Mehrheit lehnt Steuern auf Vermögen ab

9. Juni 2014, 18:24
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Streit um Reformpläne: Zwei Drittel wollen Spitzenverdiener stärker belasten - Nur 23 Prozent glauben, dass eine Steuerreform die eigene Familie entlasten würde

Linz - Die Diskussion um eine Steuerreform hat die Österreicher mehr verunsichert, als dass sie Hoffnung auf Entlastung gegeben hätte. Das geht aus den Daten der jüngsten Market-Umfrage für den STANDARD hervor.

DER STANDARD wollte wissen, welcher Partei zugetraut wird, dass sie gute Pläne für eine Steuerreform habe. Dabei schneidet die SPÖ am relativ besten ab: 33 Prozent trauen ihr gute Pläne zu - was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass nur die erklärten SPÖ-Wähler der eigenen Partei gute Konzepte zutrauen. Die Wähler anderer Parteien stehen deutlich weniger hinter den Plänen ihrer Gruppierung. Allerdings überwiegen bei allen Parteien die Zweifel. So sagen 42 Prozent der Befragten, die SPÖ habe keine guten Pläne.

Noch schlimmer sieht es für die ÖVP aus: Hier sagen 60 Prozent, dass sie keine guten Pläne hätte, nur 13 Prozent trauen ihr solche zu. Das ist insofern erstaunlich, als die ÖVP-Vorstellungen eher mehrheitsfähig sind als die der anderen Parteien. Market-Studienleiter David Pfarrhofer: "Das zeigt, dass der ÖVP momentan insgesamt wenig zugetraut wird - da kann sie sagen, was sie will. Wenn etwa der Finanzminister, der ja auch ÖVP-Chef ist, sagt, dass man eine Steuerreform erst machen soll, wenn sie sich der Staat auch leisten kann, dann wird ihm inhaltlich zugestimmt. Nur wird das nicht der ÖVP zugute gehalten."

Neue Schulden

Market fragte: "Bei der Steuerreform wird ja derzeit darüber gestritten, ob man Steuersenkungen auch zulasten des Budgets, also mit neuen Schulden, machen soll - oder ob man sie erst dann machen soll, wenn sie sich der Staat auch leisten kann." Dabei schließen sich nur 32 Prozent der ersten Meinung an - 49 Prozent vertreten die Meinung, dass der Staat die Steuern erst senken soll, wenn er sich das auch leisten kann.

Nun könnte man eine Senkung der Steuer auf Einkommen durch andere Steuern finanzieren - ein Dutzend Vorschläge hat Market für den Standard bereits zu Jahresbeginn 2012 abgefragt, wobei schon damals Vermögenssteuern in der politischen Diskussion waren und in der Umfrage abgelehnt wurden. Vermögensbezogene Steuern, wie sie von der SPÖ propagiert werden, sind inzwischen nicht populärer geworden, im Gegenteil: Während 2012 nur 33 Prozent der Wiedereinführung der Erbschaftssteuer ein "Nicht genügend" gaben, so sind es inzwischen 38 Prozent.

Die Grafik zeigt: "Sehr gut" gibt es mehrheitlich für eine höhere Progression - also eine stärkere Besteuerung von Spitzeneinkommen. "Damit kann man sich leicht anfreunden, weil man beim Einkommen ganz gut weiß, ob man zur Spitzengruppe gehört oder nicht. Bei den Vermögen ist das nicht ganz so klar - die Leute können sich nicht vorstellen, was sie einmal erben werden und wie das allenfalls steuerlich zu behandeln sein wird. Zudem haben die Österreicher hohen Respekt vor Eigentum", meint Pfarrhofer.

Von Vermögenssteuer betroffen

DER STANDARD ließ nachfragen: "Konkret wird ja auch über Vermögenssteuern gesprochen, also höhere Steuern auf den Besitz oder die Erbschaft von Grund und Boden, Wertpapieren, Schmuck, Autos und anderen Wertgegenständen. Dabei soll es einen Freibetrag von einer halben bis einer Million Euro geben. Würde eine solche Steuer Sie und Ihre Familie vermutlich treffen, oder ist das eher nicht der Fall?" 23 Prozent sagen, dass sie vermutlich betroffen wären, 68 Prozent sehen sich als vermutlich nicht betroffen an.

42 Prozent der Österreicher lehnen eine Steuer auf Finanzvermögen, Sparbücher und Wertpapierdepots strikt ab, weitere 20 Prozent sind überwiegend dagegen.

Die Ablehnung ist seit dem Jahr 2012, als dieselbe Fragestellung schon einmal verwendet wurde, sogar noch gestiegen. Damals waren 32 strikt und 13 Prozent überwiegend gegen eine Steuer auf Finanzvermögen. Ähnlich sieht es mit der Ablehnung von Steuern auf Grund und Boden sowie mit der Erbschaftssteuer aus.

Und was bringt das Ganze? Nur 23 Prozent der Befragten erwarten, dass eine allfällige Steuerreform eine Entlastung für die eigene Familie bringen würde. 20 Prozent gehen sogar davon aus, dass sie durch die Reformen mehr belastet würden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 10.6.2014)

  • DER STANDARD wollte wissen, welcher Partei zugetraut wird, dass sie gute Pläne für eine Steuerreform habe.

    DER STANDARD wollte wissen, welcher Partei zugetraut wird, dass sie gute Pläne für eine Steuerreform habe.

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