegt, dass das gefährlich ist?" Darauf habe er "in keinster Weise Bedacht genommen", lautete die lapidare Antwort.

Stundenlange Suche

Als der von der Reifenpanne informierte Direktor der Bankfiliale das Geld abholen wollte, sei plötzlich nur die Bananenschachtel verschwunden gewesen. Wie der Karton in den Bach fallen konnte, darauf fand der Angeklagte keine Erklärung. "Das ist eine Frage, die mir schlaflose Nächte bereitet hat. Vielleicht habe ich den Karton mit dem Reservereifen gestreift. Vielleicht haben sich die Münzen verschoben und die Schachtel ist deshalb runtergefallen oder die Gischt hat die Schachtel so weich gemacht, dass es sie runtergezogen hat."

Polizisten, Bergretter und Feuerwehrleute suchten in der Schlucht stundenlang nach dem Geld. Die Ausbeute war mit 3.500 Euro gering. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Pongauer vor, er habe diese kleine Geldmenge absichtlich in den Fluss geworfen, als Beweis dafür, dass es sich nur um ein Missgeschick gehandelt hätte. Tatsächlich habe der Mann rund 87.000 Euro veruntreut. Das Geld tauchte nicht mehr auf.

Kurz vor der Schließung

Der Verlust der Banknoten passierte ausgerechnet einen Tag, bevor die Filiale in Obertauern geschlossen wurde. Eigentlich hätte den Geldtransport am Vormittag des 7. Mai eine Firma übernehmen sollen. "Ich war mit dem Einpacken der Banknoten noch nicht fertig", erklärte der Beschuldigte. "Ich wollte noch die zerknitterten Geldscheine austauschen." Verteidiger Helmut Schott plädierte "trotz Widersprüchen" in der Aussage seines Mandanten auf einen Freispruch. "Es handelt sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände. Er hat kein Motiv gehabt, er hat keine Schulden und keine finanziellen Verpflichtungen." Staatsanwältin Katharina Dirisamer sprach allerdings von einer abenteuerlichen Geschichte, die man nicht glauben wird können.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig: Weder die Staatsanwältin noch der Verteidiger gaben eine Erklärung ab. Der Sparkasse, die sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen hatte, wurde ein Betrag in Höhe von 87.000 Euro zugesprochen.

Der bisher unbescholtene Beschuldigte soll während eines Geldtransportes am 7. Mai 2013 von Obertauern nach Radstadt eine Reifenpanne vorgetäuscht und 87.000 Euro abgezweigt haben. Er gab an, das Geld sei in einen Fluss gefallen. (APA, 12.6.2014)

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