Eine Schwalbe in der Forschung

10. Juni 2014, 19:53
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Das Austrian Institute of Technology ist im sechsten Jahr nach Gründung auf vorsichtigem Expansionskurs

Wien - Hannes Androsch scheint Sprachbilder zu mögen. Also fand er auch bei der Bilanzpräsentation des Austrian Institute of Technology (AIT), dessen Aufsichtsratschef er ist, für eines Verwendung. Es lautete: "Zwei Schwalben machen noch keinen Forschungssommer." Dies bezog sich auf die Finanzierung der heimischen Forschung und Entwicklung: Zwar gehe es dem AIT in Zeiten stagnierender Forschungsbudgets gut, zwar habe die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) nach der Übernahme von einigen Instituten durch die Universitäten "einen gewissen Spielraum". Aber die Unis seien unterdotiert, der Wissenschaftsfonds FWF habe nur seine "zu geringen Mittel gesichert", und in der Forschungsförderungsgesellschaft FFG seien neue Vorhaben derzeit nicht möglich.

Das AIT aber sah Androsch nicht nur als "Schwalbe", sondern auch als "Oase". Grund: Das Institut, das sich auf Themen wie Ambient Assisted Living, Smart Grids oder Mobility spezialisiert hat, erhält vom Infrastrukturministerium 2014 bis 2017 203 Millionen Euro. Das entspricht einem Wachstum von 20 Prozent. Im gleichen Zeitrahmen will man über Finanzierungen durch Industriepartner und Förderprogramme etwa 308 Millionen einnehmen - das wäre ein Wachstum um 38 Prozent.

Was nun folgt, sei ein angemessener Expansionskurs, sagte Androsch. Man werde aber die Dinge nicht neu erfinden, sondern sich "auf die Dinge konzentrieren, die funktioniert haben", ergänzte der kaufmännische Geschäftsführer des Instituts, Anton Plimon. Schwergetan habe man sich offenbar mit Einzeltechnologien, gut lief es, wenn man versuchte, das gesamte System zu verstehen. Auf diese Bereiche wolle man sich fokussieren.

Der Jahresgewinn 2013 des AIT beträgt 2,3 Millionen Euro (2012 waren es 2,46 Mio.). Die Bilanz sei also "leicht positiv", sagte Plimon. "Wir sind keine Profitmaximierer, das ist nicht unsere Aufgabe." Das AIT hat seit seiner Gründung 2008 im Gegensatz zu der Vorgängerorganisation Austrian Research Centers Seibersdorf noch keine negative Bilanz geschrieben. Auch die Bilanz 2015 werde positiv sein, verriet Finanzprokurist Alexander Svejkovsky.

Derzeit arbeiten am AIT 1180 Mitarbeiter, davon sind 265 frei. In den nächsten Jahren will das Institut um rund 150 Personen wachsen. Die Auftragslage scheint zufriedenstellend zu sein. Im vergangenen Jahr konnten Aufträge in der Höhe von 141,4 Millionen eingeworben werden, 2007 waren es noch 74,3 Millionen.

Wolfgang Knoll, wissenschaftlicher Leiter am AIT, betonte, dass nicht nur Fokussierung, sondern auch Partnerschaften für das Institut wichtig seien. Er sprach von der kürzlich erst vereinbarten Kooperation mit dem Halbleiterproduzenten Infineon oder von jener mit der Med-Uni Wien und mit der Nanyang Technology University Singapur, in der es vor allem um Imaging im molekularen Bereich, um elektronische Gesundheitssysteme und wieder um Ambient Assisted Living gehen werde.

Mit der TU Graz sei man eine Partnerschaft eingegangen, um das Thema Bildverarbeitung voranzutreiben. (pi, DER STANDARD, 11.6.2014)

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