Meine Frau sagt, daheim sein ist wie Urlaub

10. Juni 2014, 08:29
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Der niederösterreichische Winzer Anton Bauer lebt und arbeitet in Feuersbrunn am Wagram

Der niederösterreichische Winzer Anton Bauer lebt und arbeitet in Feuersbrunn am Wagram. Michael Hausenblas erzählte er unter anderem, dass der Verkostungsraum die Funktion eines Wohnzimmers übernommen hat.

"Ich wohne hier in Feuersbrunn am Wagram, circa 60 Kilometer westlich von Wien. Feuersbrunn ist ein kleiner, klassisch traditioneller Weinort mit gut 700 Einwohnern. Hier wird schon seit mehr als 2000 Jahren Wein angebaut. Unser Haus befindet sich im obersten Drittel des Ortes an einer alten Dorfstraße. Hier lebe ich mit meiner Frau, mit meiner Mutter und mit Samuel, einem Golden Retriever.

foto: philipp kreidl
Anton Bauer im Verkostungsraum seines Weingutes, von dem aus er auf Rosen, Buchsbäume und Goldfischteiche schauen kann. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Wir bewohnen ein mehr als 150 Jahre altes Winzerhaus, das wir im Laufe der letzten 20 Jahre Stück für Stück saniert haben. Da rede ich vor allem von Dach, Fenstern, Isolierungen, Heizung und so weiter. Das meiste davon haben wir selbst gemacht. Wichtig war mir dabei, dass das Traditionelle, das Bäuerliche erhalten bleibt.

Ich habe hier bis zu meinem 18. Lebensjahr mit meinen Eltern gewohnt, dann gab es eine längere Pause, während der ich in Krems zu Hause war. Seit zehn Jahren bin ich wieder zurück. Unser Grundstück ist sehr schmal. Das Haus umgibt einen sehr schönen Innenhof mit vielen Buchsbäumen, Rosen und ein paar Teichen samt Goldfischen. Auf diese sieht man auch aus unserem Verkostungsraum. Der ist überhaupt der wichtigste Ort im ganzen Hause. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass der Verkostungsraum mit seinen großzügigen Fensterflächen auch die Funktion unseres privaten Wohnzimmers übernommen hat. Hier halten wir uns eindeutig am meisten auf.

Das Haus ist zum Teil ein- und dann auch wieder zweigeschoßig. Insgesamt wohnen wir hier auf circa 300 Quadratmetern. Da kommen dann noch einmal 100 Quadratmeter für den Verkostungsraum hinzu.

Meine Frau und ich bewohnen eine Art Loft oberhalb des Weinlagers, eine großzügige Wohnung mit sehr schönen Dachfenstern mit Blick Richtung Süden. Hierher ziehe ich mich immer wieder zurück, um Energie zu tanken. Was ich übrigens gar nicht mag, das ist Lärm. Es ist nämlich ein Trugschluss zu glauben, dass es auf dem Land so schön ruhig ist. Schließlich wird hier auch viel mit unterschiedlichsten Maschinen gearbeitet.

Unseren Wohnstil würde ich als modern und eher reduziert bezeichnen. Klar ist mir die Einrichtung wichtig, schließlich lebt man ja mit ihr und umgekehrt. Zu zwei Dritteln bin ich es, der die Entscheidungen in Einrichtungsfragen fällt, aber meine Frau ist in der Regel mit meiner Wahl sehr zufrieden. Es kommen auch immer wieder neue Objekte dazu. Im Moment sanieren wir beispielsweise gerade ein Kellerabteil, das auch eingerichtet sein will.

Als Winzer verbringe ich sehr viel Zeit im Freien. Ich denke, deshalb sucht man auch in den privaten Räumlichkeiten nach mehr Großzügigkeit. Das sehe ich auch in den Häusern von Kollegen. Klar ist das auch kostenintensiver.

Beruflich bedingt bin ich regelmäßig unterwegs und komme so auch in größere Städte. In New York zum Beispiel fasziniert mich immer wieder, wie so eine Riesenstadt überhaupt funktionieren kann. Allein technisch ist das schon eine gewaltige Vorstellung. Ich genieße solche Aufenthalte, aber nach einer Woche reicht's dann auch. In New York bin ich am liebsten im Gramercy Park Hotel. Schön ist auch "The Inn at little Washington", zwei Autostunden südlich von Washington, mit seinen zwei Michelin-Sternen. Überhaupt stehen wir eher auf die kleineren Boutique-Hotels. Wir freuen uns aber auch immer sehr aufs Heimkommen. Meine Frau sagt immer: Daheim sein ist wie Urlaub.

Ob ich dennoch einen Wohntraum habe? Nun, ein kleines Bauernhaus in Südfrankreich könnte ich mir vorstellen, für die ruhigeren Jahre halt. Das wär' schon eine Sache!" (DER STANDARD, 7./8./9.6.2014)

Anton Bauer wurde 1971 in Tulln geboren. Er absolvierte die Weinbauschule in Krems sowie ein Praktikum im Burgund. Nachdem er vier Jahre als Önologe tätig war, übernahm er 1992 den elterlichen Weinbaubetrieb, der von 3,2 Hektar Anbaufläche auf 29 Hektar anwuchs. Neben den Wagramer Klassikern wie Grüner und Roter Veltliner sowie Riesling setzte Bauer schon früh auf Rotweine wie Pinot Noir, Cabernet Sauvignon und seinen "Cuvée Legendär". Seine Weine verkauft er weltweit. Zurzeit experimentiert er mit einem Weißburgunder, der sich in einem Betonei entfaltet.

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antonbauer.at

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