Fahrradregistrierung, neu erfunden

10. Juni 2014, 18:17
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Eine neue Online-Plattform zur Gratis-Registrierung von Fahrrädern soll Dieben den Verkauf gestohlener Räder erschweren. Ein kostenpflichtiges Pendant existiert seit 2008. Die Polizei setzt auf einen Fahrradpass

Wien – Man werfe das Wort "Fahrraddiebstahl" in eine illustre Runde und schon sprudeln die Geschichten: Nach getaner Arbeit aus dem Büro gesaust und an der Stelle, wo das Fahrrad gestanden war, lag das aufgesägte Schloss. In den Keller hinuntergestiegen und das Mountainbike war über alle Berge. Das Gefährt nur kurz vor einem Geschäft abgestellt, und es bekam Beine. 26.652 Fahrräder sind laut Polizei 2013 in Österreich gestohlen worden.

Das waren um knapp 2000 mehr als im Jahr davor und nach offiziellen Angaben rund 73 angezeigte Diebstähle pro Tag. Immer wieder versuchen Initiativen, Dieben mittels Registrierungen und Codierungen das Leben zumindest etwas schwerer zu machen. Manche dieser Bemühungen sind von mehr, andere von weniger Erfolg gekrönt.

Seit kurzem existiert unter rahmennummer.at eine neue Onlineplattform zur Registrierung von Fahrrädern, deren Gründer Daniel Folian bisher ganz schön Glück hatte: Ein einziges Mal wurde dem Wiener ein Rad geklaut. Dieses bekam er sogar zurück, da die Polizei es wiederfand – und, weil Folian in der Lage war, der Polizei genaue Angaben zum Rad zu machen.

Kostenlose Plattform

Den Fahrradliebhaber störte vor allem die fehlende Möglichkeit, beim Kauf eines gebrauchten Rads nachzuprüfen, ob es sich beim Verkäufer tatsächlich um den rechtmäßigen Besitzer handelt. Also entschied er sich gemeinsam mit seiner Freundin Katharina Steiner, eine Internetplattform ins Leben zu rufen, auf der man Räder registrieren kann – kostenlos. "Es geht uns einzig um die Sache", sagt Folian.

Die wichtigste Information, die es für eine Registrierung braucht, ist die individuelle Rahmennummer. Diese findet man meistens auf der Unterseite des Fahrradrahmens, nahe der Tretkurbel. In die Registrierungsmaske ist auch die Marke des Fahrrads einzugeben sowie der Status – also ob ein Verkauf vorgesehen ist oder nicht oder ob das Rad gestohlen wurde. Seit rund einem Monat ist die Seite online, und Folian hofft, dass möglichst viele Leute sie nutzen.

Registrierungs-Angebot seit 2008

Auf diesem Weg ein gutes Stück weiter ist fase24.eu – eine Seite, die seit 2008 österreichischen Radbesitzern eine Registrierung ihres Fahrrads anhand der Rahmennummer ermöglicht. Auch andere Sportgeräte – wie etwa Ski oder Reitsättel – können dort angemeldet werden. Pro Stück zahlt man je acht Euro Unkostenbeitrag.

Die dort erfassten Daten können als Erkennungshilfe, wenn gestohlene Räder gefunden werden, dienen. Will ein potenzieller Käufer die Herkunft eines Secondhand-Rads überprüfen, kann er laut Betreiber Horst Reiter bei fase24.eu erfragen, ob das Rad registriert ist – 36.000 Räder sollen verzeichnet sein – und ob es als gestohlen gilt. Auf die Daten kann laut Reiter auch die Polizei zugreifen.

Vonseiten der Polizei Wien hieß es am Dienstag auf Anfrage allerdings, es finde auf dem Gebiet "keine Zusammenarbeit mit diversen Firmen" statt.

Polizei braucht Rahmennummer

Worin man auf Polizeiseite aber voll übereinstimmt, ist, dass es eine "individuelle Nummer“ – wie etwa eine Rahmennummer“ – braucht. Damit könne eine sogenannte Sachfahndung starten, so eine Wiener Polizeisprecherin. Da sich viele Menschen diese Nummer nicht notieren, dürfte es übrigens eine hohe Dunkelziffer an Raddiebstählen geben.

Bis Herbst 2012 gravierte die Polizei auch eigene Codes in Fahrradrahmen, um Diebe abzuschrecken. Dieses Codieren stellte die Exekutive aber ein. Der Wiener Fahrradbeauftragte Martin Blum sagte damals, dass viele moderne Rahmen (etwa aus Carbon) dazu eben nicht mehr geeignet seien.

Die Polizei empfiehlt, Daten über Fahrräder im sogenannten Fahrradpass (downloadbar auf der Website des Innenministeriums) festzuhalten. Außerdem möge man beim Kauf eines übertragenen Geräts einen Rechnungsbeleg verlangen. "Sollte keiner vorhanden sein, so lassen Sie sich einen Ausweis vorweisen und notieren Sie die Daten – achten Sie auf die Reaktion des Käufers", lauten die Tipps einer Polizeisprecherin. Und weiter: "Auf das Bauchgefühl verlassen. Im Zweifelsfall ist die Polizei heranzuziehen." (Gudrun Springer, DER STANDARD, 11.6.2014)

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    rahmennummer.at/steiner
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