Microsoft: Aufbruch in die "Post-Post-PC"-Ära

9. Juni 2014, 11:07
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Im Vergleich zur Konkurrenz gilt Microsoft momentan als wenig hip - dies will der Konzern ändern

Eigentlich läuft es bei Microsoft rund: Die Geschäfte boomen, und mit der milliardenschweren Übernahme der Handysparte von Nokia hat sich der Konzern für weitere zukunftsträchtige Geschäftsfelder gerüstet. Trotzdem schwindet die Bedeutung von Microsoft in der öffentlichen Wahrnehmung. Apple, Google, Facebook, Netflix oder Amazon stehlen mit ihrem hipperen Image dem Softwarekonzern zunehmend die Show - und Kunden. Dadurch verliert das Unternehmen seine Anziehungskraft als Arbeitgeber. Das ist ein massives Problem in einer Branche, die gern von einem "War for Talent" spricht.

Das nächste große Ding

An diesem Imageproblem arbeitet der Konzern nun mit ganzer Kraft. "Es ist Zeit für uns, das nächste große Ding zu bauen", sagte der neue Microsoft-Chef Satya Nadella vergangene Woche auf der "Code Conference" des IT-Weblogs re/code in Los Angeles. Der Konzern setzt dabei auf mobile Angebote und das Geschäft mit Cloud-Anwendungen, um sich unabhängiger vom klassischen PC-Geschäft zu machen.

Ein Beispiel seiner Innovationskraft demonstrierte Microsoft ebenfalls in Los Angeles. Dabei wurde ein Skype-Gespräch zwischen zwei Mitarbeitern auf Englisch und Deutsch in Echtzeit übersetzt. Ende des Jahres soll sie für alle Skype-Nutzer kostenlos verfügbar sein.

NSA-Affäre

Als Hemmschuh für die Neuausrichtung von Microsoft hat sich die Überwachung durch die NSA entpuppt. "Die Enthüllungen von Edward Snowden haben unser Cloud-Geschäft dramatisch geändert", sagte Rich Sauer, einer der obersten Anwälte des Konzerns, zum Standard. Die Aktivitäten des US-Geheimdienstes haben Kunden tief verunsichert. In Ländern wie Deutschland, Brasilien, Russland und China hat Microsoft einen schweren Stand. "Es gibt keine Zusammenarbeit mit der NSA", betonte Sauer. Nachsatz: Wie man seit den Enthüllungen von Snowden wisse, werde diese auch nicht benötigt. Für Ausspähaktionen ist die NSA in Datencenter eingebrochen.

Stärke Verschlüsselung

Microsoft hat auf die NSA-Affäre mit verschiedene Antworten reagiert. "Uns ist die Privatsphäre unserer Kunden besonders wichtig", betont Sauer. Dafür wurde die Verschlüsselung der Daten in der Cloud radikal verstärkt. Zusätzlich zieht man, gemeinsam mit anderen Schwergewichten der IT-Industrie wie Facebook, Yahoo oder Google, juristisch gegen Überwachungs- und Antiterrorgesetze zu Felde. Die US-Regierung hat großen amerikanischen Internetfirmen in der Geheimdienstaffäre auch bereits leichte Zugeständnisse gemacht. Sie dürfen mittlerweile etwas genauere Angaben veröffentlichen, wie oft Behörden die geheime Herausgabe von Nutzerdaten verlangen oder auf welcher rechtlichen Grundlage dies geschieht. (Markus Sulzbacher, DER STANDARD, 9.6. 2014)


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