Sonnenschutz mit Schirm

15. Juni 2014, 17:20
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Wer gesund bräunt, tut sich Gutes - Bei UV-Filtern gibt es viele technische Neuheiten - in Cremen genauso wie in Sprays, Ölen und Make-Ups

Das verregnete Frühjahr wird sich auch dieses Jahr wieder als besonders fatal entpuppen. Der Sonnenhunger der Menschen in der Schlechtwetter-Hemisphäre ist groß, der in den deutschsprachigen Ländern besonders. "Sonnenbrände haben in der überwiegenden Mehrheit Menschen aus deutschsprachigen Gebieten", sagt Christoph Ganster, österreichischer Direktor eines Luxushotels auf den Seychellen. Sie wollen "Teint", den sie als Souvenir mit nach Hause bringen, sagt er. Spätestens am letzten Tag eines Urlaubs stehen diese Sorte Gäste uneingeschmiert in der Mittagshitze im kniehohen Meer, weil Bräune in einer Welt, in der die Menschen in erster Linie blass vor dem Computer sitzen, das Insigne von Wohlstand sei, als vornehm gilt Blässe nur bei Chinesen und Japanern, so Ganster.

Die Dermatologin Julia Lämmerhirt vermutet hinter dem Hunger nach Sonne noch einen anderen Grund. "Die Bräune macht Hautunreinheiten weniger sichtbar, fettige Haut trocknet aus, und auch geplatzte Äderchen verschwinden", sagt sie, darunter würden viele leiden, und mit einem Mal können sie praktisch ganz ohne Make-up außer Haus gehen. "Aufstehen, rausgehen und dabei gut aussehen, das ist auch mein Traum", lacht sie.

Flüchtiger Etappensieg

Allein: Nach drei Wochen ohne Sonne ist die Haut dann nur umso fettiger, die Pickel stärker - ganz abgesehen von den Falten, die sich nach jedem Sonnenbad noch ein bisschen tiefer eingegraben haben. Denn für alle, die es einfach nicht glauben können: UVA- und UVB-Strahlen schädigen die DNA, also den Bauplan unserer Zellen, merken sich jede Überdosis und schaffen so die Voraussetzungen, dass eines Tages Hautkrebs entstehen kann. "Besonders auf den Lippen sehen wir oft Plattenepithelkarzinome, die Leute schmieren sie zu wenig ein", sagt Lämmerhirt. Auch mit 70 Jahren sind die Menschen noch eitel und wollen nicht durch eine Operation an den Lippen entstellt wirken, fügt sie hinzu.

"Jeder Sonnenbrand ist ein Akt der Selbstverletzung", sagt Lämmerhirt, und jene, die kampfbräunen, insofern autoaggressiv. Mit Kosmetikprodukten lassen sich Gefahren einfach wegstreicheln.

Tipptopp geschminkt am Strand

Abgesehen von reinen Sonnencremen überschwemmen ganz neue Produkte den Markt - etwa Make-up-Produkte in Puder- und leichten Fluids, die bereits Sonnenschutzfilter enthalten. "Das spart einen Arbeitsgang in der morgendlichen Routine", erklärt Lämmerhirt, und man kommt tipptopp geschminkt am Strand an. Den Nachteil der Sonnenschminke ortet die Wiener Dermatologin nur im Verlust der Vorsicht. "Nachschmieren mehrmals am Tag ist vor allem für helle Hauttypen ein absolutes Muss, egal ob mit Creme oder Sonnenfilter aus der Puderdose.

Auch die Ausrede, UVA- und UVB-Filter hinterlassen ein klebriges Gefühl auf der Haut, ist zunehmend unrichtig. In den letzten zwei Jahren haben viele Hersteller ihre Sonnencremen einem Relaunch unterzogen und Klebrigkeit oder die Eigenschaft, einen weißen Film auf der Haut zu erzeugen, ausgemerzt. Nur mineralische Filter, also jene, die Sonnenstrahlen durch Reflexion und nicht durch chemische Filter ablenken, haben manchmal einen entsprechenden Effekt. Sonnenhungrige sollten ihre Bedürfnisse ausloten - und dann in der Vielfalt von Sonnenschutz baden. (Karin Pollack, Rondo, DER STANDARD, 13.6.2014)

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