Zum Start der Fußball-WM: Flughafenpersonal in Rio streikt

12. Juni 2014, 05:28
3 Postings

U-Bahn-Mitarbeiter in Sao Paulo stimmen gegen Ausstand

Rio de Janeiro/Sao Paulo - Pünktlich zum Auftakt der Fußballweltmeisterschaft am Donnerstag tritt das Bodenpersonal an den drei Flughäfen von Rio de Janeiro in den Streik. Nach Angaben der Gewerkschaft sollte ab Mittwochabend um Mitternacht Ortszeit ein Fünftel der Mitarbeiter für 24 Stunden die Arbeit niederlegen. Die U-Bahn-Angestellten in Sao Paulo wollen ihren Streik dagegen nicht fortsetzen.

Das Bodenpersonal habe sich "nach neun Monaten intensiver, aber erfolgloser Verhandlungen" für den Streik entschieden, erklärte die Gewerkschaft. Sie verlangt für ihre Mitglieder bis zu zwölf Prozent mehr Lohn, Bonuszahlungen für die WM und bessere Arbeitsbedingungen. Betroffen von dem Streik sind Rios internationaler Flughafen Galeao, der Inlandsflughafen Santos Dumont und der Flughafen Jacarepagua für Charterflüge.

Gewerkschaft ignoriert Gerichtsurteil

An ein Gerichtsurteil, wonach 80 Prozent der Mitarbeiter ganz normal zur Arbeit gehen müssen, will sich die Gewerkschaft aber halten. Gewerkschaftschef Rui Pessao rechnet aber trotzdem mit "Konsequenzen".

Die U-Bahn-Angestellten in Sao Paulo stimmten am Mittwochabend gegen einen neuen Streik, nachdem sie in der vergangenen Woche mit einem fünftägigen Streik für ein Verkehrschaos in der 20-Millionen-Metropole gesorgt hatten. Gewerkschaftschef Altino Melo dos Prazeres hatte danach mit einer Wiederaufnahme des Arbeitskampfes zum WM-Auftaktspiel am Donnerstag gedroht. Als "Hauptforderung" nannte er die Wiedereinstellung von 42 Angestellten, die wegen des Ausstands entlassen worden waren. Obwohl sie nicht wieder eingestellt wurden, stimmten die U-Bahn-Bediensteten nun aber gegen einen neuen Streik.

Im Corinthians-Stadion von Sao Paulo fällt am Donnerstag mit dem Auftaktspiel zwischen Brasilien und Kroatien der Startschuss für die WM. In Rio findet am 13. Juli das Abschlussspiel statt. Insgesamt werden in der Metropole am Zuckerhut sieben WM-Spiele ausgetragen, das erste davon am Sonntag.

Drohendes Verkehrschaos

Auch in der WM-Stadt Natal im Nordosten Brasiliens droht am Donnerstag ein Verkehrschaos, weil die Busfahrer streiken. Wie der Gewerkschaftsführer Paulo Cesar Ferreira sagte, sind Busse und Mini-Busse von dem Ausstand betroffen - die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt. In Natal werden vier WM-Spiele ausgetragen, darunter die Begegnung zwischen Mexiko und Kamerun am Freitag.

In neun von zwölf WM-Städten soll es am Donnerstag auch wieder Demonstrationen geben. In Sao Paulo sind gleich mehrere Protestveranstaltungen geplant. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, enorme Summen in teure Stadionbauten gesteckt und wichtige soziale Aufgaben beispielsweise im Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrswesen vernachlässigt zu haben.

Recht auf Demonstration

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff drohte am Mittwoch, die Sicherheitskräfte würden keine Toleranz im Falle möglicher Randale zeigen. "Wir sind ein demokratisches Land, und wir respektieren das Recht der Menschen zu demonstrieren", sagte sie. Doch es werde nicht die "geringste Rücksichtnahme" gegenüber denen geben, die meinten, sie könnten Vandalismus praktizieren. Die Regierung werde "die Sicherheit aller Touristen garantieren".

Inmitten der aufgeheizten Atmosphäre kündigte FIFA-Präsident Sepp Blatter an, dass er 2015 für eine fünfte Amtszeit kandidieren will. "Ich bin bereit, Euch in die Zukunft zu begleiten", sagte der 78-jährige Schweizer auf dem FIFA-Kongress in Sao Paulo. Angesichts der Vorwürfe, dass bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 an das Golfemirat Katar Bestechungsgelder in Millionenhöhe geflossen seien, hatten sich zuletzt die Rufe nach seinem Rücktritt gemehrt.

Der ehemalige englische Verbandspräsident, Lord David Triesman, griff Blatter und die FIFA am Mittwoch scharf an. Die FIFA verhalte sich wie eine "Mafia-Familie". Es gebe dort eine jahrzehntelange Tradition von Bestechungs- und Schmiergeldzahlungen und Korruption, erklärte er. (APA, 12.6.2014)

Share if you care.