Zwergspinnen: Der große Keuschheitsgürteltest

10. Juni 2014, 19:38
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Spinnenmännchen verhindern durch sogenannte Begattungspfropfe, dass Rivalen bei den Weibchen zum Zug kommen - Forscher haben nun getestet, welche Pfropfe am besten wirken

Greifswald/Wien - Beim Thema Keuschheitsgürtel denkt man zuerst einmal ans Mittelalter,  extrem unbequem zu tragende Metallvorrichtungen und bemitleidenswerte Frauen. Im Tierreich sind solche Schutzvorrichtungen, die den Männchen die Vaterschaft sichern sollen, seit Jahrmillionen in Gebrauch – zum Beispiel bei den Zwergspinnen, die sogenannte Begattungspfropfe verwenden.

Das ist seit einigen Jahren und dank einschlägiger Untersuchungen der deutschen Zoologin Gabriele Uhl bekannt. Sie konnte zeigen, dass Zwergspinnen-Männchen (Oedothorax retusus) Begattungspfropfe in den beiden Geschlechtsöffnungen der Weibchen hinterlassen, die Wiederverpaarungen verhindern können. Nun ging ihre Kollegin Katrin Kunz mit einem Team noch einen Schritt weiter: Sie führten Tests durch, wie genau die Begattungspfropfe appliziert werden und vor allem: welche am besten wirken.

Begattungspfropfe im Vergleich

Wie die Forscher im Fachblatt "Behavioral Ecology and Sociobiology" schreiben, wird das Pfropfmaterial in flüssigem Zustand ins Weibchen injiziert, damit es bis zu einem gewissen Grad aushärten kann, um dicht abzuschließen. Damit nicht genug, wurde auch die Langlebigkeit der Pfropfe getestet. Nachdem die Weibchen bei der ersten Begattung Pfropfe unterschiedlicher Größe von den Männchen erhalten hatten, wurden erneute Begattungen initiiert. Die Spinnenweibchen wurden anschließend unter einem Rasterelektronenmikroskop genau untersucht.

Das Ergebnis fiel recht eindeutig und nicht wirklich überraschend aus: Kleinere Pfropfe sind allem Anschein nach nicht so wirksam wie größere, und kleinere Mengen des Pfropfmaterials können leichter von nachfolgenden paarungswilligen Männchen entfernt oder überwunden werden. Am ineffektivsten sind kleine Pfropfe kurz nach ihrer Platzierung. Dies legt nahe, dass nicht nur die Größe, sondern auch die Aushärtung des Materials eine wichtige Rolle dabei spielen, wie gut der Pfropf funktioniert. (red, derStandard.at, 10.6.2014)

  • Ein Zwergspinnenweibchen von unten betrachtet. Das rote Rechteck markiert die Genitalregion (Epigyne), die vom Männchen verpfropft wird.
    foto: katrin kunz

    Ein Zwergspinnenweibchen von unten betrachtet. Das rote Rechteck markiert die Genitalregion (Epigyne), die vom Männchen verpfropft wird.

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