Gezielte Brustkrebstherapie: Nutzen bei geringerem Risiko

12. Juni 2014, 11:24
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Der monoklonale Antikörper Trastuzumab hat in der Behandlung nicht weniger als "eine Revolution" bewirkt, sagt Brustkrebs-Experte Günther Steger

Weltweit ist der Einsatz von Therapeutika der gezielten medikamentösen Krebsbehandlung dabei, die Onkologie zu revolutionieren. Für eines der ersten derartigen Medikamente - Trastuzumab bei Brustkrebs - zeigt jetzt eine Analyse alter Daten aus mehreren Studien, dass der Nutzen die Nebenwirkungen deutlich überwiegt.

Längere Überlebenszeit

"Bei sogenanntem HER-2-positivem Brustkrebs hat der monoklonale Antikörper Trastuzumab zu einer Revolution geführt. Statt ehemals zumeist sechs bis acht Monate ist die durchschnittliche Überlebenszeit bei fortgeschrittener Erkrankung auf um die vier Jahre angewachsen", sagt Günther Steger, Mammakarzinom-Programmchef am AKH Wien.

Schon laut den klinischen Studien hatte der monoklonale Antikörper, welcher die bei 15 bis 20 Prozent der Brustkrebspatientinnen an der Oberfläche der Tumorzellen vermehrt gebildeten Rezeptoren für den Wachstumsfaktor EGF blockiert, eine sehr gute Wirkung. Die ehemals als "aggressiv" eingestuften HER-2-positiven Mammakarzinome wurden damit im Endeffekt besser behandelbar als Karzinome ohne diesen Faktor. Ein bei allen Studien registriertes mögliches Problem blieben Nebenwirkungen des Arzneimittels. Man registrierte mehr Herzkomplikationen.

Kritiker,  speziell Health Technology Assessment-Experten (HTA), blieben teilweise skeptisch. Doch eine Studie des auch von HTA-Verfechtern geschätzten Cochrane-Netzwerkes, das immer wieder alte Daten aus mehreren Studien zu einem medizinischen Thema in der Form von Meta-Analysen durchforstet, spricht jetzt deutlich für diese zielgerichtete Krebstherapie.

Meta-Analyse

Nun haben Forscher der Universität Mailand die Informationen von 1.497 Patientinnen mit HER-2-positivem Brustkrebs im fortgeschrittenen und metastasierten Stadium aus mehreren Studien mit Trastuzumab "gepoolt" und erneut analysiert. Diese Übersicht deutet darauf hin, dass Trastuzumab bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs in Verbindung mit einem signifikant längeren Überleben in Verbindung steht. Auch die Zeit bis zum Fortschreiten der unheilbar gewordenen Erkrankung wurde länger.

Bei den mit dem monoklonalen Antikörper Behandelten überlebten 373 von Tausend Patientinnen zwei Jahre. 35 der damit Behandelten entwickelten Herzprobleme, die zum Absetzen des Medikaments führten. Ohne Trastuzumab überlebten nur 300 Patientinnen zwei Jahre - bei zehn Fällen von Herzproblemen. Zumeist bildeten sich die Komplikationen, speziell Herzschwäche, aber wieder zurück.

Laut der Analyse traten die Herzprobleme speziell dann auf, wenn der monoklonale Antikörper mit einer bestimmten Chemotherapie (Anthrazykline) kombiniert wurde. Am besten dürfte Trastuzumab als erste medikamentöse Therapie bei dafür infrage kommenden Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs wirken. Die beste Kombination dürfte mit Chemotherapeutika aus der Klasse der Taxane vorliegen.

Solche Meta-Analysen können durch die Aufnahme der Daten von mehr Probanden aus etwa gleichen klinischen Studien deren Resultate bestätigen, aber auch darauf hinweisen, dass diese sich in der Routinepraxis nicht reproduzieren lassen. Kritisch zu betrachten ist dabei aber immer wieder, dass es sich nicht um neue Studien handelt, manchmal sorgen auch die Auswahl der verwendeten Untersuchungen und intransparente Auswertungen für Skepsis. (APA, derStandard.at, 12.6.2014)

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