Netflix tritt mit "Binge-Watching" gegen ORF und Co. an

9. Juni 2014, 08:56
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Viele Zuschauer wollen nicht mehr auferlegt bekommen, wann sie etwas sehen können

Der Online-Videodienst Netflix macht ernst mit seinem Österreich-Start: Wie das US-Unternehmen Ende Mai bekannt gab, will man bis Ende des Jahres den Markteintritt wagen. Neben Österreich werden demnach auch Konsumenten in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg auf den Dienst zugreifen können. Der Video-On-Demand-Dienst bietet Filme und Serien gegen eine monatliche Gebühr ab acht bis zehn Euro über das Internet an, ist damit in den USA enorm erfolgreich und hat "Binge Watching" ("Komaglotzen") zu einem kulturen Trend gemacht.

"Orange is the New Black" oder "House of Cards"

Weltweit bekanntgeworden ist Netflix mit selbst produzierten Serien wie dem Gefängnisdrama "Orange is the New Black" oder "House of Cards", in der Schauspieler Kevin Spacey die Rolle eines skrupellosen Machtpolitikers in Washington spielt.

Das Unternehmen trifft mit diesem Angebot den Zeitgeist: Neue, hochwertige Serien, die jederzeit als Ganzes angeschaut werden können. Damit bietet Netflix etwas, das weder traditionelle Fernsehsender noch andere Online-Videotheken im Angebot haben.

Auch bringt Netflix neue Fernseh-Gewohnheiten. So hat der Dienst  “Binge-Watching”, auch “Komaglotzen” genannt,  einen Trend geprägt, der offensichtlich  in die aktuelle Lebenswelt passt. Immer mehr Zuseher sehen sich mehrere Serien-Folgen oder eine Staffel an einem Stück an.

Sky hat keine Angst vor Netflix

In Europa könnte die Ausstrahlung von Eigenproduktionen jedoch kompliziert werden. Der Videodienst hatte House of Cards im deutschsprachigen Raum an den Pay-TV-Sender Sky verkauft, laut Sky gilt dieser Deal auch für alle künftigen Staffeln.

Der Pay-TV Sender Sky, der bereits mit  “Snap” eine Antwort auf den Markteintritt von Netflix, an den Start gebracht hat, gibt sich bisher sportlich. Man habe keine Angst vor Netflix und findet es gut, wenn mehr über Pay-TV im Ganzen gesprochen wird, so das Unternehmen.

"Fern-Videothek"

Das Unternehmen hatte einst als "Fern-Videothek" begonnen und DVDs per Post verliehen. Mitte der 2000er erkannte der Konzern als eine der ersten Firmen das Potenzial eines legalen Streamingmarktes, mittlerweile bezeichnet sich Netflix nicht nur selbst gern als "die Zukunft des Fernsehens", weil der Kunde selbst über sein Programm entscheiden kann.

Vorbereitungen laufen auch Hochtouren

Wer sich hierzulande für einen Account interessiert, kann sich unter www.netflix.com mit seiner E-Mail-Adresse registrieren, um benachrichtigt zu werden, sobald Netflix verfügbar ist. Auf der Homepage erwartet den Nutzer bereits die Ankündigung "Wir sind bald in Österreich verfügbar". Die PR-Abteilung des Unternehmens beackert bereits seit einigen Wochen den heimischen Boden. Auch soll Netflix fixer Bestandteil des Angebotes eines großen Smart-TV Herstellers werden.

48 Millionen zahlende Kunden

Den Erfolg von Netflix haben zuletzt die Zahlen für das erste Quartal 2014 untermauert: Der Umsatz belief sich auf insgesamt 1,27 Mrd. Dollar (rund 927 Mio. Euro), mehr als eine Milliarde davon entfiel auf das Internet-Streaming. Der Quartalsgewinn lag bei 53 Mio. Dollar. Derzeit zählt Netflix weltweit 48 Millionen zahlende Kunden, 36 Millionen davon in den Vereinigten Staaten.  2013 verursachte Netflix als einzelner Anbieter den größten Datenverkehr in den USA. (Reuters/red, 9.6. 2014)

  • Netflix startet Ende des Jahres in Österreich. Die Zeit, in der TV-Anstalten Abfolge und Uhrzeit von Sendungen vorgeben - neigt sich dem Ende zu.
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    Netflix startet Ende des Jahres in Österreich. Die Zeit, in der TV-Anstalten Abfolge und Uhrzeit von Sendungen vorgeben - neigt sich dem Ende zu.

  • Das aktuelle Angebot von Netflix.
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    Das aktuelle Angebot von Netflix.

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