Gentechnik: Stinkiger Kompromiss

Kommentar12. Juni 2014, 19:21
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Nach fast dreijähriger Blockade ist ein Kompromiss in Sachen GVO gefunden

Mit Gentechnik kann man die Mehrzahl der Österreicherinnen und Österreicher jagen, Deutsche übrigens auch. Dabei war es gerade Bundeskanzlerin Merkel, die bis vor kurzem von nationalen Anbauverboten gentechnisch veränderter Organismen nichts wissen wollte - und bei der Suche nach einem tragfähigen Kompromiss auf die Bremse stieg. Sei's drum. Nach fast dreijähriger Blockade ist der Kompromiss gefunden, auch wenn er mit einigen stinkigen Details garniert ist.

Ja, es gibt sie auch in Europa: Bauernverbände und nicht nur von Monsanto bezahlte Lobbyisten, die ein Loblied auf das vielkritisierte Saatgut anstimmen. Zwar fehlen bisher eindeutige Beweise, dass Gentechnik in der Landwirtschaft Vorteile bringt. Genmanipulierte Maissorten haben sich zumindest bisher nicht von anderen dahingehend abgehoben, dass sie weniger Wasser bräuchten; und weniger Pestizide schon gar nicht. Ein kleiner wirtschaftlicher Vorteil genügt freilich, dass sich manche ins Zeug legen: Die Stimme der Agrarindustrie wurde gehört, Monsanto & Co müssen konsultiert werden, wenn irgendwo ein nationales Anbauverbot verhängt wird. Das gab es bisher noch nie.

Zur Panik besteht allerdings auch kein Grund. Wer das Gen-Zeugs partout nicht will, soll und wird es nicht kaufen. Wenn die Käufer fehlen, werden früher oder später auch die Produzenten umdenken. Das ist die einzige Sprache, die sie wirklich verstehen. (Günther Strobl, DER STANDARD, 13.6.2014)

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