Die Stones, ein Jaguar und der Erzherzog

10. Juni 2014, 17:01
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Das Mak zeigt seine Designschau "Vorbilder": Neun Kreativgrößen wie Stefan Sagmeister, Konstantin Grcic oder Li Edelkoort kuratierten ihre eigenen Sammlungen und diskutieren mit ihren Musen über die Zukunft der angewandten Kunst

Wien - Das Mak macht also Ernst mit dem Design. Wurde erst vor vier Wochen die umgekrempelte ehemalige Studiensammlung als Mak Design Labor eröffnet, fand sich am Dienstag eine bunte Schar ein, um den neuesten Streich, die Schau Vorbilder - 150 Jahre Mak: Vom Kunstgewerbe zum Design, in der Ausstellungshalle des Hauses zu begutachten.

Was denn vorbildlich sei, fragte Mak-Direktor Christoph Thun-Hohenstein bei der Pressekonferenz und geizte nicht mit weiteren Fragen: "Wie kann das Design das Leben des Einzelnen verbessern und auch die Interessen der Gesellschaft wahren?", "Wie kann eine Ausstellung den Wandel dieser Fragestellung in 150 Jahren abbilden?" Die Antworten geben andere. Neun Persönlichkeiten wurden eingeladen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, neun Personen, die die komplexe Bandbreite des Designs einwandfrei abdecken.

In der Vorbildsammlung des Stargrafikers Stefan Sagmeister findet sich ein altes Plattencover der Rolling Stones ebenso wie der leibhaftige Jaguar E-Type von 1961. Die Designforscherin Gesche Joost diskutiert in ihrer Auswahl Open-Source-Praktiken und -Plattformen, Sabine Seymour, ihres Zeichens "Fashion Technologist", zeigt unter anderem die "Google Glass"-Brille, die am Eröffnungstag noch beim Zoll festhing. Bei Konstantin Grcic kommen Designklassiker wie der Plywood Chair vom Kollegen Jasper Morrison vor. Mit im Reigen sind außerdem Designprofessorin Fiona Raby, Jan Boelen, Leiter des Social Design Department in Eindhoven, Sozialwissenschafterin Hilary Cottam, Kritiker und Kurator Hans Ulrich Obrist und Trendforscherin Li Edelkoort.

Diese neun durften sich wiederum jeweils eine Muse wählen, mit der sie über den Wandel des Designs und dessen Zukunft diskutieren. Darunter Fotokünstlerin Elfie Semotan, Zukunftsforscher Harald Welzer oder die Designkritikerin der New York Times, Alice Rawsthorn. Worüber die Duos parlierten, erfährt man via Kopfhörer und Bildschirm, während man auf aufblasbaren Kissen in grünen Corletten verweilt. So nennt man die Rollwagen, die im Haus etwa zum Transport von Möbeln Verwendung finden.

Perspektivenwechsel

Auch bei dieser Präsentation soll also die Historie des Museums Thema sein. In zahlreichen Vitrinen findet sich allerlei aus der gigantischen, über 600.000 Objekte zählenden Sammlung. Erzählt wird aber nicht nur anhand von Dingen, sondern auch unter Einbeziehung von Menschen, die die Geschichte geprägt haben: Sammler, Direktoren, Kustoden oder Förderer Erzherzog Rainer.

In Summe entstand ein feinmaschiges Koordinatensystem, das hilft, die eingangs erwähnten Fragen in einem spannenden Perspektivenwechsel zu reflektieren. Optisch ist dieses Netzwerk auf über 1000 Quadratmetern vielleicht ein wenig dicht ausgefallen. Man findet sich ein Stück weit orientierungslos zwischen all den Tafeln, Namen, Objekten, Trennwänden und Vitrinen. Streng gegliedert ist etwas anderes, im Mak sagt man dazu "Mind Map".

Kuratiert haben die Schau übrigens der Designkurator des Museums, Thomas Geisler, sowie Tulga Beyerle. Sie verließ die heimische Szene Richtung Dresden, wo sie seit heuer Direktorin des Kunstgewerbemuseums ist.

Eine feine Ergänzung zu Vorbilder bildet die Ausstellung Nachbilder - 150 Jahre Mak: Ausstellungen im Bild im Kunstblättersaal des Hauses. Hier lässt sich bildlich in der Geschichte des Mak schmökern. Gezeigt werden Fotos von den Anfängen bis hin zu den Ausstellungskonzepten eines James Turrell oder Chris Burden. (Michael Hausenblas, DER STANDARD, 11.6.2014)

Bis 5. 10.

www.mak.at

  • Auch im Mak zu sehen ist das heitere Ladenobjekt "Chest of drawers", das der niederländische Designer Tejo Remy 1991 für das Designkollektiv Droog entworfen hat.
    foto: droog/gerard van hees

    Auch im Mak zu sehen ist das heitere Ladenobjekt "Chest of drawers", das der niederländische Designer Tejo Remy 1991 für das Designkollektiv Droog entworfen hat.

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