"Tatort" Stuttgart: Männerwelten vor und hinter Gittern - Top oder Flop?

Ansichtssache9. Juni 2014, 18:54
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So ein Männergefängnis ist eine schöne kleine Versuchsanstalt - zumindest, wenn man männliche Befindlichkeiten untersuchen will. Denen wandte sich der Stuttgarter "Tatort: Freigang“ zu. Eine Frau wurde da recht blutig ermordet, DNA-Spuren führen flugs zum Täter - und einem kleinen Problem. Der Verdächtige sitzt in Haft, ergo: hat ein Alibi.

foto: orf/ard/johannes krieg

Thorsten Lannert wird undercover in die angeblich vorbildliche Justizvollzugsanstalt eingeschleust und stellt bald fest, wie familiär es da zugeht. Zumindest so, wie sich manche (nein, nicht alle!) Männer eine Familie vorstellen: Eine Hand wäscht die andere, man führt sich Huren und Drogen zu und verschafft einander "Freigang“, wenn einer etwa die untreue Ex aus dem Weg schaffen will.

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foto: orf/ard/johannes krieg

Als Treffpunkt für Lannert und Kollege Bootz dient passenderweise ein Puff. Während Lannert die zu seiner Tarnung ersonnene Rolle des "Hurenbock aus Hamburg“ ganz überzeugend darstellt, muss er seinen Kollegen ermahnen: er solle doch bitte, solange man sich im Bordell aufhält, den "erschöpften Freier“ mimen, statt ständig mit seinen Kindern zu simsen. Der arme Bootz nämlich wurde von seiner Frau verlassen, und wird nun andauernd mit diesem Schicksal konfrontiert.

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foto: orf/ard/johannes krieg

Wenn ihn der Verdächtige fragt, was er denn tun würde, "wenn deine Frau einen anderen fickt“, etwa. Oder wenn er sieht, wie Häftlinge sich ihre Freiheit ergaunern - während er die seine gar nicht haben will. Krönender Abschluss dieser wirklich erfreulichen Folge: Ein Sinnbild des Sprüchleins "Verbrechen lohnt sich nicht.“

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foto: orf/ard/johannes krieg

Die Kommissare rauschen mit Lannerts Porsche an den Festgenommenen vorbei. Die sitzen in Polizeiwägen und fahren. Im Schneckentempo. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 10.6.2014)

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foto: orf/ard/johannes krieg

"Fast bekommt man den Eindruck, die Verantwortlichen beim SWR wollten die besonders biederen Tatorte der Vergangenheit wettmachen", beschreibt Christian Buß auf Spiegel Online die Folge: "In der letzten Episode mit Lannert und Boots zeigte sich ja schon eine gewisse neue Härte, nun gibt es einen testosteronbefeuerten, aber auch in sich schlüssigen Knast-Schocker."

Wie hat Ihnen diese Folge gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 9.6.2014)

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