Jolie und Hague leiten Gipfel zur sexuellen Gewalt in Krisengebieten 

11. Juni 2014, 08:54
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 Konferenz in London wendet sich gegen "Kultur der Straflosigkeit" 

London - Mit einer mehrtägigen internationalen Konferenz wollen die US-Schauspielerin Angelina Jolie und der britische Außenminister William Hague sexuelle Gewalt in Konfliktgebieten in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Bis Freitag werden politische und zivile VertreterInnen aus 117 Ländern sowie Opfer und ZeugInnen erwartet.

"Wir können es schaffen, den Einsatz von sexueller Gewalt als Waffe in Kriegen zu beenden", rief Jolie in ihrer Eröffnungsrede dem Publikum zu. "Überlebende brauchen sich nicht zu schämen." Hague sprach anlässlich der Eröffnung der Konferenz am Dienstag in London von den größten "Anstrengungen und Diskussionen", die es jemals zu dem Thema gegeben habe.

Ein "Gipfel wie kein anderer"

Jolie ist Sondergesandte des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Die Konferenz ist das Ergebnis einer von ihr und Hague geleiteten zweijährigen Kampagne. Dafür besuchten die beiden unter anderem die Demokratische Republik Kongo und Bosnien und sprachen mit Vergewaltigungsopfern. Jolie erzählte bei der Eröffnung am Dienstag von einer Bosnierin, die sich bis heute schäme, ihrem Kind von ihrem Schicksal zu erzählen. "Dieser Tag ist für sie", sagte Jolie. Dies sei ein "Gipfel wie kein anderer".

Ziel der Veranstaltung ist es, auf sexuelle Gewalt in Konfliktgebieten und vor allem auf Vergewaltigung als Kriegswaffe aufmerksam zu machen und die "Kultur der Straflosigkeit" zu beenden. Ein großes Thema dürfte auch das Schicksal der in Nigeria verschleppten Schülerinnen sein, die seit Wochen in der Gewalt von Kämpfern der Islamistengruppe Boko Haram sind. Dazu sind Gespräche mit VertreterInnen aus Nigeria und den Nachbarstaaten geplant.

Erschreckende UN-Zahlen

Bis Freitag sind insgesamt 150 öffentliche Veranstaltungen in dem riesigen Konferenzkomplex geplant, darunter Ausstellungen und Kinovorführungen. Fast 50 AußenministerInnen sind eingeladen, darunter der US-Chefdiplomat John Kerry. Zudem sind Militär- und Justizexperten vor Ort, ebenso wie Nichtregierungsorganisationen, religiöse und humanitäre Vertreter.

Kerry, der am Freitag in London erwartet wird, forderte in einer Erklärung die betroffenen Konfliktländer auf, den Schutz derjenigen zu beenden, die "solche abscheulichen Verbrechen begehen". "Wir müssen unisono erklären: Sie dürfen nicht entkommen und sich nicht verstecken." Kerry fordert unter anderem, dass Vergewaltigung in Konfliktgebieten als "internationales schweres Verbrechen" angesehen wird.

Die UN-Zahlen zu sexueller Gewalt in Konfliktgebieten sind erschreckend: Demnach werden etwa in der Demokratischen Republik Kongo täglich im Durchschnitt 36 Frauen und Mädchen vergewaltigt. Zwischen 250.000 und 500.000 Frauen erlitten dieses Schicksal 1994 beim Völkermord in Ruanda, mehr als 60.000 in Sierra Leone. Hague forderte am Dienstag ein "neues internationales Protokoll" zur besseren Erfassung und Verfolgung sexueller Verbrechen.

Papst Franziskus rief im Internetdienst Twitter zum Gebet für "alle Opfer sexueller Gewalt und für diejenigen, die sie bekämpfen" auf. Die Kinderhilfsorganisation World Vision forderte die Gipfelteilnehmer auf, alles zu tun, um sexuelle Gewalt als "Kriegsmittel auszumerzen". Die Täter müssten auch nach Ende eines Konflikts verfolgt werden. (APA, 11.6.2014)

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