Fahrrad in Wien: Was den Ösi "putzig" macht

Kolumne16. Juni 2014, 18:12
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Ein Blick von außen - ohne das übliche Suderantentum

Birte und Erwin waren eine Enttäuschung. Schließlich hatten wir Wiener Rad-Jammerer Bestätigung erwartet – und waren dann doch wieder bloß "niedlich".

Doch der Reihe nach: Das frisch pensionierte Kölner Lehrerpaar gehört zu jener Sorte Reisender, die sich Städte individuell erarbeiten will, dabei aber bestimmten – fast standardisierten – Verhaltensmustern folgt.

Wien per Gratis-Leihrad

Hop-on-Hop-off-Sightseeing praktiziert diese Klientel nicht mit fetten Bussen, sondern per Gratis-Leihrad. In Kopenhagen, Paris und Berlin ebenso wie in Valencia. Oder ebenso eben in Wien.

Super! Der Vergleich würde wohl den Wiener Suder-Kammerton treffen. Mit affirmativen Dacapos. Doch ach: "Radfahren ist hier ein Traum", legte Birte los. "Die Räder sind natürlich ein Kompromiss – aber ein guter."

Kriegt euch ein!

Aber: Radwege? Autofahrer? Rad-/Gehweg-Kombis? "Kriegt euch ein! Das klappt doch super! Wo es Sinn macht, sind die Radwege weg vom Verkehr. Und Autofahrer sind überall mühsam: Die lernen noch. Das braucht Zeit. Überall. Das gilt auch für Passanten: Die Markierungen sind ja da."

Gut hinter der Wirklichkeit

Und verschwindende Radwege? Sinnlose Kreuzungs-Umwegsysteme? "Kinder, das haben wir doch auch. Aber: Das nimmt doch keiner mehr ernst! Jeder Polizist weiß, dass es lebensfremd ist, wenn Radfahrer bei Rot ohne Querverkehr nicht rechts abbiegen." Pause. "Sagt bloß: Hier pfeifen die das? Na, da lebt ihr gut hinter der Wirklichkeit. Aber ganz ehrlich: Gerade das finden wir an euch Ösis doch so putzig." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 13.6.2014)

  • Radeln in Wien? Ein Traum, meinen die Leihrad-Experten Birte und Erwin.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Radeln in Wien? Ein Traum, meinen die Leihrad-Experten Birte und Erwin.

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