Tetris und die Rolle des KGB

8. Juni 2014, 15:52
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Russischer Geheimdienst hatte bei der Abmachung rund um das Kultspiel auf allen Seiten die Hände im Spiel

Anlässlich des 30. Geburtstags des Spieleklassikers Tetris plaudern dessen russischer Entwickler Alexey Pajitnov und der westliche Lizenznehmer des Spiels, Henk Rogers, gegenüber dem Guardian über jene außergewöhnliche Kooperation, die das Spiel zu Zeiten des Kalten Kriegs zu einem Kulthit im Westen werden ließ.

Ablehnung

So habe auch der KGB eine Rolle in den Verhandlungen über den Export von Tetris gespielt. Habe Elorg, die Behörde, die für die Rechteweitergabe zuständig war, doch dieses zuerst strikt abgelehnt. Dessen Chef machte Rogers bei einem Moskau-Besuch schnell klar, dass man noch nie Rechte weitergegeben habe.

Situation

Das war für den in den Niederlanden geborenen US-Amerikaner allerdings eine äußerst unerfreuliche Nachricht, hatte er doch bereits 200.000 Cartridges mit Tetris in Japan fertigen lassen - und damit nicht nur sein eigenes Vermögen sondern auch das von zahlreichen Freunden und seiner Familie aufs Spiel gesetzt.

Verhör

Also stellte er eine Übersetzerin an, um mit den russischen Vertretern zu verhandeln, und zwar eine, die selbst für den KGB arbeitete. Diese wollte ihn zuerst nicht zu Elorg begleiten, da er ohne Einladung aufgetaucht war - und das noch dazu mit einem Touristenvisum, das ihm jegliches Arbeiten in Russland untersagte. Schlussendlich schaffte er es doch noch zu einem Gespräch, und wurde in Folge von 10 Personen verhört - Anwälten, Wirtschaftsexperten und dem KGB.

Abschluss

Finalisiert sollte die Abmachung allerdings erst etwas später werden, und zwar in Tokio, wo er von zwei KGB-Agenten aufgesucht wurde. Rogers besteht übrigens darauf, dass er den russischen Partnern eine hervorragenden Deal unterbreitet hat, nicht zuletzt deswegen, da er unter Zeitdruck handelte. Immerhin verhandelte die russische Seite parallel auch mit dem britischen Publisher Kevin Maxwell. (red, derStandard.at, 8.6.2014)

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    foto: mark lennihan /ap
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