Donald Duck: Die immer strebend sich bemühende Ente

Kopf des Tages9. Juni 2014, 18:38
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Der globalisierte Wutbürger Donald Duck wird 80

Im Anfang war er wirklich einfach eine Ente. Mit seinem langen Schnabel quakte er sich, immerhin schon mit Matrosenjacke und -mütze bekleidet, durch den Kurzfilm The Wise Little Hen, Premiere: 9. Juni 1934.

Dann wurde Donald Fauntleroy Duck immer mehr zum Menschen, weniger äußerlich als charakterlich, zeigte er doch mit der Zeit alle Stärken und Schwächen eines immer strebend sich bemühenden und fast ebenso oft scheiternden Bürgers wie du und ich (und nicht eines Helden wie Asterix und Mickey Mouse). Genau deswegen wurde er zur Identifikationsfigur für Generationen und zum Star im Disney-Imperium.

Harmonisch beginnt jede Geschichte, jeder Film - Friede in Entenhausen, Wonne zu Hause. Doch dann gerät etwas aus dem Lot. Wird er gegen Gustav Gans bei Daisy ein Leiberl reißen? (Eher selten.) Wird er aus der Bredouille, in die Onkel Dagobert die ganze Sippe wegen irgendeiner Schatzsuche geritten hat, heil wieder herausfinden? (Gut möglich.) Wird er sich als Autoritätsfigur bei seinen drei Neffen durchsetzen? (Kommt darauf an.) Was auch immer, er reißt sich einen Haxen, eine Schwimmflosse aus, auch beruflich, sei es als Dorfschmied, Milchmann, Museumswärter, Schauspieler oder gar bei den Olympischen Sommer- und Winterspielen (oje!).

Walt Disney hat ihn sich ausgedacht, aber erst seine Zeichner und Ideenschöpfer haben ihn mit Leben erfüllt, allen voran "the good Duck artist" Carl Barks. Er hat die besten Storys geschaffen. Und - man kann es nicht oft genug sagen - Erika Fuchs hat sie so liebevoll und facettenreich übersetzt, dass die Duck-Comics sich auf Deutsch noch besser lesen als im Original; mit ein Grund, warum bei uns die Hefte wohl beliebter sind als die Trickfilme (in den USA ist es umgekehrt). Die Kinder mit der Gnade der rechtzeitigen Geburt (ca. zwischen 1945 und 1960) konnten das Barks/Fuchs-Opus in Reinkultur genießen und schafften es dann, durchaus als Folge davon, in die höheren Sphären von Kunst, Kultur und FAZ-Feuilleton. Die Nachgeborenen mussten mit eher minderer Massenware vor allem aus italienischer Produktion, "Lustige Taschenbücher" und so, vorliebnehmen.

Aber egal, 80 Jahre nach seiner Premiere ist Mr. Duck noch immer unser aller Onkel, der globalisierte Wutbürger, der Antiheld unserer Zeit. Und wenn wir verzagen: We will always have Donald - schon Humphrey Bogart hatte es so ähnlich ausgedrückt. (Michael Freund, DER STANDARD, 10.6.2014)

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