Der Frosch mit der Superkleberzunge

13. Juni 2014, 18:31
10 Postings

Tierisches Tixo, nur noch viel besser: Eine Froschart in Südamerika hat eine so klebrige Zunge, dass sie damit auch Mäuse fixieren kann, die schwerer sind als der Frosch.

Kiel/Wien - Es gibt nicht gerade wenige erstaunliche Rekorde im Tierreich, die zum Zungeschnalzen sind. Chamäleons zum Beispiel haben besonders riesige Zungen, die ausgerollt bis zu zweieinhalbmal so lang sind wie ihr Körper samt Schwanz. Zungen von Ameisenbären messen stolze 60 Zentimeter und dienen ebenfalls dazu, entfernte Beute ins Maul zu befördern.

Deutsche Biologen haben nun eine tierische Bestleistung in Sachen Zungenhaftkraft analysiert, die sich womöglich auch technisch nutzen lässt: In Südamerika beheimatete Schmuckhornfrösche schaffen es, mit der klebrigen Oberfläche ihrer Zunge in wenigen Millisekunden Beutetiere zu fassen und ins Maul zu transportieren, die bis zu ein Drittel schwerer sind als sie selbst. Das entspräche umgerechnet einem sechzig Kilo schweren Menschen, der ein 80 Kilo schweres Ding allein mit der Zunge heben würde.

Nicht nur klebende Spucke

Bisher ging man davon aus, dass die Tiere dank einer dicken Speichelschicht auf der Zunge dazu fähig seien, weil diese ähnlich wie Tixo klebt - nur eben um einiges besser. Wie die Zoologen Thomas Kleinteich und Stanislav Gorb (Universität Kiel) im Fachblatt "Scientific Reports" berichten, führten Experimente zu einem etwas anderen Ergebnis: Es ist wohl mehr als nur der Schleim auf der Zunge.

Die Forscher ließen die Frösche mit der Zunge nach Beute schnappen, die sich hinter einer mit Sensoren ausgestatteten Glasscheibe befand. Auf diese Weise wurde zum einen die enorme Haftkraft gemessen. Zum anderen zeigte sich, dass weniger Schleim auf der Zunge für mehr Kraft sorgte. Es muss also auch die Oberflächenstruktur der Zunge eine Rolle spielen.

Die Zoologen wollen in einem nächsten Schritt die Oberflächenstrukturen der Froschzungen entschlüsseln und auf diese Weise das Prinzip womöglich auch für technische Anwendungen zugänglich machen. (tasch, DER STANDARD, 14.6.2014)

  • Obacht: In diesem Maul eines Schmuckhornforschs steckt eine extrem klebrige Zunge, die in  Millisekunden Beutetiere fassen kann.
    Foto: Thomas Kleinteich

    Obacht: In diesem Maul eines Schmuckhornforschs steckt eine extrem klebrige Zunge, die in Millisekunden Beutetiere fassen kann.

  • thomas kleinteich

    Schmuckhornfroschzunge in Superzeitlupenaktion (aufgenommen mit 1000 Bildern pro Sekunde).

Share if you care.