Rom schlägt Alarm: Kein Geld mehr für Migrantenrettung

11. Juni 2014, 11:22
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Italienische Verteidigungsministerin: "Das Geld ist aufgebraucht"

Rom - Die Regierung in Rom klagte über hohe Kosten des Einsatzes "Mare Nostrum" zur Rettung von Migranten im Mittelmeer. "Der gesamte Einsatz lastet auf dem Verteidigungsministerium. Wir sind nicht mehr in der Lage, für diese Kosten aufzukommen", warnte Verteidigungsministerin Roberta Pinotti nach Angaben italienischer Medien am Mittwoch. Demnach koste die Rettungsaktion monatlich neun Millionen Euro.

Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi müsse zusätzliche Finanzierungen für den Einsatz im Mittelmeerraum auftreiben, forderte Pinotti weiter. Die Aktion "Mare Nostrum" hatte im Oktober nach zwei Schiffsunglücken mit mehr als 360 Toten begonnen. Seit Anfang dieses Jahres wurden etwa 52.000 Flüchtlinge von der italienischen Marine und von Handelsschiffen im Mittelmeer an Bord genommen.

Bis zu 100.000 Migranten bis zum Sommer

Laut Schätzungen des Innenministeriums könnten bis Ende des Sommers über 100.000 Migranten Italiens Küste erreichen. Wegen des dramatischen Anstiegs forderte Innenminister Angelino Alfano Hilfe von der EU. Die UNO müsse an der Küste Libyens eine stärkere Rolle gegen den Migrantenstrom spielen, hieß es aus Rom.

Das Innenministerium in Rom arbeitet an einem Sonderplan zur Aufnahme der Migranten. So sollen zusätzlich 300.000 Euro und 20.000 Betten in Schulen, Sporthallen und kirchlichen Einrichtungen aufgetrieben werden.

Am Stadtrand abgesetzt

Erst am Dienstag hatte das Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) berichtet, das italienische Behörden Hunderte Migranten ohne Geld und Nahrung auf zwei Parkplätzen am Rande von Rom und Mailand Hunderte Migranten ohne Geld oder Nahrung aussetzten. Es habe zwei Gruppen von jeweils 160 bis 170 Menschen gegeben, die am Stadtrand von Rom beziehungsweise Mailand abgesetzt worden seien, sagte die UNHCR-Sprecherin für Italien, Carlotta Sami.

In einer Erklärung kritisierte das UNHCR, viele der Einwanderer seien verwirrt gewesen und hätten keine Schuhe gehabt. Außerdem hätten sie nichts zu Essen oder Trinken erhalten, hieß es. Die Gruppe in Rom sei schließlich in einer Einrichtung für Asylbewerber aufgenommen worden, doch die Gruppe in Mailand habe sich am Nachmittag noch immer auf dem Parkplatz befunden, sagte Sami.

Die Flüchtlinge gehörten zu einer größeren Gruppe von 1.300 Einwanderern, die im Mittelmeer von Booten gerettet und am Montag in den süditalienischen Hafen von Taranto gebracht worden waren. (APA, derStandard.at, 11.6.2014)

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