Flüssiggas-Boom macht Bogen um Europa

10. Juni 2014, 19:30
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Die Internationale Energieagentur revidiert die Prognose für die globale Gasnachfrage nach unten. Flüssiggas boomt

Montreal/Wien - Die Weltwirtschaft wird ihren steigenden Energiebedarf nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) in den nächsten fünf Jahren verstärkt mit Flüssiggas decken. In ihrem jährlichen Bericht zur mittelfristigen Entwicklung des Gasmarktes prognostiziert die Industriestaatenorganisation, dass sich Chinas Gasnachfrage bis 2019 fast verdoppeln wird, wovon vor allem australische Flüssiggaslieferanten profitieren dürften. An Europa aber gehe der Boom vorbei, weil hier stärker auf erneuerbare Energien und die traditionellen Gaslieferanten gesetzt werde.

Die globale Nachfrage nach Erdgas wird nach Ansicht der IEA bis 2019 um jährlich 2,2 Prozent zunehmen. 2013 hatte die IEA noch eine um 2,4 Prozent höhere Nachfrage prognostiziert. Grund für die Prognoserevision sind laut Wall Street Journal Europe vorsichtigere Erwartungen für Europa.

"Verflüssigtes Gas wird einen großen Teil dieser zusätzlichen Nachfrage abdecken, allerdings werden auch neue Pipelines eine Rolle spielen", heißt es in dem Bericht. Entscheidende Akteure werden dabei laut IEA nicht die bekannten Staatskonzerne sein, sondern private Lieferanten aus Australien, Kanada und den USA. Ihnen sei zu verdanken, dass das Handelsvolumen von Flüssiggas (LNG - Liquified Natural Gas) bis 2019 um 40 Prozent auf 450 Mrd. Kubikmeter zunehmen werde.

Die Hälfte dieser Menge dürfte Australien liefern, auf die USA werden rund acht Prozent entfallen. "Wir treten jetzt in eine Phase viel effizienterer Erdgasmärkte ein, was auch der Versorgungssicherheit zugutekommen wird", sagte IEA-Exekutivdirektorin Maria van Hoeven bei der Vorstellung des Berichts in Montreal.

Steigender Bedarf in Asien

Die Nachfrage werde vor allem vom asiatisch-pazifischen Raum gestützt, während die angebotsseitigen Investitionen vor allem in Australien und in den USA getätigt würden, führte Van Hoeven weiter aus. Offenbar befürchtet die IEA aber, dass die Nachfrage nach Flüssiggas unter den relativ hohen Preisen leiden könnte. Die hohen Preise könnten die Nachfrage drücken, weil viele Länder entweder nicht mehr willens oder nicht mehr in der Lage sind, sich diese Lieferungen zu leisten - das könnte die Tür für Kohle öffnen.

In Europa glaubt die IEA nicht, dass die Gasnachfrage bis 2019 das Niveau von 2010 wieder erreichen wird. Schuld seien eine schwache Energienachfrage und die starke politische Unterstützung erneuerbarer Energien. (stro, DER STANDARD, 11.6.2014)

  • Ein mit Flüssiggas geladener Tanker nahe Tokio: Nicht nur in Japan, in ganz Asien steigt der Bedarf an Energie.
    foto: koji sasahara

    Ein mit Flüssiggas geladener Tanker nahe Tokio: Nicht nur in Japan, in ganz Asien steigt der Bedarf an Energie.

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