"FAZ"-Mitherausgeber Frank Schirrmacher gestorben

12. Juni 2014, 17:18
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"Besessener Zeitungsmacher" der "Frankfurter Allgemeinen" -  Motor von Debatten und Modernisierung

Frankfurt - Er entzündete Debatten über digitale Gefahren, Alterung, Migration. Er öffnete das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung ", war Motor ihrer Modernisierung. Donnerstag starb Frank Schirrmacher mit 54.

Frank Schirrmacher, der für das Feuilleton verantwortliche Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ist am Donnerstag überraschend mit 54 Jahren gestorben. Berichte über einen Herzinfarkt wollte der Verlag auf Anfrage nicht kommentieren.

Seit 1994 Mitherausgeber der FAZ

Schirrmacher, 1959 in Wiesbaden geboren, kam 1984 zur FAZ, 1985 begann er im Feuilleton. 1989 übernahm er nach Marcel Reich-Ranicki das Literaturressort Seit 1994 war er einer von fünf Herausgebern der Zeitung.

Mit Büchern etwa zur Überalterung der Gesellschaft und der Digitalisierung befeuerte er heftige Debatten, auch mit breiterer Ausrichtung des FAZ-Feuilletons. Co-Herausgeber Werner D'Inka zeigte sich im Frankfurter Journal "geschockt und sprachlos".

Besessener Zeitungsmacher

"Er hat vorausgedacht, er hat Themen gesetzt, er hat Debatten geprägt, er war ein Meinungsführer. Er gehörte zu denen, die dem Journalismus den Weg ins digitale Zeitalter gewiesen haben. Er wird der deutschen Publizistik an allen Ecken und Enden fehlen", schreibt Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) über den "besessenen Zeitungsmacher".

"Intellektuelles Energiezentrum"

"Das intellektuelle Energiezentrum Deutschlands" nennt ihn Springer-Chef Mathias Döpfner.

Der Feuilleton-Vize der FAZ, Edo Reents, erinnert an seinen obersten Chef als "buchstäblich beseelt" vom "erweiterte Kulturbegriff, unter dem er alles verstand und infolgedessen auch für berichtenswert hielt, was unser Leben prägt, vor allem natürlich technisch-futuristische Aspekte. Dazu gehört seit geraumer Zeit vor allem die digitale Welt, die er erkannt, durchschaut und der er zuletzt misstraut hat wie wohl kein Zweiter im Raum der deutschsprachigen Publizistik, ohne dass er je zum ,Kulturpessimisten' oder ,Technikfeind' geworden wäre."

"Ach wären Linke doch eher wie er"

Die linksalternative Berliner tageszeitung trauert um einen, der sie zu Lebzeiten seufzen ließ: "Ach, wären doch klassische Linke ein wenig eher wie er. Ein Unruhiger, ein Freibeuter, ein Intellektueller in einem Sinne, wie er kursorisch-gründlicher nicht zu denken ist." (red, derStandard.at, 12.6.2014)

Link

Wolfgang Blaus Erinnerungen an Frank Schirrmacher

"FAZ": Frank Schirrmacher gestorben

Nachruf in der FAZ: Ein sehr großer Geist

Nachruf in der taz: Der Eigensinnige

Nachruf auf SPIEGEL Online: Diese herrliche Lust am Untergang

Nachruf in der Süddeutschen Zeitung: Mann der Zukunft

  • Frank Schirrmacher, hier bei den Medientagen im Jahr 2010, ist gestorben.
    foto: apa/hochmuth

    Frank Schirrmacher, hier bei den Medientagen im Jahr 2010, ist gestorben.

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