Missbrauchsprozess in Wiener Neustadt: Freispruch im Zweifel

10. Juni 2014, 16:12
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42-Jähriger wurde in Wiener Neustadt aber wegen Gewalt gegenüber seiner Ehefrau verurteilt - nicht rechtskräftig

Wiener Neustadt – In einem Mitte Mai begonnenen Prozess um sexuellen Missbrauch Unmündiger ist am Landesgericht Wiener Neustadt am Dienstag ein 42-Jähriger im Zweifel freigesprochen worden. Wegen fortgesetzter Gewaltausübung an seiner Noch-Ehefrau wurde der Mann allerdings zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, da die Staatsanwaltschaft keine Erklärung abgab.

Fast nichts übrig geblieben ist von den schweren Vorwürfen, mit denen sich der Angeklagte in dem Verfahren konfrontiert sah. Ihm war angelastet worden, seine Stieftochter mit 14 sexuell missbraucht und sogar geschwängert zu haben. Die Aussagen des heute erwachsenen Mädchens (Jahrgang 1995) durfte die Öffentlichkeit nicht hören, wohl aber jene der Schwiegereltern des Angeklagten – und diese hielten den Mann für zu Unrecht auf die Anklagebank gezerrt. Der 42-Jährige wurde als braver und gutmütiger Zeitgenosse charakterisiert. An den Missbrauchsvorwürfen zweifelten etliche Zeugen.

DNA-Test mit zu geringer Aussagekraft

Die Schwangerschaft der Stieftochter war zwar im Akt dokumentiert. Aber wer das letztlich abgetriebene Kind gezeugt hatte, konnte – weil DNA fehlten – nicht mit einer für ein Strafverfahren "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" gesagt werden.

Dass der Mann jedoch seine Hand des öfteren gegen die Ehefrau erhoben haben dürfte, daran hegte der Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Gerald Grafl keinen Zweifel. Opferanwältin Elisabeth Gerhards bekam für die geschlagene Mutter 500 Euro zugesprochen. (APA, 10.6.2014)

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