Vom Ende der Welt zur Antarktis

Ansichtssache11. Juni 2014, 16:39
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David Dukaric machte sich mit der M/V Ortelius auf den Weg zum siebenten Kontinent. Hier berichtet er von dieser Expedition ans Ende der Welt

Die Reise zum siebenten Kontinent startete am 15. März mit der M/V Ortelius, die zusammen mit dem Expeditionsschiff Ushuaia ihre letzte Ausfahrt vor Wintereinbruch machten. Laut IAATO (International Association of Antarctica Tour Operators) waren in der Saison 2013/14 37.405 Besucher auf der Antarktis.

Passagiere aus der ganzen Welt

Da Saisonende war konnte man die Reise günstiger buchen. Ich war überrascht, dass die meisten Passagiere zwischen 30-50 Jahre alt waren. Auch einige Backpacker ließen es sich nicht nehmen an der Antarktis-Expedition teilzunehmen. Die Passagiere kamen aus der ganzen Welt, die meisten von ihnen waren Holländer. (Die Oceanwide Expedition gehört zu einer holländischen Reederei, die Fahrten zur Antarktis und Arktis anbieten).

Viele reisten aus Australien mit dem Flugzeug an, da eine direkte Fahrt mit dem Schiff zur Antarktis wesentlich mehr kosten würde noch dazu fährt man zwei Tage länger.

Reichlich Essen, spannende Vorträge

Das Essen war reichlich und vorzüglich, nicht nur frische Früchte, sondern auch Lachs und Kaviar. Kaffee; Tee und Kekse gab es ganztags zur freien Entnahme. Beim Essen blieb nun endlich Zeit die Passagiere näher kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen.

Bei der zweitägigen Fahrt über die Drake Passage gab es - damit uns nicht langweilig wurde - unterschiedliche Vorträge, die von sieben Spezialisten geführt wurden, darunter waren Ornithologen; Biologen und Umweltwissenschafter. Sie präsentierten die wissenswertesten Dinge über Seelöwen, Wale, Pinguine, Vögel und die Antarktis selbst. Uns wurde sogar in einem eigenen Foto-Seminar erklärt wie man gute Aufnahmen von Tieren macht.

Langsamer als ein 56k Modem

Die Ortelius verfügte sogar über Internet, es wurde uns jedoch abgeraten es zu benutzen, da es langsamer als ein 56k Modem funktioniert. Stattdessen habe ich mir dort eine Mailadresse genommen, die für eine gewisse Anzahl von Mails freigeschalten war (nur Text) und 15€ kostete. Man konnte auch eine Telefonkarte im Wert von 20€ (was 50 Gesprächsminuten entsprach) erwerben. Trotz einer Verzögerung von ca 1-2 Sekunden, war der Empfang ausgesprochen gut.

Unsere Landgänge dauerten durchschnittlich etwa 2-3 Stunden. Wir wurden dabei stets mit Schlauchbooten (Zodiacs) zum Eis gebracht. Dort konnte man sich dann in dem vom Expeditionsteam abgesteckten Gebiet frei bewegen.

Ein Seeleopard verspeist einen Pinguin

Auf Port Lockroy holten wir ein Pärchen ab, das dort zwei Monate lang gewohnt hat um kleine Holzhütten zu restaurieren. Der Mann ist Tischler und die Frau hilft ihm, wo sie kann. Sie kommen jedes Jahr auf die Antarktis, um für einige Monate Forschungseinrichtungen zu restaurieren.

Niemals werde ich aber vergessen als ein Seeleopard einen Pinguin verspeiste. Oder das Aufatmen eines Wals einige Meter neben unserem Schiff. Solche Erlebnisse, aber auch die Fahrt selbst über die Drake Passage machten die Antarktis-Reise so besonders.

Leider war kein Sprung ins Wasser möglich

Die Crew war trotz schlechten Wetterbedingungen stets bemüht uns soviel wie möglich von diesem Kontinent zu zeigen. Sie waren bei den Landgängen stets mit dem Schiff vernetzt, so dass wir immer am Laufenden waren wo sich die interessantesten Dinge abspielten. So fuhren wir spontan diverse Stellen an, an denen besonders interessante Tiere zu beobachten waren.

Auch Argentinien kann einiges bieten, was es auch auf der Antarktis gibt. Dazu gehören zum Beispiel Gletscher, Schnee, Seelöwen, Pinguine, Wale und vieles mehr. Trotzdem war die Antarktis das größere Abenteuer. Ganz zu schweigen vom Polar Plunge wo man die Möglichkeit hat ins Wasser zu springen. Auf Deception Island hätten wir die Gelegenheit gehabt, doch leider hat das Wetter nicht mitgespielt, wir musste umdrehen.

Nach unserer Ankunft in Ushuaia fuhr das Schiff über Uruguay, wo es günstigen Treibstoff tanken konnte, nach Holland zum Service. Diese Übersee-Fahrt dauert meist um die 30 Tage. Nach der Wartung fährt die M/V Ortelius in den Norden von wo aus die Expeditionsreisen zur Arktis starten.

foto: david dukaric

Das Expeditionsschiff M/V Ortelius wurde 1989 in Polen erbaut und fährt unter Zypriotischer Flagge. Das 91 Meter Lange Schiff fährt mit über 4000 PS (Dieselmotor) eine Geschwindigkeit von 14 Knoten. Eine 40-köpfige Besatzung samt Arzt gehört zur Schiffscrew, die sich um das Wohlergehen von 117 Passagieren kümmerte.

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foto: david dukaric

Nach einer Einführung an Board und kurzer Besichtigung gab es gleich mal eine Rettungsübung.

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foto: david dukaric

Insgesamt gab es 53 Kabinen am Schiff. Ich teilte mir für die nächsten zehn Tage mit zwei weiteren Passagieren eine Vierbettkabine mit kleinem Bad.

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foto: david dukaric

Man konnte ohne weiters auf die Brücke zum Kapitän solange man sich leise unterhielt. Der Aufenthalt war nur tagsüber gestattet. Nachts gab es nicht viel zu sehen, nur ein paar Lämpchen leuchteten an den Geräten auf, die über die Orientierung im Raum informierten.

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foto: david dukaric

Ein analoger Barograph zeigte die zukünftige Wetterentwicklung. In unserem Fall fiel die Kurve von Tag zu Tag so, dass wir bei der Heimfahrt mit dementsprechend schlechtem Wetter durch die Drake Passage rechnen mussten.

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foto: david dukaric

Der chilenische Kapitän Ernesto Barría bat um besondere Ruhe auf der Brücke als es in den Lemaire-Kanal ging. Alle paar Minuten sagte er dem 2. Offizier einen neuen Kurs an, da die Meeresenge recht risikoreich ist.

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foto: david dukaric

Während der Fahrt durch die Meeresenge konnte man in den vorderen Bereich des Schiffes gehen um so einen besseren Ausblick zu haben. Der Wind war jedoch hin und wieder ziemlich stark, die Anzeige zeigte teilweise sogar über 45kn (1kn ≙ 1,852 km/h)an, was auf der Beaufort-Skala einem Wert von 9 Bft (von 12 Bft) entspricht.

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foto: david dukaric

Besonders gespannt warteten viele auf der Brücke oder im Freien auf Tiere.

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foto: david dukaric

Mit den Zodiacs (Schlauchbooten) wurden wir in kleinen Gruppen auf das Festland gebracht. Für den Landgang waren eine kleine Schwimmweste und Gummistiefel erforderlich, die vom Schiff zur Verfügung gestellten wurden. Zudem möchte ich noch erwähnen, dass jedem Passagier an Board eine Nummer zugeteilt wurde. Bevor man nun das Schiff verließ, musste man aus Sicherheitsgründen seine Nummer bei der Rezeption verkehrt aufhängen, somit wusste die Crew, dass man an den Landgängen teilnahm.

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foto: david dukaric

Der Weg auf dem Festland, auf dem man sich gefahrlos bewegen konnte, wurde immer mit roten Fahnen abgesteckt. Innerhalb dieser Pfade konnte man sich hinsetzen und die Tierwelt beobachten. Rechts im Bild ist ein Forschungsschiff zu sehen.

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foto: david dukaric

In den zehn Tagen auf der Antarktis konnten wir ein Forschungsschiff und ein zweites Expeditionsschiff sehen.

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foto: david dukaric

Port Lockroy ist heute ein Museum und Postamt. Da in den Wintermonaten die Post unbesetzt ist, konnte man trotzdem Postkarten hinterlegen, die dann im November wenn die Saison wieder beginnt, verschickt werden. Lustig fand ich diesen Pinguin der wie ein Aufpasser vor dem Eingang stand und nicht von der Stelle wich, als würde er sagen wollen: "Putzt euch gefälligst die Stiefel ab bevor ihr reingeht!"

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foto: david dukaric

Die alte Walfangstation liegt im britischen Antarktisterritorium und wurde im zweiten Weltkrieg zu Militärzwecken genutzt. Heute kann man sich ein Bild vom Schlafzimmer, einer Werkstatt, Küche....

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foto: david dukaric

... sowie einem Forschungszimmer ein Bild aus früheren Tagen machen. Wir konnten auch einen kurzen Eintrag ins Gästebuch sowie Bilder von der Station machen. Gleich darauf ging es schon wieder weiter da sich das Wetter verschlechtert hatte.

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foto: david dukaric

Da maximal 100 Personen auf das Festland dürfen, machte man währenddessen für die verbliebenen 17 Personen eine Spazierfahrt mit den Schlauchboot.

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foto: david dukaric

Für die Getränke in der Bar nahm man sogar einen großen Eisblock mit.

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foto: david dukaric

Auf Almirante Brown konnte man auf einen Hügel wandern ...

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foto: david dukaric

... der einen herrlichen Ausblick bot. Von hier aus waren es ca. 2802 Kilometer zum Südpol und 17201 Kilometer zum Nordpol. Ushuaia lag 1148km entfernt.

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foto: david dukaric

Endlich brach ein wunderschöner Tag an, an dem man die Gegend noch besser beobachten konnte.

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foto: david dukaric

Während wir durch eine Meeresstraße fuhren und an Deck Tee und Glühwein tranken, konnten wir Wale beobachten, die unser Schiff begleiteten.

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foto: david dukaric

Metallica gab am 8. November ein Konzert auf der Antarktis. 19 Gewinner einer „Coca Cola“-Gewinnverlosung konnten sich das Konzert mit Kopfhörern anhören (ohne Verstärker aufgrund des Umweltschutzes). Auch Mitglieder von den nahegelegenen Forschungsstationen sowie die Schiffscrew der Ortelius ware dazu eingeladen.

Die Band flog zwar auf die Antarktis, übernachteten jedoch vier Tage auf der Ortelius. Zum Dank schenkten sie der Crew ein Schlagzeugfell, das sie zuvor mit Autogrammen versehen hatten.

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foto: david dukaric

Einer der schönsten Sonnenuntergänge die ich jemals gesehen habe.

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foto: david dukaric

Der Eisberg ließ die Sonnenstrahlen noch spektakulärer erscheinen.

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foto: david dukaric

Die Rückfahrt startete schon früh morgens Richtung Ushuaia.

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foto: david dukaric

Man warnte uns vor der Rückfahrt durch die Drake Passage, da diese bekannt für Turbulenzen ist. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir aber nicht ahnen wie schlimm es wirklich werden würde.

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foto: david dukaric

Wie vorhergesagt war das Meer sehr unruhig, besonders Nachts donnerten die Wellen gegen den Bug. Zwei Uhr Morgens klopfte es an der Tür, die Luken mussten geschlossen werden.

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foto: david dukaric

Im Stiegenbereich wurden vorsichtshalber Speibsackerl verteilt.

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foto: david dukaric

In Ushuaia angekommen, wartete schon ein Autobus, der einige Schiffspassagiere zum Flughafen brachte. Denn viele von ihnen waren nur für diese zehn Tage angereist. So auch mein Zimmerkollege aus China, der auf Grund des Jetlags und der Turbulenzen das Zimmer weder bei der Hin- noch bei der Rückfahrt verlassen hat.

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foto: david dukaric

Diese Karte zeigt unsere Reiseroute. Einige unserer geplanten Landgänge konnten leider wegen schlechter Wetterbedingungen nicht stattfinden. Gut, dass es aber genug Ausweichrouten gab. Flexibilität ist das Um und Auf bei so einer Reise.

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