"Manchmal passieren Dinge, obwohl sie die ÖVP sagt"

Interview10. Juni 2014, 14:56
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Der Neos-Abgeordnete Niko Alm über seine Absetzung als Religionssprecher und Kommunikationsprobleme

Der Neos-Abgeordnete Niko Alm wurde als Religionssprecher abgesetzt. Dass das wie ein Zugeständnis an ÖVP-Wahler wirkt, bestreitet er gar nicht: "Die Optik ist unschön." Zu den Fragen, was seine ehemalige Sprecherrolle mit ökumenischen Gottesdiensten zu tun hat und ob die Neos in einer Krise sind, nimmt er im Interview mit derStandard.at Stellung.

derStandard.at: Parteichef Matthias Strolz hat Sie als Religionssprecher ersetzt. Kam das für Sie überraschend?

Alm: Das war schon in zwei Gesprächen vorab geklärt worden, aus der Zeitung habe ich es nicht erfahren.

derStandard.at: Sind Sie enttäuscht?

Alm: Nein, ich bin über die Form der Kommunikation unglücklich. Ich hätte es lieber aktiver kommuniziert anstatt über eine Podiumsdiskussion beim Cartellverband. Mir geht es um die Sache, nicht um eine Sprecherfunktion.

derStandard.at: Wären Sie gerne weiterhin Religionssprecher gewesen?

Alm: Derzeit ist es eher sinnlos, Religionssprecher zu sein, die Funktion ist wie eine permanente Einladung zu einem ökumenischen Gottesdienst. Das ist keine geeignete Funktion, um das Thema Staat und Religion zu thematisieren, da sollte ich eher Demokratiesprecher sein. In der Sprecherrolle war ich auch dazu genötigt, eine Parteilinie zu vertreten, die ich aber aufgrund der verschiedenen Positionen in der Partei nicht vertreten kann.

derStandard.at: Was ist denn die Parteilinie?

Alm: Es gibt keine, das ist der Punkt. Religion ist ein Non-Thema bei uns, wir wissen, dass wir in dem Bereich nur verlieren können.

derStandard.at: Ist das schlussendlich eine strategische Entscheidung, um mehr Wähler anzusprechen?

Alm: Die Rolle des Religionssprechers hat natürlich eine Außenwirkung. Es ist eine unnötige Polarisierung. Das Thema, das ich vertrete, ist die Trennung von Staat und Kirche. Das sehe ich hier nicht richtig platziert. Ich vereine hier Abwehrreaktionen gegen mich und die Partei, die ich gar nicht brauchen kann.

derStandard.at: Es wirkt aber auch wie ein Zugeständnis an ÖVP-Wähler.

Alm: Ja, das bestreite ich gar nicht. Die Optik ist unschön. Es wirkt so, als würden wir das auf Zuruf der ÖVP machen, aber manchmal passieren Dinge, obwohl sie die ÖVP sagt.

derStandard.at: Matthias Strolz hat auch angekündigt, die Partei breiter aufstellen zu wollen, mehr in Richtung einer Volkspartei. Finden Sie das gut?

Alm: Damit habe ich kein Problem. Ich will ja selbst auch kein politisches Nischenprogramm bleiben.

derStandard.at: Sie waren auch nicht ganz zufrieden mit dem EU-Wahlkampf. Haben Sie das Gefühl, dass die Neos in einer Krise sind?

Alm: Krise ist maßlos übertrieben. Wir haben es nicht mehr so leicht wie am Anfang, wo uns viele Vorschusslorbeeren gegeben haben, ohne dass wir etwas beweisen mussten. Es ist eine schwierigere Phase als vorher. Wir haben trotzdem dazugewonnen und liegen auch gut in den Umfragen.

derStandard.at: Was ist falsch gelaufen?

Alm: Ist überhaupt etwas falsch gelaufen? Ich will es damit nicht schönreden, aber wir sind in einer Dimension, die realistischer ist. Wir waren vorher ein Stück weggehypt, die acht Prozent plus bei der EU-Wahl sind ein sehr gutes Ergebnis. Wir waren aber sicher nicht darauf vorbereitet, mit schwierigen Themen umzugehen. Und es ist immer auch ein Kommunikationsproblem. Vielleicht haben wir auch ein paar Leute desillusioniert, die ein falsches Bild von uns hatten. (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 10.6.2014)

  • "Ich hätte es lieber aktiver kommuniziert anstatt über eine Podiumsdiskussion beim Cartellverband": Niko Alm über seine Absetzung als Religionssprecher.
    foto: apa/hochmuth

    "Ich hätte es lieber aktiver kommuniziert anstatt über eine Podiumsdiskussion beim Cartellverband": Niko Alm über seine Absetzung als Religionssprecher.

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