Matthias Strolz will Niko Alm die Flügel stutzen

10. Juni 2014, 19:52
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Was aus einer Veranstaltung an die Öffentlichkeit drang, wird bei den Neos als Kommunikations-Panne abgetan. Doch die Partei will auch breiter werden

Wien - Das Timing war wohl nicht das beste. Gerade haben sich die Neos wieder aus der Schusslinie genommen, das enttäuschende Abschneiden bei der EU-Wahl wird nicht mehr öffentlich thematisiert. Doch dann passiert wieder ein Fehler, ein Kommunikationsfehler, wie parteiintern versichert wird: Parteichef Matthias Strolz übernimmt die Rolle des Religionssprechers von Niko Alm, Atheist, Pastafari und liebstes Feindbild der ÖVP.

Dass die Sprecherrollen innerhalb der Partei neu verteilt wurden, war bekannt: Angelika Mlinar übernimmt das Mandat im EU-Parlament, Hotelier Sepp Schellhorn kommt statt ihr in den Nationalrat und wird unter anderem Wirtschaftssprecher (siehe: Schellhorn: Ein Querkopf will sich nicht hochschweigen).

Religion für Neos kein Thema

Aber dass ausgerechnet bei einer Diskussionsveranstaltung des ÖVP-nahen Cartellverbands diese Information an die Öffentlichkeit gelangt und von der "Wiener Zeitung" berichtet wird, ist schon fast Ironie. Strolz sagt dazu: "Wenn ich Fragen bekomme, beantworte ich sie." Religion und Kirche seien beim CV immer ein "Riesenthema", nicht aber bei den Neos. Dort sei nur die Trennung von Staat und Kirche zentral, die vertrete er genauso wie Niko Alm. Der Sprecherwechsel sei aber abgesprochen gewesen, das bestätigt auch Alm (siehe Interview: "Manchmal passieren Dinge, obwohl sie die ÖVP sagt"). Notwendig sei er gewesen, weil der bekennende Atheist in Religionsfragen sehr zugespitzt sei, abstimmen werde er sich weiterhin mit ihm. Doch für den Parteichef bleibt es trotzdem ein Nebenschauplatz, "ein Sommerlochthema".

Strolz will aber auch gar nicht bestreiten, dass sich die Neos derzeit (zu) viel auf Nebenschauplätzen aufhalten und mehr mit Personen als mit politischen Inhalten präsent seien, wie er im Gespräch mit dem STANDARD sagt. "Das ist unser Schicksal. Wenn Alm das neue Unternehmerpaket präsentiert, kommt ein Journalist, wenn ich die Yogafigur des Monats präsentiere, kommen alle."

Als Krise will Strolz das dennoch nicht werten. Für ihn sind es "Wachstumsschmerzen", und es sei auch völlig klar, dass es Themen gebe, wo die Meinungen auseinandergingen und sie sich mehr abstimmen müssten.

Spott und Häme von ÖVP

Trotzdem will er die Partei breiter aufstellen, mehr in Richtung einer Volkspartei, womit aber nicht die ÖVP gemeint sei. Strolz: "Eine Volkspartei ist immer eine soziale Integrationsveranstaltung, die den Wandel der Gesellschaft aufnimmt. Das kann Neos besser als ÖVP und SPÖ."

Angst, dafür zu viele Kompromisse eingehen zu müssen, hat er nicht. Das Programm sei "sehr kantig", die Neos treten sowohl für die Abschaffung der Wehrpflicht als auch für die frühere Angleichung des Frauenpensionsantrittsalters ein.

Für Spott und Häme sorgte der Sprecherwechsel aber vor allem bei der ÖVP. Klubchef Reinhold Lopatka stellte fest, dass die Neos auch mit Strolz als Religionssprecher "für Christen nicht wählbarer" würden, da er wiederholt gesagt habe, dass Religion für die Partei kein Herzensthema sei. Das sei eben bei der ÖVP nicht so.

Wenig Verständnis zeigten die Piraten und die von Alm mitgegründete Initiative "Religion ist Privatsache". Sprecher Eytan Reif war empört und sprach von "Rückgratlosigkeit" der Neos. Die Piratenpartei hingegen lud Alm ein, Mitglied zu werden. "Wir haben zwar kein Geld, aber 84 Prozent unser Mitglieder stehen für Laizismus." (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 11.6.2014)

  • Niko Alm hat sich massiv gegen die Kirche gestellt und mit seiner eigenen Religionsgemeinschaft, den Pastafaris, eine Aktion gestartet, die die Religionsausübung ironisiert. Was auch bei den Neos immer wieder für Diskussionen gesorgt hatte. Jetzt wurde er als Sprecher abgelöst.
    foto: apa/fohringer

    Niko Alm hat sich massiv gegen die Kirche gestellt und mit seiner eigenen Religionsgemeinschaft, den Pastafaris, eine Aktion gestartet, die die Religionsausübung ironisiert. Was auch bei den Neos immer wieder für Diskussionen gesorgt hatte. Jetzt wurde er als Sprecher abgelöst.

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