Die Firmen, die mehr über uns wissen als Google oder Facebook

8. Juni 2014, 10:03
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Datensammler agieren im Hintergrund, fertigen umfangreiche Profile an und verkaufen diese auch

Wenn das Thema Privatsphäre im Internet zur Diskussion kommt, fallen schnell die Namen der üblichen Verdächtigen: Wer Facebook, Google und Co. nutzt, liefert den Unternehmen damit auch einen Einblick in die eigenen Aktivitäten und Vorlieben Doch während diese Firmen alleine schon aus wirtschaftlichen Interessen darauf bedacht sind, solcherart erstellte Profile für sich zu behalten, gibt es - von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt - mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen, die sich auf die Datensammlung und deren Weiterverkauf spezialisiert haben.

Bericht

Ein aktueller Bericht der US-Handelskomission FTC wirft einen Blick auf neun solche Unternehmen - und zeichnet dabei ein erschreckendes Bild: Firmen wie Acxiom, Corelogic, Datalogix, eBureau, ID Analytics, Intelius, PeekYou, Rapleaf und Recorded Future wissen längst viel mehr über die InternetnutzerInnen als nur die Basisinformationen Name, Adresse und Geburtsdatum.

Sammlung

Auf mehreren Seiten führt der Bericht an, welche Daten von solchen Unternehmen gesammelt werden. Neben allgemeinen Informationen zur Kreditwürdigkeit - mit deren Existenz wohl schon so mancher, beim Versuch einen Mobiltelefonvertrag abzuschließen, Bekanntschaft gemacht hat - finden sich darin auch sehr spezifische Kategorien. Diese reichen von Essgewohnheiten bis zur Frage, ob ein Haushalt einen Kamin besitzt oder wie oft man nach Medikamenten recherchiert. Auch die Wohnverhältnisse - etwa ob im gleichen Haushalt noch weitere Personen wohnen und in welchem Verhältnis diese zu einer Person stehen - werden sehr detailliert erfasst.

Details

Welche Betriebssysteme oder Programme man bevorzugt, wird ebenso festgehalten wie die Intensität der Aktivität auf unterschiedlichen Online-Plattformen oder auch Vorlieben für einzelne Fluglinien. Selbst für politische Ausrichtung oder bevorzugte Film- und Musikrichtungen hat die FTC in ihrem Bericht eigenen Kategorien bei den Datensammlern gefunden.

Umfang

Die beschriebenen Unternehmen spezialisieren sich vor allem auf die Sammlung der Daten von US-KonsumentInnen, und haben dabei mittlerweile Daten von praktisch allen US-BürgerInnen angelegt, wie die FTC betont. Pro Monat würden alleine bei einem der untersuchten Unternehmen drei Milliarden neue Einzelinformationen hinzukommen - zusätzlich zu den 700 Milliarden bereits vorhandenen.

Nicht nur in den USA

Aber auch im deutschsprachigen Raum agieren seit langer Zeit ähnliche Firmen wie Schober oder AZ Direct, die Daten im großen Stil sammeln. Selbst nennen sie sich Adresshändler, haben dabei aber längst praktisch flächendeckend sehr detaillierte Profile angelegt. Die Daten werden dafür aus unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen, von einzelnen Händlern über das klassische Mittel des Gewinnspiels, das schon vor der Internetära als Lockmittel eingesetzt wurde, bis zu mittels Vorteilskarten gesammelter Informationen und zunehmend auch in sozialen Netzwerken freiwillig geposteten Details. (red, derStandard.at, 8.6.2014)

  • Das in Österreich entwickelte Online-Spiel Data Dealer versucht mit satirischen Mitteln auf die Machenschaften der Datensammeler aufmerksam zu machen. Dass man dabei keineswegs übertreibt zeigt nun ein Bericht der US-Handelskomission FTC auf.

    Das in Österreich entwickelte Online-Spiel Data Dealer versucht mit satirischen Mitteln auf die Machenschaften der Datensammeler aufmerksam zu machen. Dass man dabei keineswegs übertreibt zeigt nun ein Bericht der US-Handelskomission FTC auf.

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