Das Prinzip Hillary

Kolumne8. Juni 2014, 17:09
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Sich scheiden oder sich nicht scheiden lassen, das ist heute die Frage

Zugegeben, die Sache mit der Praktikantin ist ein uralter Hut. Aber noch immer bleibt die ehemalige US-Außenministerin das mächtigste Vorbild für alle eisernen Gattinnen-Ladies, die weiter an der Seite ihrer Männer stehen, die, offensichtlich von deren primären Geschlechtsmerkmalen gesteuert, entweder mit Zigarren, Edelprostituierten oder Geliebten im Alter ihrer großen Töchter hantieren oder wie im Plot der erfolgreichen US-Serie "The Good Wife", deren sechste Staffel gerade in Auftrag gegeben wurde, an fremden Zehen gelutscht haben.

An fremden Zehen lutschen

Als geschiedene Frau habe ich für diese Art von Arrangements immer nur ein mitleidiges Lächeln übrig, das allerdings bei näherer Betrachtung milder wird. Als Hillary sich mit Bills Affäre(n?) herumschlagen musste, war sie gerade 48 Jahre alt und hatte, nur nebenbei erwähnt, für die Präsidentschaft ihres Mannes auf eine eigene Karriere als Justizministerin verzichtet. Sie war das, was man in Amerika einen "Cougar" nennt, eine Frau jenseits der 40, die oftmals ihre Energien auf jüngere Liebhaber lenkt, wie im Fall Clinton aber ausschließlich auf, nennen wir es, Selbstbehauptungsmaßnahmen in der Arbeitswelt - zuerst als aktive First Lady, dann als Senatorin und später als US-Außenministerin.

Harte Entscheidungen

Im "Spiegel" war über das Phänomen Hillary folgender Satz zu lesen: „Die Schwäche des Mannes wird rigoros anerkannt - und in eigene Stärke verwandelt." Bingo! Da schwindet es, mein mitleidiges Lächeln. Im Vorabdruck ihrer neuen Biografie in der amerikanischen Vogue war zu lesen, was sie im Leben geprägt hat. Das einzige Foto, das zu sehen ist, zeigt kein ,first couple’, sondern drei Frauen aus drei Generationen: Hillary mit ihrer mittlerweile verstorbenen und damals über 90-jährigen Mutter Dorothy und ihrer Tochter Chelsea auf deren Hochzeit im Juli 2010. "Hard Choices" heißt ihr Buch, das am 10. Juni in den USA erscheint. Harte Entscheidungen also: Sich scheiden lassen oder nicht? Nur zum Beispiel.

Unweigerlich muss ich an den bisschen doofen, aber sehr einprägsamen Titel des Buches "Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest" denken, von dem ich immer wieder gehört, das ich aber nie gelesen habe. Heute, mit Mitte sechzig, hat Hillary Clinton vielleicht die aufregendsten Zeiten ihres Lebens noch vor sich, die der ehemalige Zigarrenraucher mit Sicherheit hinter sich hat. Da muss ich lächeln, aber sicher nicht mitleidig. (Mia Eidlhuber, derStandard.at, 8.6.2014)

  • Hillary Clinton musste sich mit den Affäre(n) ihres Mannes herumschlagen.
    foto: ap photo/pablo martinez monsivais

    Hillary Clinton musste sich mit den Affäre(n) ihres Mannes herumschlagen.

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