"Falling Walls Lab": Einstürzende Forschungsmauern

15. Juni 2014, 17:32
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Jungwissenschafter präsentierten beim "Falling Walls Lab" ihre Ideen - Vier fahren zur Konferenz nach Berlin

Wien - Eine neue Methode, die Nutzpflanzen wie Mais, Reis oder Weizen auf ganz natürliche Weise resistenter und ertragreicher macht - mit diesem Projekt konnte Teresa Berninger vom Austrian Institute of Technology (AIT) die Jury des "Falling Walls Lab Vienna" überzeugen. Sie ging als Gewinnerin aus 16 Kandidatinnen und Kandidaten hervor, die vergangene Woche am Campus Vienna Biocenter an der nationalen Vorausscheidung für die heurige "Falling Walls"-Konferenz in Berlin teilnahmen.

Die Konferenz versammelt seit 2009 unter dem Motto "Welche Mauern fallen als nächste?" am Tag des Mauerfalls 20 Spitzenforscher in der Berliner Hauptstadt, um bevorstehende wissenschaftliche Durchbrüche zu diskutieren. Mit dabei sind im Rahmen des "Falling Walls Lab" auch 100 Nachwuchsdenker aus aller Welt.

Dabei sind Visionäre unter 35 Jahren aufgerufen, ihre Ideen in drei Minuten möglichst mitreißend und verständlich zu präsentieren - eine Art Science-Slam. Die Kandidaten kommen aus allen Bereichen: Naturwissenschaften, Soziologie, Philosophie und Wirtschaft - was zählt, ist die Kraft der Idee, Mauern zu durchbrechen und neue Wege aufzuzeigen.

Mit ihrem siegreichen Projekt hat Teresa Berninger nun ein fixes Ticket für das Berliner Lab. Schon länger ist bekannt, dass Pflanzen - wie auch Menschen - eine eigene Mikroorganismen-Flora besitzen, die positive Auswirkungen auf ihr Wachstum hat und ihre Widerstandskraft gegen Schädlinge stark erhöht. Diese Symbiose kann jedoch bei intensiverer Landwirtschaft verloren gehen. Die Folge: Schwächere Pflanzen, die den Einsatz von mehr chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln nötig machen.

Berninger hat mit ihrer Forschungsarbeit einen Weg gefunden, die wohltuenden Mikroorganismen wieder gezielt zu den Pflanzen zu bringen. Sie entwickelte mit ihren Kollegen ein "Bakterientaxi": kleinste Kügelchen aus Biopolymer, in denen die Bakterien angereichert und geschützt werden, und einfach auf das Saatgut aufgetragen werden können. Einmal in der Erde können sie ihre positive Zusammenarbeit mit der Pflanze beginnen und damit eine vollkommen natürliche "Lebend-Düngung" bewirken.

Der zweite Platz ging an Slaven Stekovic vom Institute of Molecular Biosciences der Uni Graz. Er punktete mit der Idee, den Effekt gewisser Ernährungsbestandteile auf den Alterungsprozess von Zellen genauer zu untersuchen und die Substanzen - sogenannte Polyamine - gezielt als Ernährungszusatz anzuwenden. Ein Jungbrunnenzusatz für das Mittagessen sozusagen.

Der dritte Platz ging ex aequo an Mario Krenn vom Institut für Quantenphysik in Wien, der eine mögliche Anwendung des Effekts von verschränkten Photonen präsentierte, und an Johanna Luna und ihre neue Methode zur Früherkennung von Darmkrebs. Dieser ist der drittgrößte Killer unter allen Krebserkrankungen. Das liegt vor allem daran, dass die Tumore sich lange ohne Symptome entwickeln und gängige Vorsorgeuntersuchungen sehr ungenau sind. Die Kolumbianerin vom Austrian Institute of Technology entwickelte eine Methode, die es ermöglicht, bösartige Zellen durch die Messung von tumorspezifischen Biomarkern einfach in einer Blutprobe nachzuweisen. Schon jetzt liegt die Trefferquote bei über 80 Prozent.

Die Messlatte für die heurigen Teilnehmer liegt hoch: In den beiden vergangenen Jahren gewann jeweils ein österreichischer Beitrag den Hauptbewerb. "Es war unglaublich spannend, mit so vielen jungen Menschen zusammenzutreffen und ihre Ideen kennenzulernen", beschreibt Klemens Wassermann, der Sieger von 2013, seine Erfahrungen.

Die gemeinnützige Falling Walls Foundation wurde anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Mauerfalls vom Journalisten und Unternehmer Sebastian Turner ins Leben gerufen und wird mittlerweile auch von den größten Forschungseinrichtungen Deutschlands unterstützt. Die "Falling Walls"-Konferenz findet auch heuer wieder am Jahrestag des Mauerfalls, dem 9. November, in Berlin statt. (Julia Riedl, DER STANDARD, 11.6.2014)

  • Teresa Berninger erfand ein Bakterientaxi für Pflanzen.
    foto: keller

    Teresa Berninger erfand ein Bakterientaxi für Pflanzen.

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