Huawei Ascend P7 im Test: Schickes Flaggschiff für die Mittelklasse

8. Juni 2014, 11:43
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Gute Verarbeitung, überzeugende Kamera - Performance reicht nicht an aktuelle Spitzengeräte heran

Der chinesische Netzwerkspezialist und Elektronikhersteller Huawei hat vergangenes Jahr seine schon länger angekündigte Offensive im europäischen Smartphonemarkt begonnen, und in einigen Ländern – darunter auch Österreich – das Ascend P6 eingeführt.

Dem insgesamt soliden Gerät der oberen Mittelklasse spendiert man nun mit dem Ascend P7 einen Nachfolger, das seit 6. Juni über "3" in Österreich zu haben ist. Im Sommer dürfte es auch als offenes Gerät in den Handel kommen. Der WebStandard hat das neue Flaggschiff getestet.

Wachstumsschub

Im Vergleich zum Vorgänger hat Huawei das Android-Smartphone etwas wachsen lassen. Anstelle eines 4,7-Zoll-Displays prangt auf der Vorderseite nun ein Bildschirm mit fünf Zoll Diagonale. Nachgerüstet wurde auch die Auflösung, die nun nicht mehr bei 1.280 x 720 sondern bei 1.920 x 1.080 Pixel (Full HD) liegt.

In ästhetischer Hinsicht hat sich nicht viel geändert, man hat sich allerdings der überstehenden Leiste auf der Unterseite entledigt. Die Rückseite ist nun verglast und erinnert ein wenig an neuere Modelle der Sony Xperia Z-Reihe. Damit erhöht sich das Risiko etwas, das Telefon aus der Hand zu verlieren, da die Glasfläche nur wenig Haftung bietet. Insgesamt ist das Ascend P7 mit Maßen von 139,8 x 68,6 x 6,5 Millimeter aber komfortabel zu halten.

Makellos verarbeitet

Den microUSB-Port sowie den 3,5mm-Audioanschluss hat man verlegt. Ersterer ist an die Unterseite des Handys gewandert, zweiterer prangt nun nicht mehr seitlich, sondern oben. Er lässt sich nicht mehr als Stauraum für den SIM-Slot-Pin verwenden, der nunmehr separat mitgeführt werden muss. Der Einschaltknopf ist jetzt rund und liegt unter der Lautstärkewippe am metallenen Rahmen, beide Steuerelemente sind gut erreichbar.

Generell ist zu sagen, dass das P7 wie auch das P6 in Sachen Verarbeitung glänzt. Das Smartphone sieht hochwertig aus und fühlt sich auch so an. Potenzial für eindringenden Schmutz gibt es aufgrund der geringen Spaltmaße kaum. Allerdings bedingt die Bauform auch, dass der Akku fest verbaut ist und sich damit nicht ohne erhöhte technische Anstrengungen wechseln lässt.

Gutes Display

Kaum Raum zur Kritik gibt auch das Display. Die Darstellung ist scharf und kontrastreich, Farben sind kräftig, ohne künstlich zu wirken. Softwareseitig lässt sich über die Einstellung der Farbwärme nachjustieren. Die Maximalhelligkeit ist nicht ganz so hoch wie beim Vorgänger, aber immer noch gut genug, um auch unter hellem Tageslicht das Gerät einigermaßen bedienen zu können.

Der integrierte Handschuhmodus funktioniert fast aussetzungsfrei. Lediglich die automatische Helligkeitsregelung arbeitet manchmal etwas träge.

Eigenbau

Bei den inneren Werten setzt Huawei weiter auf eine Plattform aus eigener Entwicklung, nämlich den Hisilicon Kirin 910T, der einen Cortex-A9-Quadcore-Prozessor mit 1,8 GHz-Taktung mitbringt. Ihm stehen zwei GB RAM sowie eine Mali-450MP4-GPU zur Seite, vom eher schwachbrüstigen Vivante-Chip des Vorgängers hat man sich verabschiedet.

Der Onboardspeicher ist mit 16 GB eher sparsam bemessen, via microSD-Karte kann man ihn allerdings um bis zu 64 GB aufstocken. In puncto Konnektivität unterstützt das Handy LTE, 3G, Bluetooth 4.0 und WLAN nach 802.11n-Standard. Navigation erfolgt über GPS und GLONASS.

Hinter der Spitzenklasse

Im Allround-Benchmark Antutu erreicht das Ascend P7 rund 23.700 Zähler. Damit liegt es am Niveau des ersten HTC One aus 2013 und auch nicht weit weg von Samsungs Vorjahres-Flaggschiff Galaxy S4. Synthetisch kommt erreicht der Kirin 910T-Chip also ungefähr das Niveau des Snapdragon-600, was das Gerät je nach persönlicher Lesart entweder in die untere Highend- oder obere Mittelklasse steckt.

Im 3D-Test mit Epic Citadel schlägt sich Huaweis Telefon mit durchschnittlich 53 Bildern pro Sekunde gut. Ein Score von 1.550 stuft das Smartphone in Sachen HTML5-Performance ungefähr am Niveau des Galaxy S3 und Nexus 4 ein, die Testsoftware warnt jedoch, dass die Ergebnisse möglicherweise niedrig ausfallen, da sich die mit Android 4.4 eingeführte Webengine noch in einem frühen Stadium befindet.

Emotion UI

Vorinstalliert ist Android 4.4.2, wobei Huawei die Standardoberfläche mit seiner eigenen "Emotion UI" ersetzt. Vorinstalliert ist einige Drittsoftware, darunter Spiele wie "Dragon Mania" oder "Green Farm 3", die Zusatzsoftware lässt sich aber einfach deinstallieren. Wer die vorinstallierte Tastatur nicht mag, kann ebenso einfach auf die Standard-Eingabe von Android wechseln. Ebenfalls an Bord finden sich neben dem Play Store auch diverse andere Google-Apps.

Nach wie vor sieht die Emotion UI-Oberfläche keinen Appdrawer vor. Das bedeutet, dass der Nutzer seine Anwendungen unpraktischerweise über die Startbildschirme verteilen und selbst in Ordner organisieren muss.

Das Interface selbst lässt sich mit verschiedenen Themes anpassen – woraufhin Hintergrundbild, Farben und einige Icons geändert werden - oder in einen simplifizierten Modus mit einfachen Farben und großen Schaltflächen umschalten.

Solide Performance mit kleinen Abstrichen

Die Navigation entspricht ansonsten weitgehend der Logik der Standardoberfläche und funktioniert von Mikrorucklern abgesehen problemlos. Auf Hardware-Navigationsbuttons wird verzichtet, die Schaltflächen finden sich direkt am Bildschirm. Aufwändigeren Apps ist das P7 gut gewachsen, die Start- und Ladezeiten sind jedoch etwas langsamer als bei den aktuellen Spitzengeräten von Samsung und Co.

Hier und da schleicht sich ein größerer Hänger ein, was besonders bei der Verwendung der Kamera ärgerlich sein kann. Der verbaute Sensor auf der Rückseite liefert 13 Megapixel, die Aufnahme funktioniert üblicherweise sehr flott. Dazu präsentieren sich die Fotos in satten Farben und mit gutem Detailgrad. Videos nimmt die Kamera maximal in Full-HD-Auflösung bei 30 Bildern pro Sekunden auf, einen Slow-Motion-Modus gibt es nicht.

Überzeugende Kamera

Auch wenn Huaweis Gerät nicht ganz mit Samsungs Galaxy S5 mithalten kann, gehört die Kamera definitiv zu seinen Stärken. Die Kamera-App ist ausreichend übersichtlich und bietet alle gängigen Modi wie HDR-Aufnahme, während die Bilder in der Galerie mit allerlei Filtern überlagert werden können.

Auch die mit acht Megapixel üppig bestückte Frontkamera liefert gute Ergebnisse. Standardmäßig ist allerdings der Verschönerungsmodus eingeschalten, der insbesondere bei Gesichtsaufnahmen nachbessert. Das tut er allerdings so heftig, dass die Ergebnisse mitunter so aussehen, als hätte sie jemand mit mangelhaften Photoshop-Künsten heftig bearbeitet. Dies lässt sich aber bequem abschalten.

Akku

Der Akku des Ascend P7 liefert 2.500 mAh und soll bei 3G-Betrieb einen Standby von bis zu 420 Stunden ermöglichen. In der Praxis kommt man bei regelmäßigem Gebrauch gut über den Tag. Exaktere Werte liefert GSM Arena. Laut den dortigen Angaben hält das Smartphone über sieben Stunden kontinuierliches Websurfen oder acht Stunden Videowiedergabe durch.

Wer Funktionalität opfern, dafür aber mehr Laufzeit für einfache Erreichbarkeit via Telefonie und SMS gewinnen möchte, kann den "Ulta-Energiespar-Modus" zuschalten. In diesem werden alle anderen Verbindungen gekappt und das Telefon auf ein simples, in schwarz-weiß gehaltenes Interface umgestellt. Sobald der Akkustand auf zehn Prozent fällt, bietet das System diese Möglichkeit von sich aus in einem Warnfenster an.

Telefonie und Akustik

In puncto Empfangsstärke schlägt sich das Ascend P7 solide, sowohl was GSM und 3G betrifft als auch bei WLAN-Verbindungen. Auch bei der Sprachqualität passt alles, Anrufer und Empfänger verstehen sich klar und deutlich.

Die Soundausgabe über den integrierten Lautsprecher hingegen ist nicht mehr als von durchschnittlicher Qualität, insbesondere bei höherer Lautstärke ist Rauschen und "Scheppern" zu bemerken. Die Wiedergabe über Kopfhörer erfolgt wiederum auf passablem Niveau, wobei Musikfreunden empfohlen sei, auf andere In-Ear-Hörer bzw. ein anderes Headset als das mitgelieferte auszuweichen, das im Vergleich zum Handy keinen besonders hochwertigen Eindruck vermittelt.

GPS-Problem bereinigt

Ein Problem des Vorgängermodells, also des P6, war die GPS-Performance. Auch nach Softwareupdates ließ es das Handy an Präzision beim Navigationseinsatz vermissen. Erfreulicherweise hat es Huawei mit seinem neuesten Modell deutlich besser gemacht. Die Ortung funktioniert schnell, zuverlässig und meist sehr genau.

Fazit

Insgesamt liefert das Ascend P7 ein solides Rundumpaket. Insbesondere bei Verarbeitung, dem Display und der Kamera sticht das Smartphone positiv hervor. In vielen anderen Belangen liefert es eine zumindest überdurchschnittliche Erfahrung, ohne irgendwo wirklich negativ aufzufallen, was es insgesamt zu einem der interessantesten (und einem der subjektiv schönsten) Smartphones der mittleren Leistungsklasse macht.

Ob das reicht, um viele unentschlossene Käufer zu überzeugen, bleibt abzuwarten, gibt es doch im Preisbereich des Gerätes Alternativen wie etwa das Nexus 5. Kolportierterweise kommt das Huawei-Handy im Laufe des Sommers auch ohne Providerbindung auf den Markt und dürfte dann 400 bis 450 Euro kosten. (Georg Pichler, derStandard.at, 08.06.2014)

  • Das Ascend P7 ist seit 6. Juni in Österreich erhältlich, vorerst aber nur exklusiv über den Mobilfunker "3".
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Das Ascend P7 ist seit 6. Juni in Österreich erhältlich, vorerst aber nur exklusiv über den Mobilfunker "3".

  • Die Rückseite ist nun verglast, was sie naturgemäß anfällig für sichtbare Fingerabdruckspuren macht.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Die Rückseite ist nun verglast, was sie naturgemäß anfällig für sichtbare Fingerabdruckspuren macht.

  • Das Handy ist recht schlank und gut verarbeitet.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Das Handy ist recht schlank und gut verarbeitet.

  • Das in verschiedenen Geschmacksvariationen einstellbare Standardinterface "Lenovo UI" verzichtet leider auf einen Appdrawer.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Das in verschiedenen Geschmacksvariationen einstellbare Standardinterface "Lenovo UI" verzichtet leider auf einen Appdrawer.

  • Die Oberfläche lässt sich in einen vereinfachten Modus umschalten, der entfernt an "Star Trek" erinnert.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Die Oberfläche lässt sich in einen vereinfachten Modus umschalten, der entfernt an "Star Trek" erinnert.

  • Im Ultra-Energiespar-Modus reduzieren sich die verfügbaren Funktionen auf Telefonie, SMS und dieses einfache, schwarz-weiße Interface.
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Im Ultra-Energiespar-Modus reduzieren sich die verfügbaren Funktionen auf Telefonie, SMS und dieses einfache, schwarz-weiße Interface.

  • Testfoto: Schönwetter
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Testfoto: Schönwetter

  • Testfoto: Nahaufnahme (einen dezidierten Makromodus bietet die Kamera-App nicht)
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Testfoto: Nahaufnahme (einen dezidierten Makromodus bietet die Kamera-App nicht)

  • Testfoto: Kunstlicht
    foto: derstandard.at/georg pichler

    Testfoto: Kunstlicht

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