Neue Führung der Konservativen: Ein Triumvirat gegen Sarkozy

11. Juni 2014, 18:04
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Frankreichs Konservative erhalten kollektive Führung

Was tun, wenn sich die Chefs nicht einigen können? Man gibt allen einen Führungsposten. Nach diesem Prinzip verfährt Frankreichs konservative "Union für eine Volksbewegung" (UMP) zumindest vorübergehend. Dienstagabend hat sie drei ehemalige Premiers, Alain Juppé, François Fillon und Jean-Pierre Raffarin, zu ihrer kollektiven Interimsleitung bestimmt. Das Triumvirat löst den Parteivorsitzenden Jean-François Copé ab, der wegen einer Veruntreuungsaffäre gehen musste.

Damit soll die gebeutelte Großpartei wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen. Ihre Hauptaufgabe ist es, den nächsten Parteikongress im Herbst vorzubereiten. Dabei soll, wie es dem gaullistischen Naturell entspricht, wieder ein richtiger Parteichef gewählt werden. Außenseiter wie der Abgeordnete Hervé Mariton oder Ex-Agrarminister Bruno Le Maire haben ihre Kandidatur angemeldet.

Vor allem dürfte sich aber auch Nicolas Sarkozy für den Posten bewerben. Noch hält sich der 59-jährige Ex-Partei- und Staatschef im Hintergrund. Im Unterschied zu früher erachtet er den Parteivorsitz aber wieder als Sprungbrett für eine neuerliche Kandidatur als Staatschef im Jahre 2017.

Abwesend am Parteiratstreffen, stellte Sarkozy durch seine Anhänger die Weichen: Er setzte durch, dass der nächste Kongress nicht wie angekündigt im Oktober, sondern erst im November stattfinden wird. Das lässt ihm mehr Vorbereitungszeit. Im permanenten Machtkampf um die UMP-Spitze schaffte er es zudem, dem Triumvirat einen vierten Mann zur Seite zu stellen: Juppé und Fillon mussten nach zweistündiger und äußerst gespannter Debatte akzeptieren, dass für den Sarkozy-Vertrauten Luc Chatel der Posten eines Parteisekretärs geschaffen wird.

Der Retter der Nation

Nachdem Copé bis auf weiteres aus dem Rennen ist, bahnt sich nun ein Duell an: Das Tandem Juppé-Fillon sucht gemäß der Zeitung Le Monde eine "Maginot-Linie" gegen Sarkozy zu errichten, während dieser alles tut, um die Autorität des Triumvirats in Frage zu stellen. An sich wollte er in aller Ruhe sein Comeback als Retter der Nation vorbereiten. Der Rücktritt Copés durchkreuzt aber seine Pläne. Der nie sehr populäre Parteivorsitzende war zwar keine Gefahr für ihn, hinderte seine Gegner wie Juppé und Fillon aber daran, selbst die Geschicke der UMP in die Hand zu nehmen.

Jetzt haben seine beiden Hauptgegner aber die Parteileitung übernommen. Das kommt bei den Parteimitgliedern an: Laut Umfragen hat Juppé heute mehr Anhänger als Sarkozy. Letzterer muss deshalb schneller als geplant in die Arena steigen. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 12.6.2014)

Kommentar

Frankreich und die UMP: Altlastkandidaten - von Stefan Brändle

  • Noch hält sich Ex-Präsident Nicolas Sarkozy im Hintergrund, schon bald könnte er aber UMP-Parteivorsitzender werden.
    foto: reuters/benoit tessier

    Noch hält sich Ex-Präsident Nicolas Sarkozy im Hintergrund, schon bald könnte er aber UMP-Parteivorsitzender werden.

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