Italien setzte hunderte Migranten auf Parkplätzen aus

10. Juni 2014, 19:23
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Einwanderer ohne Geld oder Nahrung bei Rom und Mailand abgesetzt

Die italienischen Behörden haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Dienstag auf zwei Parkplätzen am Rande von Rom und Mailand hunderte Migranten ohne Geld oder Nahrung ausgesetzt. Es habe zwei Gruppen von jeweils 160 bis 170 Menschen gegeben, die am Stadtrand von Rom beziehungsweise Mailand abgesetzt worden seien, sagte die UNHCR-Sprecherin für Italien, Carlotta Sami.

In einer Erklärung kritisierte das UNHCR, viele der Einwanderer seien verwirrt gewesen und hätten keine Schuhe gehabt. Außerdem hätten sie nichts zu Essen oder Trinken erhalten, hieß es. Die Gruppe in Rom sei schließlich in einer Einrichtung für Asylbewerber aufgenommen worden, doch die Gruppe in Mailand habe sich am Nachmittag noch immer auf dem Parkplatz befunden, sagte Sami der Nachrichtenagentur AFP.

Das Innenministerium in Rom äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Die Flüchtlinge gehörten zu einer größeren Gruppe von 1300 Einwanderern, die im Mittelmeer von Booten gerettet und am Montag in den süditalienischen Hafen von Taranto gebracht worden waren.

"Italien nicht allein lassen"

Die UNO rief gleichzeitig die internationale Gemeinschaft auf, Italien im Umgang mit der Flüchtlingswelle aus Afrika nicht allein zu lassen "Das Problem der Migrantenwelle, die den Mittelmeerraum belastet, ist keine Situation, die Italien allein bewältigen kann", sagte ein UNO-Sprecher nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

"Italien hat im Umgang mit den Flüchtlingen eine große Last übernommen, für das Problem der massiven Migration ist jedoch eine internationale Antwort notwendig", betonte der UNO-Sprecher.

Das gute Wetter über die Pfingsttage hat erneut tausende Immigranten aus Syrien und Afrika zur Flucht über das Mittelmeer getrieben. 8.000 Flüchtlinge haben seit Donnerstag die Küsten Siziliens erreicht. Seit Jahresbeginn landeten 52.000 Migranten in Süditalien, teilte Carlotta Sami, Italien-Sprecherin des Flüchtlingswerks UNHCR, mit. Zehntausende weitere Flüchtlinge sollen noch in Libyen auf eine Gelegenheit zur Überfahrt warten.

Der starke Flüchtlingsstrom sei dem verheerenden Bürgerkrieg in Syrien sowie der politischen Instabilität in mehreren nordafrikanischen Ländern, unter anderem Ägypten und Libyen, zuzuschreiben, so Sami. Die Flüchtlinge wurden auf drei Häfen in Apulien und Sizilien verteilt. Da die Aufnahmelager überfüllt sind, sollten die Neuankömmlinge unter anderem bei Kirchengemeinden unterkommen.

Schlepper festgenommen

Inzwischen hat die Polizei auf Sizilien zwei Personen wegen Schlepperei festgenommen. Sie werden unter anderem für die fahrlässige Tötung von drei Migranten verantwortlich gemacht. Diese waren wegen des starken Gedränges an Bord des Bootes, mit dem sie Sizilien erreichen wollten ,ins Wasser gestürzt und ertrunken, während ein Tanker den Flüchtlingen Hilfe leisten wollte.

Auch viele Bürgermeister der betroffenen italienischen Städte zeigten sich enttäuscht von der mangelnden Unterstützung. Innenminister Angelino Alfano trifft heute (Dienstag) den Turiner Bürgermeister Piero Fassino, Präsident des Gemeindeverbands ANCI. Sizilienische Bürgermeister warnten, die Situation könnte aus dem Ruder laufen. Erste Sommergäste hätten wegen der vielen Flüchtlinge bereits ihre Buchungen storniert. (APA, 10.6.2014)

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