Kuriosität entpuppt sich als echter da Vinci

12. Juni 2014, 18:19
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Wiener Experte schreibt Miniaturmodell eines menschlichen Schädels dem Universalgelehrten Leonardo da Vinci zu

Wien - Vielleicht sollte man öfter in Antiquitätenläden stöbern - unter Umständen könnte man dabei sogar auf einen echten da Vinci stoßen. Dieses Glück ist offenbar einem deutschen Ehepaar widerfahren, das 1987 ein Modell eines menschlichen Schädels erwarb. Jahre später wurde das Stück, das etwa ein Drittel der Größe eines echten Schädels hat, erstmals mit dem Renaissance-Genie Leonardo da Vinci in Zusammenhang gebracht. Mehrere Untersuchungen folgten - das Ergebnis der jüngsten wurde im Fachmagazin "Wiener Medizinische Wochenschrift" veröffentlicht.

Der aus Belgien stammende und inzwischen in Wien lebende und arbeitende Stefaan Missinne ist nicht nur ein da-Vinci-Experte, die Renaissance bzw. Frühe Neuzeit im Allgemeinen haben es ihm angetan. Erst 2013 ließ Missinne mit der Entdeckung des vielleicht ältesten Globus, der die "Neue Welt" zeigt, aufhorchen - und es war nicht irgendein x-beliebiger Globus, sondern ein graviertes Straußenei ("Alter Globus der Neuen Welt entdeckt"). Nun wandte sich Missinne dem Schädel aus dem Antiquitätenladen zu.

Ergebnis der Untersuchungen

Warum er das Objekt da Vinci zuschreibt, hat mehrere Gründe. Zum einen ähnle es in seinen anatomischen Besonderheiten wie der Schädelverformung und dem fehlenden Unterkiefer einer Skizze da Vincis, die zur königlichen britischen Sammlung gehört und sich auf Schloss Windsor befindet. Beide Objekte weisen die gleichen anatomischen Fehler auf und beide passen natürlich zur intensiven Beschäftigung des Renaissancekünstlers und -gelehrten mit der menschlichen Anatomie.

Zum anderen sprechen laut Missinne Analysen des Materials, aus dem der Schädel gefertigt wurde, für eine Urheberschaft da Vincis. Und zwar sei er aus "Mistioni" gemacht, einer Mischung aus Quarz, Gips und anderen Bindematerialien, die da Vinci im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts entwickelte und die niemand anderer verwendet haben soll. Missinne datiert den Schädel, der bereits mehrfach ausgestellt wurde, auf das Jahr 1508.

Und eine Funktion soll der Miniaturschädel auch gehabt haben. Es könnte sich nämlich aufgrund seiner Größe um einen sogenannten "Handschmeichler" gehandelt haben: Also einen Gegenstand, der einfach angenehm in der Hand liegt und der Entspannung dient. (jdo, derStandard.at, 12. 6. 2014)

  • Dieses kleine Prachtstück dürfte vor 500 Jahren eine ähnliche Funktion innegehabt haben wie heute die modisch gewordenen Qigongkugeln. Und niemand Geringeres als Leonardo da Vinci hat es angefertigt.
    foto: k. becker

    Dieses kleine Prachtstück dürfte vor 500 Jahren eine ähnliche Funktion innegehabt haben wie heute die modisch gewordenen Qigongkugeln. Und niemand Geringeres als Leonardo da Vinci hat es angefertigt.

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