Rififi um Chinas verschwundene Tonne Gold

11. Juni 2014, 17:48
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Im Goldrausch der vergangenen Monate blühte auch der Betrug mit Edelmetall

Peking - Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Diese bittere Erfahrung machte der chinesische Unternehmer Zhao Jingjun aus Hebei, ein erfahrener Großeinkäufer für Eisenerze und Edelmetalle aus Australien, Afrika und Südamerika. In Ghana hatte Zhao 14 Boxen voller Goldbarren mit Prägestempel gekauft, insgesamt 998 Kilo schwer und mit einem Wert von umgerechnet 25 Millionen Euro. Er ließ sie mit einem Charterflugzeug nach Hongkong liefern. Doch nach ihrer Ankunft entpuppte sich die Tonne Gold als wertloses Metall. Hongkongs Polizei geht vom größten Golddiebstahl seit mehr als einem Jahrzehnt aus, schrieb die South China Morning Post.

Nun rätselt die Polizei, wo der raffinierte Austausch der wertvollen Fracht durch 14 Kisten Schrott geschah, die offenbar goldangestrichene falsche Ein-Kilo-Barren waren. Der Transport in Ghana sei bis zum Flughafen überwacht worden. Der 43-jährige Zhao jedenfalls entdeckte den Raub erst vergangenen Mittwoch, als er fünf Kisten aus dem Lager abholen und zum Kunden bringen ließ. Dort machten sie bei der Übergabe und dem Öffnen der Kisten große Augen. Noch in der Nacht erstattete Zhao Anzeige.

Wettrennen auf Goldeinkäufe

Chinas Webseite für Goldinvestitionen warnt seit langem gewerbliche wie auch private Goldkäufer vor Betrug in jeder Form, besonders wenn es um falsche Barren, gefälschte Münzen oder unechten Schmuck geht. Gier lässt jede Vorsicht außer Acht. Als im Frühjahr 2013 weltweit die Goldpreise purzelten, lieferten sich massenweise spekulationswütige Hausfrauen, die ein Schnäppchen machen wollten, Wettrennen um Goldeinkäufe als Wertanlage oder Schmuck. Selbst China Daily sprach von "Irrsinn", als in nur zwei Wochen im April Goldhändlern und Schmuckläden in den Städten 300 Tonnen buchstäblich aus der Hand gerissen wurden.

Den weltweiten Preisverfall des Goldes hielt das nicht auf. Doch Chinas Goldverbrauch stieg 2013 mit 1176 Tonnen um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr und machte die Volksrepublik zum weltgrößten Verbraucher des Edelmetalls. Obwohl die eigene Goldproduktion um sechs Prozent auf 428 Tonnen stieg, war Chinas Einfuhrbedarf so hoch, dass es 2013 auch zum größten Goldimporteur der Welt aufstieg. 2014 wächst die Nachfrage immer noch zweistellig.

Letzter Großdiebstahl 2010

In Hongkong kam es zuletzt 2010 zum Großdiebstahl von Gold, als 265 Kilo von der Yuen-ong-Gesellschaft geraubt wurden, schreibt die SCMP. Es war indes nur ein Einbruch und kein raffinierter Austausch wie der noch unaufgeklärte jetzige Coup. Hongkongs Polizei kam den drei Dieben damals rasch auf die Spur und holte sich einen Großteil der Goldbeute zurück. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 12.6.2014)

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