Polizei setzt Tränengas gegen Demonstranten in Sao Paulo ein

12. Juni 2014, 15:40
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Proteste gegen Fußball-WM

Sao Paulo - In der WM-Eröffnungsstadt Sao Paulo ist es wenige Stunden vor Anpfiff des Auftaktspiels Brasilien gegen Kroatien zu Tumulten zwischen WM-Gegnern und der Polizei gekommen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Gruppe der Demonstranten aufzulösen. Ein Mann wurde von den Polizisten überwältigt und abgeführt, wie auf Live-Bildern des TV-Senders Globo News zu sehen war.

Die Polizeieinheiten waren schwer bewaffnet und rückten mit Schutzschilden gegen die schätzungsweise 50 bis 60 Demonstranten vor.

Maskierte Demonstranten errichteten brennende Straßenbarrikaden. Sie knickten Straßenschilder um, rissen Mülleimer aus den Halterungen und zündeten Müll auf der Straße an. Zudem bewarfen sie Polizisten mit Steinen.

Die Sicherheitskräfte setzten Tränengasgranaten und Gummigeschoße ein, die Polizei war mit vielen Einsatzkräften vor Ort. Präsidentin Dilma Rousseff hatte erst am Mittwoch betont, dass es gegenüber Randalierern keine Rücksichtnahme geben werde. Dementsprechend hart ging die Exekutive vor.

Die Polizei ging auch mit Blendgranaten und Gummigeschoßen gegen jene Demonstranten vor, die sich bei der Metro-Station Carrao im Osten der Stadt etwa zehn Kilometer vom Eröffnungsstadion Corinthians Arena versammelt hatten, um gegen die WM zu protestieren. Örtlichen Medienangabe zufolge wurden mehrere Menschen verletzt, darunter auch eine Journalistin des US-Senders CNN. Es gab drei Festnahmen.

Die Demonstranten wollten offenbar zu einer großen Hauptstraße ziehen, die direkt zum Stadion führt, was von den Polizeieinheiten aber verhindert wurde. Es kam zu tumultartigen Szenen, bei denen die Polizei mit Schutzschilden vorrückte. An der Protestaktion beteiligten sich nach unterschiedlichen Angaben zwischen 50 und 300 Demonstranten. Auch an einer Stelle im Osten Sao Paulos versammelten sich WM-Gegner, vor allem Arbeiter und Studenten, auf der Straße. Dieser Protest blieb aber friedlich.

Blockade in Rio

Eine Gruppe von etwa 20 Streikenden hat am Fußball-WM-Eröffnungstag die zentrale Zufahrt zu Rios internationalem Flughafen teilweise blockiert und damit kilometerlange Staus verursacht. Mehrere Passagiere verließen die Taxis und legten den restlichen Weg zum Flughafen Galeao zu Fuß zurück. Einige verpassten dennoch ihre Flüge.

"Das ist eine Schande. Wie kann ein Dutzend Personen den Verkehr für Tausende blockieren, und die Polizei schaut untätig zu", ärgerte sich im Fernsehen eine Unternehmerin, die ihren Flug zu einem WM-Spielort im Nordosten Brasiliens verpasst hatte. Die Polizei stand nur wenige Meter von den Streikposten auf der Straße entfernt.

In den Abfertigungshallen des internationalen Flughafens sowie des innerstädtischen Airports Santos Dumont selbst waren die Auswirkungen des 24-stündigen Bodenpersonalstreiks nur begrenzt zu spüren. Die Gewerkschaft will mit dem Ausstand eine Lohnerhöhung durchsetzen.

Hunderte Fußball-WM-Gegner beteiligten sich an einem Marsch im Zentrum der Millionenmetropole, etwa zehn Kilometer vom FIFA-Fanfest an der Copacabana entfernt. Die Polizei war mit einem massiven Aufgebot vor Ort. Es gab mindestens drei Festnahmen.

In der WM-Stadt Natal im Nordosten Brasiliens sorgte am Donnerstag ein Streik der Busfahrer für Chaos. Nicht einmal ein Drittel der Busflotte war im Einsatz. Mehr als 500.000 Passagiere waren betroffen.

Proteste in Belo Horizonte und Porto Alegre

WM-Gegner und Polizisten sind am Eröffnungstag der Fußball-Weltmeisterschaft auch im WM-Spielort Belo Horizonte sind WM-Gegner und Polizisten aneinandergeraten. Die Sicherheitskräfte setzten am Donnerstag Gummigeschosse und Tränengas gegen Demonstranten des sogenannten Schwarzen Blocks ein. Die Randalierer bewarfen die Polizisten mit Steinen und zerstörten Fenster einer Bankfiliale.

Auch in Porto Alegre wurden Proteste und Ausschreitungen gemeldet. Randalierer warfen dort ein Polizeiauto um. Die heftigsten Konfrontationen gab es jedoch in der WM-Eröffnungsstadt Sao Paulo, wo schätzungsweise zehn Menschen verletzt wurden. (APA, 12.6.2014)

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