Der Zuckerlprozess, Teil 2

Kolumne12. Juni 2014, 17:50
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Man dankt für die Solidarität und zieht die Sache dann durch

Man muss Herrn Joseph S. Blatter überhaupt nicht in Schutz nehmen. Das Maß ist nämlich voll. Der Mann dankt zunächst für die Solidaritätskundgebungen. Dass sie ihm beim Security-Check vor dem Pressezentrum des Maracanã-Stadions die Zuckerln mit Zitronengeschmack, die er bei einer Tankstelle auf der Heiligenstädter Straße um 1,45 Euro gekauft hat, abgenommen haben, nur weil Fisherman's Friend kein Sponsor der Fifa ist, stieß auf globale Empörung. Der Mann hat bekanntlich eine Schadenersatzklage über 1,45 Euro in den Raum gestellt.

"Kämpfen Sie weiter", "Zeigen Sie es dem Blatter", "Held" und "Bravo" waren die negativsten Reaktionen. Der Mann gelobt, das Ding durchzuziehen. Am nächsten Tag hat er es mit Kaugummis der Marke Orbit Sugarfree, erstanden in der Obkirchergasse, versucht. Er ist wieder gescheitert. Der ferngesteuerte Wichtigtuer vom Check, vermutlich ein geistloser Blatter-Jünger, sagte: "Kein Sponsor der Fifa." Ab in den Mistkübel. Der Streitwert erhöht sich somit um 69 Cent auf 2,14 Euro. Der Mann wird weiterfighten, lässt sich die Würde nicht nehmen. Er hat noch Gummibärchen von Haribo, Sportgummi von Egger und Schnitten von Manner im Köcher - noch fünf Euro mehr.

Herr Blatter hat übrigens nicht reagiert. Möglicherweise aus Angst. Er hat stattdessen bekanntgegeben, für eine fünfte Amtsperiode zu kandidieren, und sagte doch glatt: "Wir sollen uns fragen, ob unser Spiel eines Tages auf anderen Planeten gespielt wird. Dann hätten wir nicht eine WM, sondern einen interplanetaren Bewerb." Der Mann fragt sich nun ernsthaft, ob der Prozess dann auf dem Mars, dem Pluto oder doch auf der Venus geführt werden muss. (Christian Hackl, DER STANDARD, 13.6.2014)

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