IWF warnt vor nächster Immobilien-Blase

13. Juni 2014, 05:30
207 Postings

Die Krise hat die globalen Hauspreise nur kurz gebremst. Der Währungsfonds warnt vor den Folgen eines "untragbaren Booms"

Er ist für viele Ökonomen der Hauptschuldige der jüngsten Wirtschaftskrise: der Immobilienmarkt. Der Zusammenbruch nach einem jahrelangen Boom im angelsächsischen Raum hat Hausbesitzer ruiniert, zu Milliardenverlusten auf Bankbilanzen geführt und damit auch zu millionenfacher Arbeitslosigkeit beigetragen. Die Schockwellen haben die globale Wirtschaft 2008 und 2009 an den Abgrund gebracht.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat nun eine neue, weltweite Datenbank als Frühwarnsystem vor der nächsten Immobilienblase gestartet. Diese soll wie eine Alarmanlage die nächste Blase anzeigen. "Wir müssen uns gegen einen weiteren untragbaren Boom wappnen", warnt Min Zhu, Vizedirektor des Internationalen Währungsfonds.

Denn der Fonds geht nach Analyse der jüngsten Zahlen davon aus, dass die Immobilienmärkte in einigen Ländern weiterhin überhitzt sind. Auch global betrachtet nähern sich die Preise für Immobilien ihren Höchstständen (siehe Grafik). Doch dieser Blick liefert nur einen Bruchteil des weltweiten Immo-Mosaiks.

Absolut und auch relativ teuer

Tatsächlich müssen Hauspreise auch in ein Verhältnis gesetzt werden, zu den erzielten Einkommen der Bevölkerung, den Mieten und auch der historischen Entwicklung. Nimmt man diese Maßstäbe zusammen, zeigt sich: "Diese Kennzahlen sind deutlich über dem historischen Schnitt für die meisten Länder", warnt Zhu in einer Rede, die er jüngst bei einer Konferenz der Deutschen Bundesbank hielt.

Besonders gefährdet von einer möglichen Blase scheinen Länder zu sein, die von der vergangenen Krise relativ unbeschadet geblieben waren. Dazu zählen etwa Kanada, Schweden oder Australien. Die Rezessionen - so es sie überhaupt gab - waren dort schwächer als anderswo. Das hat zu verstärkten Investitionen der Sparer in den eigenen Markt geführt und ausländisches Kapital in diese Länder gelockt. Die niedrigen Zinsen haben die Finanzierungsbedingungen zusätzlich erleichtert.

"Keine Entschuldigung für Untätigkeit"

Geht es nach dem IWF, ist die Sache klar. Die Wirtschaftspolitik muss nun ihre Waffen schärfen, um auf die nächste Krise besser vorbereitet zu sein. Tatsächlich gibt es bis dato kaum erprobte Politikinstrumente gegen Blasen. "Das darf keine Entschuldigung für Untätigkeit sein", mahnt Zhu.

Der IWF nennt eine Reihe von Maßnahmen, um das Aufblähen gefährlicher Blasen zu verhindern. So sollen Bankregulatoren und Zentralbanken die Vergabe von Hypotheken beschränken, damit die Immobilienpreise nicht von der Schaffung neuer Kredite angeheizt werden. In diese Richtung ging zuletzt etwa die Europäische Zentralbank. Sie will, wie berichtet, zwar die Kreditvergabe in der Eurozone ankurbeln und bietet den Banken im Herbst dafür zwei zielgerichtete Geldspritzen mit bis zu 400 Milliarden Euro. Doch der Immobilienmarkt ist von diesem neuen Förderprogramm ausgenommen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 13.6.2014)

Links:

Seite des Internationalen Währungsfonds zu Hauspreisen: IWF Global Housing Watch

  • In Großbritannien warnte zuletzt die Bank of England wieder vor den Gefahren der stark steigenden Immobilienpreise für die Finanzstabilität.
    foto: reuters/melville

    In Großbritannien warnte zuletzt die Bank of England wieder vor den Gefahren der stark steigenden Immobilienpreise für die Finanzstabilität.

Share if you care.