Ist die Zeit der intelligenten Maschinen angebrochen?

10. Juni 2014, 12:34
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Der Frage, ob Maschinen denken können, wird in verschiedenen Tests nachgegangen

"Eugene Goostman" ist der Name des ersten Computerprogramms, das laut Forschern der University of Reading den klassischen Turing-Test bestand. Es wird als Meilenstein für die Erforschung künstlicher Intelligenz (KI) gefeiert. An anderen Tests beißen sich Programme bzw. ihre Entwickler indes noch die Zähne aus.

Turing-Test

Der Test wurde bereits 1950 von Alan Turing entworfen. In fünf Minuten langen schriftlichen Konversationen sollen Personen herausfinden, welcher ihrer Gesprächspartner Mensch oder Maschine ist. Sind mehr als 30 Prozent der Personen davon überzeugt, dass es sich auch beim Computerprogramm um einen Menschen handelt, ist der Test bestanden.

Die Vorgaben

Die Regeln für den Test wurden immer wieder leicht verändert. Und somit gab es schon früher Meldungen, dass der Turing-Test bestanden sei. Die Forscher der Universität von Reading betonen nun allerdings, dass Eugene den ersten Test bestanden hat, der streng nach Turings Vorgaben ausgelegt wurde.

Anders als bei früheren Versuchen seien die Gesprächsthemen und Fragen nicht vorgegeben gewesen. Jeder der 30 Fragesteller führte gleichzeitig fünf Gespräche. Insgesamt habe es 300 Konversationen gegeben. Goostman überzeugte 33 Prozent der 30 menschlichen Fragesteller.

Loebner-Preis

Neben dem klassischen Turing-Test gibt es noch kniffligere Aufgaben. So wird der Loebner-Preis, benannt nach dem US-amerikanischen Erfinder Hugh Loebner, seit 1991 jährlich vergeben. Auf dem dritten Platz landen Programme, die zumindest als menschenähnlich durchgehen. Der zweite Platz geht an Software, die den schriftlichen Turing-Test besteht. Die Goldmedaille bekommt jene Maschine, die den Test über 25 Minuten besteht. Bisher wurden nur Bronzemedaillen vergeben.

Die Wette von Kurzweil und Kapor

Noch härter ist der Test, den sich der Zukunftsforscher Ray Kurzweil und Lotus-Gründer Mitch Kapor im Rahmen einer Wette ausdachten. Dabei müssen der künstliche Herausforderer und drei Menschen jeweils zwei Stunden lange Gespräche mit drei Fragestellern führen. Zwei der drei Fragesteller müssen davon überzeugt sein, dass es sich beim Computer um einen Menschen handelt. Kapor geht davon aus, dass kein Programm den Test vor 2029 knacken wird.

Tricks und Fehler

Die größte Herausforderung ist, dass Programme die Fragen ihrer menschlichen Gesprächspartner nicht nur verstehen, sondern darauf auch so antworten, wie es ein Mensch tun würde. Dazu gehören auch Emotionen und Tippfehler. Die Uni von Reading wählte für ihr Programm die Persönlichkeit eines 13-jährigen ukrainischen Burschen. Dadurch konnten sprachliche Unsicherheiten und Wissenslücken kaschiert werden.

Eugene mag Eminem

Die aktuellen Konversationen sind noch nicht verfügbar. Der "Guardian" hat Transskripte von Gesprächen mit Eugene Goostman aus dem Jahr 2012 veröffentlicht, bei denen zumindest 25 Prozent der Personen von seiner Menschlichkeit überzeugt waren. Schon damals konnte Eugene Tippfehler erkennen und plauderte etwa über seine Vorliebe für Eminem, weil dieser nichts mit Political Correctness am Hut habe, oder darüber, dass ihm "Star Wars" nicht gefallen habe. Sobald er Schwierigkeiten hatte, zu antworten, streute Eugene Fragen ein, woher denn sein Gegenüber komme und was es beruflich mache.

Können Maschinen denken?

Alan Turing wollte mit dem Test der Frage nachgehen, ob Maschinen denken können. Für Eugene Goostman muss man das noch mit "Nein" beantworten. Das Programm wurde speziell dafür entwickelt, Menschen in einer zeitlich beschränkten Testsituation davon zu überzeugen, es sei ein 13-jähriger Bub. Darüber hinausgehend würde die Software wohl schnell entlarvt werden. Aufmüpfige Replikanten, Androide als Arbeitskollegen oder emotionale Betriebssysteme gehören damit weiter ins Reich der Science-Fiction-Romane - vorerst. (br, derStandard.at, 10.6.2014)

  • Maschinen mit menschlichen Zügen: auch für den Streetartist Banksy ein Thema.
    foto: reuters/brendan mcdermid

    Maschinen mit menschlichen Zügen: auch für den Streetartist Banksy ein Thema.

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